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Rekordquote : Deutsche sparen so viel wie nie

Die Sparquote in Deutschland ist wegen der Pandemie nochmals deutlich gestiegen. Bild: dpa

In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben die Deutschen noch mehr von ihrem Einkommen zur Seite gelegt als im vorigen Frühjahr. Doch das Spar-Aufkommen ist höchst ungleich verteilt.

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          Die Deutschen haben im Durchschnitt in den ersten drei Monaten dieses Jahres so viel von ihrem Einkommen gespart wie noch nie – zumindest seit diese Zahlen in dieser Abgrenzung erhoben werden. Das geht aus Daten hervor, die das Statistische Bundesamt am Montag vorgelegt hat. Demnach stieg die Sparquote der privaten Haushalte im ersten Quartal auf 23,2 Prozent. Das übertraf sogar noch jene 20,5 Prozent aus dem zweiten Quartal des vorigen Jahres aus dem ersten Lockdown. Im weiteren Jahresverlauf 2020 war die Sparquote dann gesunken, bevor sie jetzt wieder hochschnellte. „Die Sparquote setzt ihre Achterbahnfahrt fort“, sagte Michael Stappel, Ökonom der DZ Bank.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Untersuchungen haben gezeigt, dass unfreiwilliges Sparen durch die Corona-Beschränkungen der wichtigste Grund für die erhöhte Sparquote in der Pandemie ist, weniger das Vorsichtssparen. Außerdem sparen vor allem ältere Menschen und Menschen mit höherem Einkommen in Corona-Zeiten relativ viel. Es wird damit gerechnet, dass nach der Pandemie große Teile dieses Ersparten wieder ausgegeben werden und die Wirtschaft ankurbeln. In welchem Ausmaß das geschehen wird, ist allerdings unter Ökonomen umstritten. „Mit den Lockerungen des Lockdowns wird die Kombination aus einer soliden Einkommensentwicklung und einer geringeren Sparquote dem Konsum einen ordentlichen Impuls verleihen“, meinte Deka-Ökonom Andreas Scheuerle. „Allerdings könnte ein Teil davon infolge des ferienbedingten Reiseverkehrs ins Ausland getragen werden.“

          100 Milliarden Euro mehr gespart

          Dem gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) zufolge haben die deutschen Privathaushalte allein im vergangenen Jahr rund 100 Milliarden Euro mehr gespart, als das ohne Pandemie der Fall gewesen wäre. Besonders in der bevorstehenden zweiten Jahreshälfte dürften viele Haushalte diese aufgestaute Nachfrage nachholen, erwartet IMK-Direktor Sebastian Dullien. „Ein Teil davon dürfte dann in zusätzlichen Konsum fließen.“

          DZ-Bank-Ökonom Stappel sagte: „Angetrieben von der Corona-Krise schoss die Sparquote bereits im zweiten Quartal des Vorjahres auf 20 Prozent und damit auf den mit Abstand höchsten Wert seit der Wiedervereinigung.“ Im Rest des Jahres sei der Anteil des Einkommens, den die Haushalte auf die hohe Kante legten, zwar deutlich niedriger ausgefallen, sei aber immer noch weit über dem Durchschnitt vergangener Jahre geblieben. Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes habe die Sparrate im ersten Quartal nun also mit 23,2 Prozent abermals einen historischen Rekord erreicht. „Die saisonal stark schwankende Sparquote fällt im ersten Quartal ohnehin immer hoch aus, und in diesem Jahr kam noch der harte Lockdown hinzu“, sagte Stappel. Hohe Sparquoten habe es in Deutschland auch zu Zeiten der Ölkrisen gegeben, aber die statistischen Zahlen seien mit den heutigen nicht vergleichbar.

          Auch wenn das laufende Quartal durch allmähliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen geprägt sei, sparten die Bürger nach wie vor viel, sagte Ökonom Stappel. Das dürfte sich jedoch ändern, wenn mit dem Impffortschritt Shopping, Gastronomie, Kultur und Urlaub wieder ohne größere Einschränkungen möglich seien. „Im Laufe des zweiten Halbjahres dürfte die Sparquote sogar deutlich unter den langjährigen Durchschnitt abfallen“, meint der Ökonom. Mittel für einen kräftigen Konsum stünden zur Verfügung. Schließlich hätten die privaten Haushalte 2020 und im ersten Quartal 2021 zusammen mehr als 150 Milliarden Euro zusätzlich gespart und zumeist auf Girokonten zwischengeparkt. „Ein erheblicher Teil dieser Zusatzersparnis dürfte dafür verwendet werden, ausgefallenen Konsum nachzuholen und so den Wirtschaftsaufschwung nach der Corona-Krise anzuschieben“, meinte Stappel: „Erst im Laufe des nächsten Jahres dürfte die private Sparquote dann wieder in Richtung Normalniveau einbiegen.“

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