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Teurer Start ins Jahr : Rekordpreise für Sprit und Strom

Auch im neuen Jahr steigen die Spritpreise weiter. Bild: dpa

Diesel kostet jetzt so viel wie noch nie in der Geschichte. Auch Strom wird immer teurer. Bleibt das jetzt so im Kampf gegen den Klimawandel?

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          Wer am Wochenende mit dem Ferienende in vielen Bundesländern aus dem Winterurlaub zurückkam, stieß an den Tankstellen auf sportliche Preise: Mehr als 2 Euro je Liter kostete Super E10 an vielen Autobahntankstellen. Im Durchschnitt aller Tankstellen in Deutschland waren es nach Angaben des Autoklubs ADAC immerhin 1,659 Euro je Liter. Der Preis für Diesel erreichte mit 1,584 Euro je Liter sogar den höchsten Stand der Geschichte – ein neues Allzeithoch.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für den neuerlichen Preisanstieg kamen verschiedene Gründe zusammen: „Haupttreiber sind die Rohölpreise“, sagte Steffen Bock, der Geschäftsführer der Internetplattform Clever-Tanken. So ist Rohöl, das im November und Dezember wegen der Sorgen über mögliche weitere Lockdowns deutlich im Preis gesunken war, mittlerweile wieder teurer geworden: Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent rund 82 Dollar, Anfang Dezember waren es noch weniger als 70 Dollar gewesen.

          Anstieg des CO2-Preises zum Jahreswechsel

          Zudem ist zum Jahreswechsel der CO2-Preis auf Kraftstoffe angehoben worden, von 25 auf 30 Euro je Tonne Kohlendioxid. Das machte rechnerisch eine Verteuerung für Benzin um 1,4 Cent je Liter und für Diesel um 1,5 Cent je Liter aus. Das sei nicht besonders viel, hieß es beim ADAC, aber es komme auf die ohnehin gestiegenen Preise oben drauf. An den Tagen um den Jahreswechsel war sowohl für Super als auch für Diesel ein Preisanstieg zu beobachten, allerdings nicht vergleichbar mit der Entwicklung vor einem Jahr, als der CO2-Preis für Kraftstoffe eingeführt worden war.

          Auch Strom ist für Verbraucher noch mal teurer geworden – und das, obwohl die Ökostromumlage EEG abgesenkt worden war. Die (alte) Bundesregierung hatte Verbraucher mit diesem Schritt eigentlich als Ausgleich für den Anstieg der Preis für Heizöl und Benzin durch den neuen CO2-Preis entlasten wollen. Schon im vorigen Jahr hatten unter anderem höhere Kosten bei den Netzentgelten aber einen solchen Entlastungsschritt konterkariert.

          Jetzt berichtet das Internetportal Verivox, der Strompreis für Verbraucher sei im Januar abermals gestiegen. „Der Strompreis für Haushalte ist mit mehr als 35 Cent je Kilowattstunde höher als jemals zuvor“, berichtet Verivox nach einer Auswertung eigener Preisdaten. Im örtlichen Grundversorgungstarif kostete eine Kilowattstunde Strom für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zuletzt im Durchschnitt 35,15 Cent. Das entspreche einer Steigerung um 3,5 Prozent im Vergleich zum Dezember 2021. „Zum Jahresbeginn haben mehr als 300 der rund 800 örtlichen Stromversorger in Deutschland ihre Preise um durchschnittlich 15 Prozent erhöht, ein Drei-Personen-Haushalt zahlt rund 200 Euro mehr im Jahr“, sagt Thorsten Storck, Energiefachmann bei Verivox.

          Zum Jahreswechsel wurde die EEG-Umlage, durch die der Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert wird, von 6,5 auf 3,72 Cent je Kilowattstunde abgesenkt. Dadurch hätte der Strompreis eigentlich um rund 3 Cent je Kilowattstunde sinken sollen. „Die Stromversorger geben die niedrigere EEG-Umlage nicht an ihre Kunden weiter, weil sich die Einkaufspreise an der Strombörse vervielfacht haben“, meinte Storck: „Zusätzlich sind die Gebühren für die Stromnetze im bundesweiten Durchschnitt leicht um 4 Prozent angestiegen.“

          Debatte über geldpolitische Konsequenzen

          Die hohen Energiepreise und ihr Einfluss auf die Inflation sorgen offenbar auch in der Europäischen Zentralbank (EZB) zunehmend für eine Debatte, wie die Geldpolitik damit umgehen soll. Im Euroraum war die Inflation im Dezember auf 5 Prozent gestiegen. Die Preise für Energie legten dabei um 26 Prozent zu. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hatte am Samstag in einer Rede darauf hingewiesen, dass die politisch gewollte Verteuerung von Energie im Zuge des Klimaschutzes für eine Übergangsphase treibenden Einfluss auf die Inflation habe könne – und hatte die bisherige Praxis der Notenbanken zumindest in Frage gestellt, durch Energiepreisschwankungen einfach „hindurchzuschauen“.

          Damit hat sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter eine Debatte ausgelöst, was daraus nun folgt, und ob die EZB sich in solche Belange einmische solle. „Während die Energiepreise in der Vergangenheit oft ebenso schnell fielen wie sie stiegen, könnte die Notwendigkeit, den Kampf gegen den Klimawandel zu verstärken, bedeuten, dass die Preise für fossile Brennstoffe nun nicht nur hoch bleiben, sondern sogar weiter steigen müssen, wenn wir die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen wollen“, sagte Schnabel: „Die Kombination aus unzureichenden Produktionskapazitäten für erneuerbare Energien auf kurze Sicht, zurückhaltenden Investitionen in fossile Brennstoffe und steigenden Kohlenstoffpreisen bedeutet, dass wir möglicherweise vor einer langwierigen Übergangszeit stehen, in der die Energierechnung steigen wird.“

          Die Regierungen müssten in einem solchen Prozess vor allem die schwächsten Teile der Gesellschaft so vor höheren Energiepreisen schützen, dass der grüne Übergang nicht verzögert werde, sagte Schnabel. Die Geldpolitik ihrerseits könne es sich nicht leisten, Energiepreiserhöhungen zu ignorieren, wenn sie ein Risiko für die mittelfristige Preisstabilität darstellten.

          Ökonomen reagierten unterschiedlich. „Schnabel sagt, höhere Energiepreise könnten die EZB zum Handeln zwingen“, twitterte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. „Aber ich bezweifele, dass die EZB ihren Leitzins schon in diesem Jahr anhebt.“ Der Ökonom Gustav Horn, Mitglied des SPD-Bundesvorstands, schrieb: „Stimme Isabel Schnabel völlig zu – im gegenwärtigen Umfeld gibt es keinen Grund mehr für Negativzinsen.“

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