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Private Equity : Rekord-Fonds ermöglicht Advent Mega-Übernahmen

Zentrale der Aareal Bank in Wiesbaden. Das Private-Equity-Haus Advent versucht gerade, mit anderen Investoren das Institut zu übernehmen. Bild: dpa

Advent sammelt 25 Milliarden Dollar für einen neuen Geldtopf ein, den wohl zweitgrößten der Welt. Er ermöglicht dem Investor Einzeltransaktionen über 10 Milliarden Dollar, wie der Deutschlandchef der F.A.Z. sagt.

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          Mit seinem 25 Milliarden Dollar schweren neuen Fonds wird der Finanzinvestor Advent je Beteiligung einen dreistelligen Millionen- bis niedrigen Milliardenbetrag an Eigenkapital (Equity) bereitstellen: „Wir haben eine Spreizung von 100 Millionen bis zu 2 Milliarden an Equity, das wir pro Transaktion investieren können“, sagte Advents Geschäftsführender Partner und Deutschlandchef Ranjan Sen im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z. / Mittwochausgabe).

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Finanzinvestoren nehmen normalerweise je Übernahme Kredite auf, die das Fünf- bis Achtfache des Eigenkapitals betragen können. Hochgerechnet auf den neuen Fonds ergibt das mögliche Volumina für Einzeltransaktionen im zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich, wie Sen vorrechnete. „Dann können Sie sich Zahlen zwischen 10 und 20 Milliarden durchaus vorstellen.“ Der neue Geldtopf werde voraussichtlich zwischen 35 und 45 Transaktionen speisen, vergleichbar mit dem Muster vergangener Fonds.

          Wohl der zweitgrößte Fonds der Welt

          Der neue Fonds ist vermutlich der zweitgrößte der Welt. Der deutsche Branchenverband BVK stellte auf F.A.Z.-Anfrage eine Liste der größten bekannten Fonds bereit, wonach nur ein Topf des Finanzinvestors Blackstone aus dem Jahr 2019 ein höheres Volumen aufweist, nämlich 25,4 Milliarden Dollar. Der BVK erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, weil insbesondere Nordamerika- und Asien-Fonds nicht nachverfolgt würden. Aber auch der Finanzdatenanbieter Bloomberg führt den neuen Fonds als Nummer zwei.

          Den hauseigenen Rekord bricht Advent allemal; der Vorgängerfonds aus dem Jahr 2019 umfasste 17,5 Milliarden Dollar. Beteiligungsgesellschaften werben bei institutionellen Investoren wie Pensionsfonds Zusagen für Gelder ein, die sie abrufen, sobald eine Transaktion ansteht. Üblicherweise liefert ein Fonds für eine einzelne Transaktion nicht mehr als ein Zehntel seines Volumens, was das Risiko streut. 40 Prozent der Investorengelder in dem neuen Advent-Fonds kommen aus Nordamerika. Die künftigen Beteiligungen dürften nach Sens Worten zu je 40 Prozent in Nordamerika und Europa getätigt werden.

          Advent hatte den Abschluss des Fonds mit dem Namen GPE X (X als römische Variante der 10) am Dienstagmorgen bekanntgegeben. Er fällt im Volumen mehr als 40 Prozent höher aus als der Vorgängerfonds IX und bringt das verwaltete Vermögen Advents auf mehr als 100 Milliarden Dollar. Die Sammelaktion illustriert die enorme Liquidität, die den Beteiligungsgesellschaft rund um den Globus zufließt. Stachen in den Nullerjahren zweistellige Milliardenfonds noch heraus, ist in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe bekanntgeworden. Große internationale Häuser wie Carlyle, CVC, EQT, KKR und Permira können sich aus solchen Pools bedienen, und auch der Spezialinvestor Thoma Bravo, der die Technologiebranche im Visier hat, baute einen Fonds deser Dimension auf.

          Früherer Eigner von Douglas

          Advent ist in Deutschland unter anderem als früherer Eigentümer der Einzelhandelskette Douglas bekannt und über Engagements im Chemiesektor, etwa im Plexiglashersteller Röhm, der früher zu Degussa und Evonik gehörte. Momentan bietet Advent mit dem Finanzinvestor Centerbridge und dem staatlichen kanadische Pensionsfonds CPPIB für die Aareal Bank. Die 2 Milliarden Euro schwere Offerte stand kurz vor Ablauf der Annahmefrist (Dienstag um Mitternacht) am Rand zum Erfolg: Wie die Bieter mitteilten, hatten sie sich bis Montagabend 59,66 Prozent der Anteile an dem Wiesbadener Immobilienfinanzierer gesichert und die Mindestannahmeschwelle von 60 Prozent damit beinahe erreicht. Advent hat schon Erfahrungen mit deutschen Finanzdienstleistern gesammelt, in Form von Concardis und GFKL.

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