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Reaktion auf Corona-Krise : Was es gegen das Virus braucht

Auch an der Frankfurter Börse sorgt die Ausbreitung des Coronavirus derzeit für Unruhe. Bild: dpa

Zinssenkungen werden die Verbreitung des Virus nicht verhindern. Die EZB tut gut daran, sich von der Fed-Entscheidung nicht unter Druck setzen zu lassen – vielleicht werden ihre Medikamente später noch nötiger gebraucht.

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          Keine Zinssenkung wird die Verbreitung des Coronavirus verhindern. Das ist sicher. Überhaupt nicht sicher ist, wie lange das Virus die Welt noch beschäftigen und was es am Ende angerichtet haben wird. Insofern hat die amerikanische Notenbank mit der Zinssenkung schon sehr früh ein eindrucksvolles Zeichen der Beruhigung gesetzt: Seht her, wir haben die Lage im Griff und sind bereit zu handeln.

          Schon kommt einem das „Whatever it takes“ des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi in den Sinn, der allein mit diesem einen Satz unmittelbar für die Beruhigung aufgewühlter Märkte sorgte, als die Euro-Krise im Jahr 2012 ihren Höhepunkt erreichte und der Euro wackelte. Mittel zur Beruhigung gehören zu Recht in den Medikamentenkoffer von Notenbanken. Mittlerweile sollte sich aber auch die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass Notenbanken nicht imstande sind, Probleme allein zu lösen. Mit Zinssenkungen wird vor allem Zeit erkauft.

          Es braucht Besonnenheit

          Diese wurde in Europa schon in den Jahren nach der letzten Finanzkrise nicht zufriedenstellend genutzt. Staatsverschuldungen wurden unzureichend abgebaut, Unternehmen schoben notwendige Transformationen auf die lange Bank, manche Gesellschaften – gerne auch aus der Finanzindustrie – wurden und werden dank der niedrigen Zinsen sogar künstlich am Leben gehalten. Es ist daher jetzt vor allem an den nationalen Regierungen, Hilfen dort zu geben, wo es wirklich nötig erscheint. Nicht mit der Gießkanne, sondern gezielt. Die besondere Schwierigkeit liegt darin, dass das Virus Angebot und Nachfrage gleichermaßen trifft. Lieferketten sind genauso infiziert wie die Bereitschaft, aktuell eine Reise zu buchen. Zinssenkungen haben darauf keinen Einfluss.

          Die EZB tut gut daran, sich von der Fed-Entscheidung nicht unter Druck setzen zu lassen, nun ihrerseits schnell starke Zeichen zu setzen. Es kann schließlich sein, dass ihre Medikamente später noch nötiger gebraucht werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die EZB weniger Pulver hat als die Fed. An den Aktienmärkten werden Zinssenkungen fast immer beklatscht, sorgen sie doch meist für steigende Kurse. Über die Wirksamkeit auf die Volkswirtschaft sagt das wenig aus. Es braucht Besonnenheit, im Umgang mit dem Virus genauso wie mit der Geldpolitik.

          Inken Schönauer

          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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