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Zahlungsprobleme : Ratingagentur S&P stuft Argentinien herunter

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Besorgte Händler an der Börse von Buenos Aires Bild: dpa

Mit dem Ratingriesen S&P bewertet ein wichtiger Bonitätswächter die Finanzierungsprobleme des argentinischen Staats als Zahlungsausfall und stuft die Kreditwürdigkeit des Landes herab.

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          Argentinien sieht sich nicht in der Lage, kurzfristige Schulden am Kapitalmarkt aufzunehmen und hat daher am Donnerstag die Laufzeit bestehender kurzfristiger Staatsanleihen verlängert. Die internationale Ratingagentur S&P wertet das auf Grundlage ihrer Beurteilungskriterien als Zahlungsausfall und stuft Argentinien in einer niedrigeren Stufe mit geringerer Kreditwürdigkeit als bisher ein.

          S&P teilte am Donnerstag auf seiner Webseite mit, die lokalen Ratings und das Devisenrating Argentiniens herabgestuft zu haben. Dabei wurde das Langfrist-Rating für Argentinien um gleich drei Stufen von zuvor B- auf CCC- gesenkt. Das ist ein wichtiges Signal für Investoren, die ihre Entscheidungen auch nach den Beurteilungen großer Ratingagenturen richten.

          Die argentinische Regierung hatte mit Plänen einer Umstrukturierung der Anleihen die Anleger verschreckt. Die Dollar-Bonds markierten am Donnerstag Rekord-Tiefstände. Finanzminister Hernan Lacunza hatte angekündigt, die Regierung strebe längere Laufzeiten bei Anleihen an und verhandle mit dem Internationalen Währungsfonds sowie den Investoren. Die Anleihe mit Laufzeit bis 2028 sank auf 40,74 Cent pro Dollar und markierte damit ein Rekordtief, auch das Jahrhundertpapier lag mit 43 Cent so niedrig wie nie zuvor. Vor der Vorwahl vom 11. August - die als wichtiger Stimmungstest für die Präsidentschaftswahl im Oktober gilt - hatte sie noch 30 Cent höher notiert.

          Die Kosten für die Ausfallversicherung einer fünfjährigen Anleihe stiegen zugleich nach Daten von IHS Markit seit Mitte August um 2000 Basispunkte auf 3093 Basispunkte - für je 10 Millionen Dollar Schulden liegt die Versicherungsprämie damit bei mehr als drei Millionen Dollar. Ein derartiges Niveau signalisiert, dass die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite binnen eines Jahres auf ungefähr 50 Prozent beziffert wird. Die Umschuldungspläne wecken Erinnerungen an die Staatspleite 2001 und 2002, die Millionen Argentinier in Armut stürzte und das Land für Jahre vom Finanzmarkt abschnitt.

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          Einige Investoren begrüßten jedoch die Umschuldungspläne. „Sie haben das Geld nicht, und deswegen ist eine Anpassung nötig“, sagte Abhishek Kumar, Schwellenländer-Fondsmanager beim Vermögensverwalter State Street Global Advisors. „Die Maßnahmen sind noch nicht bekannt, aber alles ist gut, weil es uns näher an die Realität bringt.“ Nach Berechnungen der Deutschen Bank liegt die Verschuldung Argentiniens bei etwa 325 Milliarden Dollar, das sind 103,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. „Die Liquiditätskrise ist real“, schrieb Deutsche-Bank-Experte Hongtap Jiang.

          Auslöser der jüngsten Turbulenzen war der Sieg des Oppositionskandidaten Alberto Fernandez bei der Probeabstimmung am 11. August gegen Amtsinhaber Mauricio Macri. Fernandez tritt mit der ehemaligen Präsidenten Cristina Fernandez de Kirchner an. Investoren fürchten bei einem Wahlsieg von Fernandez eine Abkehr vom wirtschaftsfreundlichen Kurs Macris.

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