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Quartalsberichte : Gutes Material kann jeder lesen

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Quartalsberichte lesen ist nicht viel schwieriger als Auto fahren. Vorausgesetzt, die Unternehmen liefern gutes Material.

          2 Min.

          Porsche-Vorstand Wendelin Wiedeking meint, dass der deutsche Anleger zu dumm ist, um Quartalsberichte zu lesen. Lieber verlässt seine Aktie den MDax als den Eigenkapitalgebern alle drei Monate Zahlen vorzulegen.

          Dabei ist Quartalsberichte lesen fast so einfach wie Auto fahren. Wenn das Material in Ordnung ist, muss der Pilot nur den Schlüssel rumdrehen, Gas geben und auf das Umfeld achten. Berichtet eine Gesellschaft über die vergangenen drei Monate transparent und sauber, so muss der Aktionär nur noch das Börsenumfeld analysieren, und schon ist er verkehrtauglich für's Börsenparkett.

          Vorgaben sind eindeutig

          Aber wie auf dem Automarkt, liefern auch Aktiengesellschaften oft schlechte Qualität. Dabei legt die Deutsche Börse klar fest, welche Angaben einen Quartalsbericht ausmachen. Für die im Dax und MDax gelisteten Unternehmen gilt, dass der Quartalsbericht eine Gewinn- und Verlustrechnung, das Ergebnis je Aktie sowie eine Kapitalflussrechnung enthalten muss. Zusätzlich muss die Aktiengesellschaft über Entwicklungen der Geschäftsergebnisse, über Auftragslage, Investitionen, Forschung und über Umstände, die das Ergebnis beeinflussen, berichten.

          Quartalsberichte am Neuen Markt werden standardisiert

          Die unfallgeschädigten Gesellschaften am Neuen Markt bekommen nun sogar die Karosserie für ihre Quartalsbericht vorgegeben. Zwar waren die Technologieunternehmen bereits vorher zu transparenter Information verpflichtet, aber das Regelwerk lies großen Interpretationsspielraum zu. Ab dem dritten Quartal 2001 werden die Quartalsberichte am Neuen Markt standardisiert. Sprich, die Deutsche Börse gibt den Unternehmen ein Formblatt in die Hand, in dem sie ihre Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Kapitalflussrechnung aufführen. Vorteil für den Anleger ist, dass die Vorjahreszahlen direkt präsent sind und die Unternehmen untereinander einfacher zu vergleichen sind.

          Vergleich mit Vorjahr wichtig

          Grundsätzlich sollten die Unternehmensdaten klar aufbereitet sein und den entsprechenden Vergleich mit dem Vorjahr ermöglichen. Setzt die Aktiengesellschaft beispielsweise das vorgehende Quartal ins Verhältnis zum Ergebnis, so könnte sie damit beschönigen wollen. Immerhin sahen die Zahlen in den ersten drei Monaten dieses Jahres bereits wesentlich schlechter aus als die Situation bei den Technologiewerten im vergangenen Frühjahr. In einem solchen Fall sollten Aktionäre die Warnblickanlage anschalten.

          Gut,wenn Sie verglichen haben

          Wer in eine Aktie investiert, sollte sich die Mühe machen, den vorherigen Quartalsbericht anzuschauen. Die alten Berichte finden Anleger in der Regel auf der Homepage des Unternehmens. Hier gilt: Hat das Unternehmen Wort gehalten, oder einfach die Prognosen verfehlt. Floskeln helfen ebenso wie Stillschweigen nicht weiter. Aktiengesellschaften sind kein Wahrsager, daher können sich Geschäfts anders entwickeln als zunächst angenommen. Aber die Gründe dafür, müssen dem Aktionär schon mitgeteilt werden. Ansonsten bleibt der Eindruck, dass das Management ohne Strategie agiert.

          Keine Garantie für richtige Angaben

          Nicht gefeit ist der Aktionär gegen mutmaßliche Falschangaben in den Quartalsberichten. Im Gegensatz zum Jahresabschluss müssen die unterjährigen Veröffentlichungen nämlich nicht von einem Wirtschaftsprüfer geprüft sein. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) fordert daher, dass die Schadensersatzhaftung für Falschangaben verschäft werden sollen. „Wenn ein Unternehmensvorstand bei einer falschen Unternehmensdarstellung in die Haftung genommen werden könnte, würde man dieses Problem am ehesten in den Griff bekommen“, so die SdK.

          Bleibt nur noch die Frage offen, was Anleger in den Quartalsberichten bei Porsche nicht kapieren sollten. Da Arroganz sozusagen zum Markenprofil zählt, kann sich Porsche wahrscheinlich diese Haltung sogar leisten, ohne Einbußen im Aktienkurs hinzunehmen. Alle Unternehmen, die nicht immer aus der linken Spur fahren, haben mit den Quartalsberichten dagegen die Chance, den Aktionären noch einmal die Qualität des Unternehmens vorzuführen.

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