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Neue Umfrage zeigt : Risikobewusstsein der Banken ist mangelhaft

Frankfurter Bankenviertel: Beim Umgang mit Risiken hat sich wenig verändert. Bild: dpa

Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC zeigt, wie risikofreudig die Führungsebenen trotz Finanzkrise noch immer sind. Kann mehr Regulierung helfen?

          Die Banken müssen auch zehn Jahre nach der Eskalation der Finanzkrise an dem Risikobewusstsein ihrer Mitarbeiter feilen. Eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC zeigt, wie mangelhaft das Risikobewusstsein auf den Führungsebenen noch immer ausgeprägt ist. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung exklusiv vorliegenden Untersuchung erkennen nur 49 Prozent der befragten Führungskräfte in der deutschen Kreditwirtschaft ein „deutliches Umdenken“ im Umgang mit Risiken. Dagegen können 45 Prozent einen Wandel „kaum“ oder „gar nicht“ feststellen. Befragt wurden 100 sogenannte Entscheider aus deutschen Banken. Von diesen sieht nur jeder zweite seit der Finanzkrise ein Umdenken in der Risikokultur.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Angaben von PWC nehmen die Anreizsysteme in den Banken noch immer entscheidenden Einfluss auf das Risikobewusstsein. Die aktuellen Bonusmodelle betrachten 51 Prozent der Führungskräfte als „potentielle Treiber für das Eingehen höherer Risiken“. Dabei war es Ziel der Bankenaufseher, die Vergütung in den Banken stärker auf nachhaltige Erfolgsprämien auszurichten, indem Boni nur nach einem längeren Zeitraum ausbezahlt und bei Eintreten von Verlusten oder Strafen einbehalten werden können. Es ist auch möglich, schon ausbezahlte Boni zurückzufordern, wenn sich danach deren Auszahlung als nicht gerechtfertigt erweist. Zudem wurde der Anteil der fixen Gehaltskomponenten zu Lasten der erfolgsabhängigen angehoben. So blieben die Gehälter weitestgehend stabil.

          Nur jede vierte Bank hat einen Wertekanon

          In der PWC-Umfrage sind 73 Prozent der Ansicht, dass ambitionierte Zielvorgaben die Mitarbeiter generell dazu verleiten, höhere Risiken in Kauf zu nehmen. Die Ergebnisse müssen für die Bankenaufseher ernüchternd sein, wollten sie mit den neuen Vergütungsregeln doch erreichen, dass zu große Risiken vermieden werden, wenn die Boni nicht mehr kurzfristig, sondern erst nach einer längeren Bewährungsphase ausgezahlt werden. Vor der Finanzkrise haben viele Investmentbanker gefährliche Geschäfte getätigt, die kurzfristig als Erfolg ausgewiesen wurden, aber später tauchten dann die Risiken und damit die Verluste auf.

          Die Mängel in der Risikokultur zeigen sich auch daran, dass in der PWC-Umfrage nur jede vierte Bank über einen Wertekanon verfügt. Darüber hinaus stellen die Befragten nur in 54 Prozent der Fälle eine hohe Übereinstimmung zwischen dem Kanon und der gelebten Praxis fest. Nur jede dritte Bank verfügt über ein verbindliches Rahmenwerk zur Risikokultur, wie aus der PWC-Studie weiter hervorgeht. Bei einem weiteren Drittel gebe es entsprechende Pläne, beim restlichen Drittel nicht einmal das.

          Als angemessen bewerten 62 Prozent die Risikokultur ihrer Bank. Das sei nicht der Fall, antworteten 34 Prozent der Befragten. Den Umgang mit Fehlern in ihrem Haus stufen nur 69 Prozent als offen und transparent ein. In Banken mit mehr als 500 Mitarbeitern halten nur 58 Prozent die Risikokultur für angemessen.

          Welchen Einfluss hat Regulierung?

          „Indem sie sich nachhaltig mit den eigenen Werten und Einstellungen im Umgang mit Risiken befassen, machen deutsche Banken einen entscheidenden Schritt, um verlorenes Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen“, sagt Natalia Kluger, Direktorin von PWC in Deutschland. Aus ihrer Sicht fehlt es vielen deutschen Banken allerdings noch „ein wenig an Mut und einem strukturierten Vorgehen“.

          Ein interessantes Ergebnis der Umfrage ist die wohlwollende Beurteilung der strengeren Aufsichtsregeln. Denn 86 Prozent stufen einen stärkeren Einfluss von Regulierung und Aufsicht als hilfreich ein, um die Risikokultur zu verbessern. Die Verbände der deutschen Banken und Sparkassen wehren sich dagegen schon seit Jahren gegen die Überregulierung, die ihnen kaum noch Luft zum Atmen lasse. Auch Aufseher wie zum Beispiel die Bundesbank oder die Politik haben sich zuletzt für eine Regulierungspause ausgesprochen, um die Auswirkungen der strengeren Aufsichtsregeln besser beurteilen zu können. Doch zeigt sich in der Umfrage, dass die Banken kein engeres Korsett an konkreten Vorgaben wünschen, sondern Empfehlungen bevorzugen, um sich Handlungsspielraum zu bewahren.

          Schwierig wird es, wie sich der Einfluss der Risikokultur messen lässt. Drei Viertel halten das für sinnvoll, aber eine Mehrheit von ihnen für schwer realisierbar. Erfreulich sind die 47 Prozent der Befragten, die sich von der Risikokultur einen positiven Einfluss der Unternehmensentwicklung erwarten. Wie viel Überzeugungsarbeit noch geleistet werden muss, zeigen die 17 Prozent, die mit „eher negativ“ antworteten. Mit 30 Prozent erkennt fast jeder Dritte keinen nennenswerten Einfluss. In Banken mit mehr als 500 Mitarbeitern befürchtet fast jeder Vierte einen negativen Einfluss der Risikokultur.

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