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Prosumer-Bewegung : Wir machen uns unsere Energie selbst!

Windräder und Solarzellen auf dem Dach: So versorgt man sich selbst mit Energie. Bild: SkyWind

Es ist nicht nötig, Strom teuer einzukaufen – man kann ihn einfach selbst produzieren: mit eigenen Solarzellen, Windrädern oder dem Blockheizkraftwerk im Keller. Und dann gibt es auch noch Geld vom Staat.

          Riesige Windräder im geliebten Taunus oder in der Ostsee und breite Stromautobahnen quer durch die deutsche Landschaft: Für viele Bundesbürger ist diese Vorstellung ein Graus. Um die deutschen Klimaziele zu erreichen, scheinen genau diese Schreckensszenarien aber unvermeidlich. Doch es geht auch anders.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Jeder Einzelne kann die Energiewende im Kleinen vorantreiben, um nicht nur die Umwelt, sondern auch seinen Geldbeutel zu schonen. „Jeder Hausbesitzer wird mit erneuerbaren Energien in Berührung kommen“, prognostiziert Martin Brandis von der Energieberatung der Verbraucherzentralen. „Da stellt sich dann schon die Frage: Warum sie nicht gleich selbst erzeugen?“

          Dafür steht die Prosumer-Bewegung. Prosumer sind Verbraucher, die nicht nur konsumieren, sondern auch produzieren. In diesem Fall: Strom und Wärme. Gemeint sind Privathaushalte, aber auch Unternehmen, die ihren eigenen Strom erzeugen und verbrauchen. Schließen sich mehrere Haushalte mit Energieanlagen zu einer Gemeinschaft zusammen, spricht man von Mieterstrom-Modellen. Der Gedanke hinter dem Trend zur Selbsterzeugung: Die Energiewende von unten heraus zu schaffen, anstatt sie der Bundespolitik und den großen Energieerzeugern zu überlassen.

          Das Einsparpotential ist hoch

          Mehr als 1,6 Millionen Prosumer gibt es derzeit in Deutschland. Zu ihnen gehören Haushalte mit Solarzellen (Photovoltaik) auf dem Dach, Solarthermie-Anlagen für die Warmwasser-Bereitung, Windrädern im Garten oder Blockheizkraftwerken im Keller. Auch Kombinationen sind denkbar.

          Das Einsparpotential für Selbstversorger ist hoch: Nach Zahlen der Energieagentur Nordrhein-Westfalen verbraucht ein Vier-Personen-Haushalt im Durchschnitt etwa 5000 Kilowattstunden pro Jahr. Bei einem Strompreis, der 2017 bei 29,16 Cent pro Kilowattstunde lag, fallen 1458 Euro pro Jahr an Kosten für den Stromverbrauch an, eine vertragliche Grundgebühr nicht eingerechnet.

          Die Anschaffung entsprechender Anlagen wird von der nationalen Förderbank KfW unterstützt. Zusätzlich gibt es eine Einspeisevergütung für den überschüssigen Strom, den der Selbsterzeuger ins Netz weitergeben kann. Die Befreiung von der Ökostrom-Umlage und die Ersparnis der Bezugskosten von Strom aus dem Netz tun ihr Übriges, um den Geldbeutel zu entlasten. Doch welche Anlage ist die richtige?

          Solarenergie wird am häufigsten genutzt

          Nicht in jeder Lage lohnt sich ein Windrad im Garten, nicht auf jedem Dach eine Photovoltaikanlage. Der Markt ist mit Hunderten Anbietern sehr unübersichtlich. Oft sind die Kunden nicht ausreichend informiert und machen sich von den Angeboten einzelner Hersteller abhängig. Um mehr Klarheit zu schaffen, bieten die Verbraucherzentralen eine Energieberatung an. Die Kosten dafür sind dank Förderung durch den Bund moderat: Fünf Euro kostet die Angebotsberatung in der Verbraucherzentrale, 40 Euro ein Detailcheck mit einem Berater vor Ort. Auch über die rechtlichen Rahmenbedingungen klären die Energieberater auf. Für den Hausgebrauch kommen Solar- und Windenergie sowie Blockheizkraftwerke im Keller in Frage.

          Die am häufigsten von Hausbesitzern genutzte regenerative Art der Stromerzeugung ist die Solarenergie. Auf rund einer Million Dächern in Deutschland findet sich Photovoltaik (PV). Das hat einen einfachen Grund: Solarmodule sind in den vergangenen Jahren immer billiger geworden. Auf dem Markt gibt es zudem eine ganze Reihe hochwertiger Produkte. Die Chancen, ein gutes Produkt zu erhalten, sind also hoch.

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