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Prognosesenkungen : Schwaches Bild im Mittelstand

  • Aktualisiert am

Deutscher Maschinenbau: Schwache Signale von Krones & Co Bild: Krones AG

Der Donnerstag hält am Aktienmarkt einige böse Überraschungen in Form von Prognosesenkungen bereit. Besonders Aumann und Krones trifft es hart.

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          Die jüngste deutliche Senkung der Gewinnprognosen durch den weltgrößten Chemiekonzern BASF hat über den deutschen Aktienmarkt hinaus die Sorgen um die deutsche Wirtschaft steigen lassen. Noch ist der Schreck nicht verdaut, da sorgen am Mittwoch gleich mehrere börsennotierte Mittelständler für den nächsten.

          Am härtesten fällt die Reaktion beim Autozulieferer Aumann aus. Der klassische deutsche Maschinenbauer vertreibt Spulenwickelmaschinen für Elektromotoren aber auch für Maschinen zur Fertigung von Antriebssträngen oder Karosseriebauteilen. Hatte Aumann in diesem Jahr ursprünglich den Vorjahresumsatz von 290,8 Millionen Euro zu steigern, so wird sich das Unternehmen mit nur noch 240 bis 260 Millionen Euro bescheiden müssen. Dementsprechend sinkt auch der Betriebsgewinn im schlimmsten Fall um 45 Prozent auf 16 Millionen Euro.

          Um 18 Prozent abwärts

          Für die ohnehin eher schlechte Kursentwicklung des Unternehmen, das im März 2017 an die Börse ging und dessen Aktienkurs bei 92,90 Euro sieben Monate später seinen Höchststand erreichte, ein weiterer Tiefschlag. Es geht um nicht weniger als 18 Prozent abwärts auf ein neues Rekordtief von nur noch 14,64 Euro.

          Die Investitionszurückhaltung und Kostendisziplin bei Herstellern und Zulieferern hätte sich im bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres 2019 negativ bemerkbar gemacht, hieß es. Wiederholte Verschiebungen von Auftragsvergaben mit signifikantem Volumen hätten zu einem enttäuschenden Auftragseingang von 85 Millionen Euro im ersten Halbjahr geführt. Aumann geht davon aus, dass die negativen Einflussfaktoren auch über das laufende Geschäftsjahr hinaus fortbestehen werden.

          Eine nachhaltige Wende sei nicht absehbar, schreibt Analyst Christian Glowa von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Das Ausmaß der gekappten Prognose sei alarmierend. Das untere Ende der neuen Umsatzzielspanne für 2019 liege nun rund 20 Prozent unter seiner Prognose und der Konsensschätzung. Und trotz des starken Kursverfalls ist die Aumann-Aktie nicht billig. Auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen lag die Bewertung am Mittwochabend für das laufende Jahr beim 14-fachen des Gewinns, auf Basis der Aumann-Prognosen ist es im schlimmsten Fall jetzt aber das 20-fache und im besten Fall wohl das 16-fache..

          Krones mit Einstellungsstopp

          Auch der weltgrößte Abfüllanlagen-Hersteller Krones strich seine Gewinnprognose um die Hälfte zusammen und kündigt zudem einen Einstellungsstopp an. Die Umsatzrendite vor Steuern und Zinsen werde in diesem Jahr nur bei drei statt wie geplant sechs Prozent liegen. Immerhin soll der Umsatz wenigstens noch um drei Prozent auf rund vier Milliarden Euro steigen. Man sei von den anhaltend hohen Materialkosten überrascht worden, räumte Vorstandschef Christoph Klenk ein. Zudem sei die Nachfrage in der lukrativen Kunststofftechnik - etwa Anlagen zur Produktion und zur Befüllung von PET-Flaschen - geringer als erwartet. Die im vergangenen Jahr beschlossenen Preiserhöhungen reichten nicht aus, um das wettzumachen.

          Den Krones-Aktienkurs beutelte es ähnlich stark wie den von Aumann. Um mehr als 17 Prozent geht es auf 55,45 Euro und damit auf ein Sechs-Jahres-Tief abwärts. Auch für Krones gilt: Angesichts des Ausmaß‘ der Prognosesenkung ist die Aktie trotz Kursrutsch teurer als sie am Mittwoch noch schien. Da lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis etwa bei 12, jetzt ist es bei 20.

          Die Deutsche Bank, die mit ihrem bisherigen Urteil "Hold" sowieso schon nicht übermäßig optimistisch hinsichtlich des Aktienkurses war, hat ihre Einschätzung und ihr Kursziel belassen. Das halbierte Ziel sei allerdings eine schlechte Nachricht. Das Analysehaus CFRA senkte dagegen das Kursziel von 65 auf 50 Euro. Allerdings war die Einschätzung ohnehin mit "Strong Sell" äußerst negativ. Analyst Firdaus rechnet mit einem anhaltend schwierigen operativen Umfeld, welches die Entwicklung des Unternehmens weiter belasten werde. Auch die mittelfristigen Ziele erschienen zunehmend ambitioniert. Nur einer von sieben Analysten hält die Aktie derzeit für kaufenswert. Da steht Aumann mit drei von sieben noch besser da.

          Etwas besser kommen die Deutsche Beteiligung und der Nahrungsmittelkonzern Südzucker davon. Die Mittelstandsholding prognostiziert ein um die Hälfte niedrigeres Ergebnis aus dem Beteiligungsgeschäft im zweiten Quartal und ein entsprechend deutlich niedrigeres Konzernergebnis. Den Aktienkurs drückt dies um mehr als 7 Prozent ins Minus, womit dieser aber in der Handelsspanne der vergangenen zehn Monate zwischen 31 und 37 Euro bleibt.

          Saures von Südzucker

          Südzucker senkte zwar nicht die Prognosen, doch hinterlässt das einst erfolgreiche Zuckergeschäft immer mehr Spuren in den Geschäftszahlen. Im ersten Geschäftsquartal brachte es dem Konzern einen operativen Verlust von 36 Millionen Euro ein, im Gesamtjahr soll sich dieser auf 200 bis 300 Millionen Euro belaufen. Grund sind historisch niedrige Zuckerpreise in der Europäischen Union. Dies hat auch den Umsatz im Zuckergeschäft gegenüber dem Vorjahr auf 581 von 695 Millionen Euro fallen lassen.

          Zum ersten Mal setzte der Konzern mit Spezialitäten mehr um als mit Zucker. Das hält auch den Schaden im Rahmen, denn das Spezialitätengeschäft mit Stärke, Lebensmittelzusatzstoffen, Fertigpizzen und Äthanol kompensierten einen Teil der Verluste. Dennoch ging das operative Ergebnis um 40 Prozent auf 47 Millionen Euro und der Umsatz um 3,5 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro zurück. Der Aktienkurs hält sich dementsprechend mit einem Minus von 2,2 Prozent noch vergleichsweise gut.

          Insgesamt wird man wohl den Geschäftsberichten in naher Zukunft mehr Aufmerksamkeit widmen müssen. Die jüngsten Meldungen sind schlecht genug, es wird sich zeigen, wie stark ein möglicher Trend ist.

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