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Private Rente : Niedrigere Einkünfte aus privater Rente

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Eine höhere Lebenserwartung der Deutschen verändert die Kalkulationsgrundlage für die private Rentenvorsorge. Zur Zeit wird geprüft, ob die Sterbetafel geändert werden muss - sie stammt von 1994.

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          Altersvorsorgesparer müssen künftig mit schmaleren Einkünften aus einer neu abgeschlossenen privaten Rentenversicherung rechnen. Zurückzuführen ist diese Entwicklung nicht nur auf die allgemein gesunkenen Kapitalerträge. Die Rentenzahlungen könnten in Zukunft auch deshalb niedriger ausfallen, weil die Menschen im Durchschnitt immer länger leben. Dieser Umstand muß in neuen Kalkulationsgrundlagen berücksichtigt werden.

          Die in der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) versammelten Versicherungsmathematiker prüfen derzeit, ob sie wegen womöglich veränderter Verhältnisse eine neue Sterbetafel erstellen sollten. Nach Lage der Dinge heißt das: Muß künftig mit einer im Durchschnitt längeren Lebenserwartung als bisher gerechnet werden? Eine neue Sterbetafel mit der Bezeichnung DAV 2004 R könnte Ende nächsten Jahres vorliegen. Bis jetzt kalkulieren die Lebensversicherer ihre Angebote für private Rentenversicherungen auf der Grundlage von Erfahrungen und Erwartungen, die sich in der sogenannten Sterbetafel DAV 1994 R niedergeschlagen haben. Eine solche Datensammlung beschreibt, welche künftige durchschnittliche Lebenserwartung Menschen eines bestimmten Alters haben. Deshalb kann ziemlich genau berechnet werden, welcher Preis (Beitrag) für den Erwerb einer sofort oder später auszuzahlenden Monatsrente einer bestimmten Höhe erforderlich ist.

          Derzeit ist die Arbeitsgruppe Biometrie der DAV noch mit der Sammlung von statistischen Daten beschäftigt. Wie aus Teilnehmerkreisen zu hören ist, wird die Arbeitsgruppe im Frühherbst wieder zusammenkommen. Da sich auch weitere Gremien der DAV wie der Ausschuß Leben mit neuen Sterbetafeln befassen müssen, wenn sie das Gütesiegel der Aktuare tragen sollen, wird mit einer endgültigen Entscheidung, ob es zu einer Neuberechnung einer Renten-Sterbetafel kommt, erst im kommenden Jahr gerechnet. Zudem müsse, so erläutern Experten, ohnehin bis Ende 2003 auf letzte Meldungen gewartet werden, wenn alle für eine möglichst zuverlässige Statistik wichtigen Ereignisse bis einschließlich des Jahres 2002 erfaßt werden sollen.

          Für die Berechnung einer neuen Renten-Sterbetafel spricht, daß seit Jahren ein Großteil des Neugeschäfts der Lebensversicherer auf Rentenversicherungen entfällt und dieser Anteil eher noch steigt. Zudem stützt sich die derzeit benutzte Tafel auf eine vergleichsweise schmale spezielle historische Basis von kaum mehr als zehn Jahren, während Erhebungen ansonsten bis 1870 zurückreichten.

          Zwar habe es sich bewährt, sagen Aktuare, daß in die Tafel DAV 1994 R bereits eine sogenannte Trendfunktion eingearbeitet worden ist, die die erwartete weitere Verlängerung der Lebenserwartung widerspiegele. Es biete sich jedoch eine Neuberechnung auf der Basis umfangreicherer Daten an, heißt es, obwohl Kontrollrechnungen ergeben hätten, daß die eingearbeiteten Erwartungen recht gut die tatsächliche Entwicklung vorwegnehmen.

          Die Lebensversicherer benutzen für die verschiedenen biometrischen Risiken Invalidität (Berufsunfähigkeitsversicherung), Todesfall (Hinterbliebenenversorgung) und Langlebigkeit (Rentenversicherung) verschiedene Kalkulationsgrundlagen. Damit tragen sie bemerkenswerten Unterschieden Rechnung. Es hat sich zum Beispiel herausgestellt, daß die Lebenserwartung jener Kunden, die Rentenversicherungen abschließen, im Durchschnitt höher ist als die Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung. In den vergangenen Jahren hat sich zudem gezeigt, daß sich die Lebenserwartung der Altersgruppe 60 bis 75 Jahre besonders stark verlängert hat. Das sind Umstände, die für die Kalkulation einer Rentenzahlung besonderes Gewicht besitzen.

          Die Entscheidung des Bundesfinanzministeriums, den Höchstrechnungszins für die Lebensversicherer schon von 2004 an von 3,25 auf 2,75 Prozent zu senken - entgegen der Empfehlung der Aktuare, noch ein Jahr abzuwarten -, macht den Lebensversicherern eine Neukalkulation ihrer Renten-Tarife in einem Aufwasch unmöglich. Nun müssen sie die Tarife für 2004 mit neuem Rechnungszins berechnen und aller Voraussicht nach zwölf Monate später noch einmal, weil erst dann die neue Sterbetafel vorliegt.

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