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Private Equity : Finanzinvestoren kaufen Deutschland auf

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Fusion von Mein Fernbus und Flixbus: „Jüngere Wachstumsunternehmen“, ist ein Thema, das sehr stark Fahrt aufnimmt. Bild: dpa

Private-Equity-Investoren haben in Deutschland so viel in Beteiligungen gesteckt wie seit 2007 nicht mehr. Fachleute der Beteiligungsbranche sagen für 2016 ein weiteres reges Jahr voraus.

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          Dieses Jahr gaben sie in Deutschland so viel Geld für Unternehmen aus wie seit der Finanzkrise nicht mehr - und auch für 2016 versprüht die Beteiligungsbranche Optimismus. Investoren und Private-Equity-Berater sagten in Gesprächen mit der F.A.Z. ein weiteres reges Jahr voraus - sogar über dem Niveau des auslaufenden Turnus. „2016 wird ein weiteres Hammerjahr für Private-Equity-Investoren werden und 2015 noch übertreffen“, prognostiziert Mario Schmidt, Geschäftsführender Partner Deutschland bei der Kanzlei Willkie Farr & Gallagher und unter anderem auf Private Equity spezialisiert. Sascha Pfeiffer, Geschäftsführer bei der Übernahmeberatung Altium, greift auf den „Bullen“ als Metapher des Kapitalmarkts für Optimisten zurück: „Wir sind sehr bullish. Ich sehe keine Wolke am Horizont“, sagt Pfeiffer. „Wir haben ein hervorragendes Orderbuch für 2016.“

          Die Aktivität der Finanzinvestoren koppelte sich 2015 in Deutschland etwas vom allgemeinen Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) ab. Denn der deutsche Gesamtmarkt hinkte hinter dem internationalen M&A-Treiben her, das im abgelaufenen Jahr eine Rekordsumme erreichte. Fusionen mit deutscher Beteiligung - also auf Käufer oder Verkäuferseite - sanken nach Daten von Thomson Reuters im Wert um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr; das Volumen aller aufgekauften deutschen Unternehmen lag etwas über dem Vorjahr, aber unter den 2013er Zahlen.

          Bild: F.A.Z.

          Dagegen haben Private-Equity-Investoren hierzulande so viel in Beteiligungen gesteckt wie seit 2007 nicht: 15,7 Milliarden Euro, die Hälfte mehr als im Vorjahr, wie die Unternehmensberatung EY (vormals Ernst & Young) errechnet. Die Gründe sind vielfältig: Unverändert sitzen die Private-Equity-Häuser auf enormen Summen, die im Auftrag der Geldgeber angelegt sein wollen.

          „Vor allem aber sorgen diverse aktuelle Großtrends dafür, dass auf dem Transaktionsmarkt derzeit viel Bewegung herrscht“, urteilt EY-Partner Alexander Kron. „Digitalisierung, Energiewende, Verfall der Rohstoffpreise oder zunehmende Regulierung - immer häufiger sehen sich Unternehmen gezwungen, über eine grundsätzliche Neuausrichtung ihres Geschäfts und radikale Abspaltung ganzer Bereiche nachzudenken.“ Das kommt dann den kaufwilligen Finanzinvestoren zugute.

          Beteiligungsgesellschaften seien gezwungen, ihre Mittel unterzubringen

          „Hohe Bewertung des Aktienmarkts, hoher Anlagedruck, günstige Finanzierung - aufgrund dieser Bedingungen wäre es überraschend, wenn es 2016 nicht zu mehr Transaktionen kommt“, sagt Rainer Langel, Deutschland-Chef der australischen Investmentbank Macquarie. Er bezieht das auf den Fusionsmarkt insgesamt wie auf Beteiligungsgesellschaften im Speziellen, erwartet für das kommende Jahr „ein höheres M&A-Volumen für Private Equity, aber auch für Strategen“.

          Beteiligungsgesellschaften seien gezwungen, ihre Mittel unterzubringen. „Der Druck steigt, Liquidität anzulegen.“ Zudem sieht Langel „einen Trend zu größeren Transaktionen auch in Deutschland.“ Das war schon im ablaufenden Jahr erkennbar: Denn die Zahl der Transaktionen blieb trotz des viel höheren Investitionsvolumens mit 135 beinahe konstant.

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