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Belastung durch Regulierungen : Privatbankiers bündeln ihre Kräfte

Privatbank Castell mit Sitz in Würzburg Bild: Picture-Alliance

Weil die Aufsichtsregeln für Banken zunehmend überborden und unklar sind, müssen sich kleine Banken zusammentun. Um weniger vom Zinsüberschuss abhängig zu sein, setzen sie auf ein anderes Geschäft.

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          Kleine Banken in Deutschland beklagen sich zunehmend über ein Überborden der Aufsichtsregeln und der damit verbundenen Bürokratie. Die vielen unterschiedlichen deutschen und europäischen Aufsichtsbehörden würden häufig nacheinander jeweils ähnliche, aber doch unterschiedliche Daten abfragen, was jeweils mit großem bürokratischen Aufwand verbunden sei, sagte Sebastian Klein, der Vorstandsvorsitzende der Fürstlich Castell’schen Bank, am Donnerstagabend vor Journalisten. Zwar hat sich zuletzt unter anderem der Präsident der Bankenaufsicht Bafin, Felix Hufeld, dafür ausgesprochen, bei der Aufsicht kleine Banken zu schonen. „Passiert ist aber bislang noch nichts“, sagte Klein.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als eines von mehreren Beispielen für neue Regeln, die zwar bei großen Banken sinnvoll sein dürften, kleine Banken aber schnell überforderten, nannte Vorstandsmitglied Klaus Vikuk, die Vorschrift einen Sicherheitsbeauftragten für die Computersysteme zu bestellen, der selbst nicht Teil der IT-Abteilung sei. Die IT-Abteilung der Castell-Bank bestehe nur aus sechs Mitarbeitern. „Ich weiß nicht, womit ich diesen Mitarbeiter beschäftigen sollte. Das kann ich mir nicht leisten“, sagte Vikuk. Zudem würden viele Anweisungen inzwischen in Englisch formuliert. „Wir mussten schon viele Mitarbeiter extra in Englischkurse schicken.“ Mit Blick auf die geplanten neuen Meldevorschriften für Kredite (Anacredit) der Europäischen Zentralbank und den voraussichtlich damit verbundenen bürokratischen Aufwand sagte Vikuk: „Das nächste große Monster steht schon in der Tür.“

          Als problematisch sieht Klein zudem, dass die Vielzahl neuer Regeln oft weite Interpretationsräume lasse und der Gesetzgeber und die Aufsicht nicht klar genug kommunizierten, wie sie auszulegen sind. Etwa zehn kleine Privatbanken aus dem süddeutschen Raum hätten sich nun zusammengetan, um zumindest eine einheitliche Auslegung der Regeln zu finden. Das gebe den kleinen Banken mehr Gewicht gegenüber der Bafin, wenn es einmal Fragen gebe, sagte Klein. Dabei gehe es allerdings nur um das Verständnis; bei der Umsetzung seien derzeit keine Kooperationen geplant. Allerdings nutzt die Castell-Bank schon jetzt die Rechenzentren des genossenschaftlichen Finanzverbunds mit, die sich zentral um die Implementierung vieler neuer Regeln in die Computersysteme der Banken kümmern.

          Die Fürstlich Castell’sche Bank mit Sitz in Würzburg gehört seit ihrer Gründung im Jahr 1774 den beiden Familien Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen. Mit insgesamt 270 Mitarbeitern macht sie vor allem Vermögensverwaltung für wohlhabende Kunden und vergibt Kredite an Mittelstandskunden im fränkischen Raum. Die Negativzinsen gehen auch an der kleinen Privatbank nicht spurlos vorbei. So ist der Zinsüberschuss von 23,3 Millionen Euro im Jahr 2012 auf inzwischen 17,4 Millionen Euro zurückgegangen. Die Strafzinsen, die sie selbst auf Einlagen bei der Zentralbank zahlen muss, reicht sie inzwischen an ihre gewerblichen Kunden weiter. Dabei habe man aber mit den meisten Kunden individuelle Lösungen finden können, sagte Klein. Einige hätten aber auch Geld abgezogen.

          Um weniger abhängig vom Zinsüberschuss zu sein, baut die Bank das Provisionsgeschäft aus. Lagen die Erträge aus Provisionen im Jahr 2012 noch bei 11,7 Millionen Euro, machten sie im vergangenen Jahr 14,8 Millionen Euro aus. Bis zum Jahr 2020 will Klein sie auf 20 Millionen Euro heraufschrauben. Unterm Strich stand für die Bank ein Gewinn von 4,6 Millionen Euro, der etwa zur Hälfte als Dividende an die beiden Inhaberfamilien ausgeschüttet und dem Eigenkapital der Bank zugeführt werden soll. Der Zuwachs um 1,1 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr liegt vor allem an einer deutlich gesunkenen Risikovorsorge.

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