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Preise in der Coronakrise : Die Inflation sinkt fast auf null Prozent

Es geht um viel Geld. Bild: dpa

Die Preise im Euroraum sind im Mai nur noch 0,1 Prozent gestiegen. Der Preisrückgang bei Energie glich den Anstieg für Obst und Gemüse aus. Aber wie lange wird das noch so gehen und was wird die EZB machen?

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          Wer dieser Tage einkaufen geht, traut bisweilen seinen Augen nicht. Da kann man schon mal einen Blumenkohl für stolze fünf Euro entdecken. In normalen Zeiten wäre schon die Hälfte happig gewesen. Und auch abseits solcher Extremfälle sind Obst und Gemüse in den Krisenmonaten deutlich teurer geworden. Dafür ist Benzin und Heizöl durch die Krise billiger geworden und hat die Budgets der Verbraucher entlastet.

          Seit Freitag ist es nun amtlich: Die Inflationsrate im Euroraum ist im Mai auf 0,1 Prozent gefallen. So steht es jedenfalls in den vorläufigen Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Damit wurde also zumindest fast die Null-Grenze erreicht, die Analysten der Commerzbank schon für Mai erwartet hatten.

          Die Preise im Euroraum stagnieren also praktisch. Im April hatte die Euroinflation noch bei 0,3 Prozent gelegen. In Deutschland lag die Teuerung im Mai immerhin noch bei 0,6 Prozent: Stärker als auf nationaler Ebene gingen im Euroraum die Energiepreise zurück (minus 12 Prozent, in Deutschland minus 8,5 Prozent). Lebensmittel, Alkohol und Genussmittel verteuerten sich um 3,3 Prozent, Dienstleistungen um 1,3 Prozent.

          Geldmenge steigt, Inflation sinkt

          Unterdessen ist die Geldmenge im Euroraum schneller gewachsen als erwartet. Die breit gefasste Geldmenge M3 erhöhte sich im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,3 Prozent, wie die Europäische Zentralbank mitteilt. Eine stärkere Wachstumsrate hatte es zuletzt im Oktober 2008 gegeben. Diese Geldmenge umfasst das von Nichtbanken gehaltene Bargeld zuzüglich der bei Banken und Sparkassen gehaltenen Sichteinlagen, Termineinlagen bis zwei Jahre Laufzeit, Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis drei Monate sowie ausgewählte kurz laufende Wertpapiere wie Geldmarktfonds und Geldmarktpapiere.

          Die enger gefasste Geldmenge M1, zu der Bargeld und Sichteinlagen von Nichtbanken gehören, wuchs zum Vorjahr sogar um 11,9 Prozent. Die Kreditvergabe an private Haushalte dagegen stieg im April gegenüber dem Vorjahresmonat nur um 3 Prozent, das war etwas weniger als im März (3,4 Prozent). Die Wachstumsrate der Unternehmenskredite dagegen legte zu, von 5,5 Prozent auf 6,6 Prozent im April.

          Holger Schmieding, Chefvolkswirt des Hamburger Bankhauses Berenberg, meinte, das sei nicht ungewöhnlich. In der Krise steige die Nachfrage nach Vorsichtskasse: „Haushalte wollen weniger ausgeben und dafür liquide Reserven anlegen – Unternehmen ziehen in großem Umfang Kreditlinien, um flüssig zu sein.“

          Aufstockung um 500 Milliarden Euro?

          Die niedrige Inflationsrate ist auch im Hinblick auf die nächste geldpolitische Sitzung des EZB-Rates am kommenden Donnerstag spannend. Die Notenbank, die eine Inflation von „unter, aber nahe 2 Prozent“ anstrebt, könnte ihr Anleihekaufprogramm PEPP ausweiten. Frederik Ducrozet, Ökonom der Bank Pictet, erwartet eine Aufstockung um 500 Milliarden Euro und eine Verlängerung bis September 2021. Andeutungen von EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel und dem französischen Notenbankchef François Villeroy de Galhau in dieser Woche wurden in diese Richtung gedeutet.

          Strittig scheint hingegen zu sein, ob die EZB beim Krisenprogramm auch dauerhaft den Kapitalschlüssel verlässt, nach dem die Anleihekäufe auf die Euroländer verteilt werden. Villeroy de Galhau deutete am Dienstag an, dass die Flexibilität des Programms mindestens so wichtig sei wie das Volumen, der Kapitalschlüssel sei da eine unangemessene Einschränkung.

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