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Preisanstieg : IWF warnt vor hartnäckiger Inflation

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Einkaufstraße in Manhattan: Amerikanische Verbraucher geben trotz Corona-Pandemie wieder gerne Geld aus. Bild: AFP

Der Währungsfonds ruft die amerikanische Notenbank zu Wachsamkeit auf. Ökonomen erwarten Zinserhöhung im kommenden Jahr.

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          Die Notenbanken weltweit sollten laut dem Internationalen Währungsfonds (IMF) mit Blick auf die Inflation wachsam bleiben. Sie könne sich als „hartnäckiger“ erweisen, falls Lieferengpässe anhielten, warnte nun der Fonds. Ein weiteres Risiko sei, dass die Inflationserwartungen aus dem Ruder liefen. IWF-Sprecher Gerry Rice sagte, in den USA dürfte die Inflation im nächsten Jahr zwar zurückgehen. Doch die Währungshüter sollten mit Blick auf die Aufwärtsrisiken wachsam bleiben.

          Angesichts der rasant steigenden Preise in den USA rechnen Ökonomen verstärkt mit einer Zinserhöhung im kommenden Jahr. Die 42 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Experten rechnen im Mittel für Ende 2022 mit einen ersten Schritt nach oben. Demnach würde der Leitzins dann um einen Viertelpunkt auf die Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent angehoben werden. Danach werden weitere Schritte nach oben im ersten Halbjahr 2023 erwartet. Ende 2023 soll das Zinsniveau dann in einem Korridor von 1,25 bis 1,5 Prozent liegen. Die meisten Teilnehmer der am Freitag veröffentlichte Umfrage raten der US-Notenbank Fed zugleich, wegen der Inflationsgefahr die Zinserhöhung früher anzugehen - bis Ende September 2022.

          Fed beobachtet Preisdruck

          Der Chef des US-Notenbankbezirks New York, John Williams, sagte auf einer Digitalkonferenz, in den Vereinigten Staaten sei definitiv ein Anstieg des unterliegenden Preisdrucks zu verzeichnen, den es genau zu untersuchen gelte. Mit unterliegender Inflation ist im Fachjargon der Preisdruck gemeint, bei dem schwankungsanfällige Bestandteile und Sonderfaktoren ausgeklammert werden - etwa Energie- oder Lebensmittelpreise oder auch die durch den derzeitigen Materialmangel ausgelösten Kostenschübe. Williams sagte, es sei zwar zu begrüßen, dass sich die Inflationserwartungen nach oben bewegten. Doch wolle man mit Blick auf die lange Sicht keinen noch deutlicheren Anstieg sehen.

          Der Chefvolkswirt der EZB, Philip Lane, sagte auf derselben Konferenz, die Europäische Zentralbank erwarte einen Rückgang der Teuerungsrate im Laufe des kommenden Jahres. Auch zeichne sich nicht ab, dass sich die Inflationserwartungen aus der Verankerung lösten. Wegen Lieferengpässen und explodierender Energiepreise ist die Teuerungsrate im Euroraum im Oktober mit 4,1 Prozent so hoch ausgefallen wie seit über 13 Jahren nicht mehr. In den USA ist die Inflationsrate mit 6,2 Prozent noch weit höher.

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