https://www.faz.net/-gv6-a3vox
Bildbeschreibung einblenden

Biden und Trump im TV-Duell : Wovor sich Profi-Anleger fürchten

Die Kulisse steht schon: In der Nacht zu Mittwoch wollen sich Joe Biden und Donald Trump zum TV-Duell treffen. Bild: EPA

Donald Trump und Joe Biden, die beiden Kandidaten für die anstehende amerikanische Präsidentschaftswahl, treffen in der Nacht in ihrem ersten Fernsehduell aufeinander. Auch für die Börse ist es das beherrschende Thema.

          3 Min.

          An den internationalen Finanzmärkten wird kein Ereignis im weiteren Jahresverlauf so sehr erwartet wie die Wahl des amerikanischen Präsidenten am 3. November. In der Nacht zum Mittwoch treffen die beiden Kandidaten Donald Trump und Joe Biden erstmals in einem von drei großen Fernsehduellen aufeinander.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und schon diese drei Debatten stehen in den Kalendern der Anlageexperten in einer Reihe mit den Sitzungen der großen Zentralbanken oder auch dem nächsten G20-Gipfel. Die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS spricht von den wichtigsten Wahlen seit dem Jahr 1980 – damals wurde Ronald Reagan Präsident in Washington.

          Viele Analysten der großen Finanzhäuser kommen zu einem ähnlichen Schluss: Sowohl Biden als auch Trump würden nach der Wahl große Konjunkturprogramme aufsetzen, um die coronageschädigte Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Trump dürfte vor allem auf Steuersenkungen dringen. Joe Biden hat dagegen höhere Staatsausgaben – finanziert durch  höhere Steuern für Unternehmen und wohlhabende Privatpersonen – in den Vordergrund seiner Kampagne gestellt, wie etwa Alexander Buhrow von der DZ-Bank zusammenfasst.

          Zwei Unsicherheiten im Blick

          Im Handelskonflikt mit China setzen beide Kandidaten auf Härte. Als Präsident dürfte auch Biden Druck auf China ausüben. Schließlich hat auch Biden keine eilige Rückführung der Strafzölle gegen Peking versprochen. Der Demokrat dürfte dabei aber wieder stärker auf die Zusammenarbeit mit westlichen Partnern setzen. Insgesamt werde sich Biden gegenüber Europa wohl versöhnlicher zeigen als Trump, meint Buhrow.

          F.A.Z.-Newsletter „Amerika wählt“

          Kann Trump sich gegen Biden behaupten? Eine persönliche Einschätzung und die wichtigsten Amerika-Analysen der F.A.Z. jeden Donnerstag in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          David Zahn von der Investmentgesellschaft Franklin Templeton sieht in einer Biden-Präsidentschaft vor allem zwei Unsicherheiten für die Märkte. „Generell werden Steuererhöhungen befürchtet, und die Unsicherheit um die künftige Steuerpolitik wird an den Märkten weltweit spürbar sein“, sagt er. „Auch Deregulierung ist ein Thema. Unter Trump gab es einen starken Deregulierungsschub. Wenn es strengere Regeln gibt, könnte dies für viele Unternehmen Hürden errichten.“

          Wie viel Macht bekommt der Präsident?

          Noch wichtiger als die Frage, wer der neue Präsident wird, ist aus Sicht der Börse allerdings, wie kompliziert die politischen Machtverhältnisse in Washington nach dem 3. November werden. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, warnt davor, dass das Wahlergebnis bis zur geplanten Amtseinführung des Präsidenten am 20. Januar noch gar nicht feststehen könnte – und die Amerikaner bis dahin in chaotischen Verfassungsdiskussionen versinken könnten.

          Schließlich zeichne sich ab, dass extrem viele Amerikaner per Briefwahl ihre Stimmen abgeben wollten. Und Trump hat schon mehrfach verkündet, dass er gute Briefwahlergebnisse für Biden nicht einfach so akzeptieren werde. Nur ein sehr klarer Sieg eines der beiden Kandidaten kann aus Sicht von Folkerts-Landau allzu lange Querelen verhindern.

          Doch die Präsidentschaft selbst ist nur ein Teil des Spiels; entscheidend für die tatsächliche Macht des ersten Mannes im Staat ist auch, wer im Kongress das Sagen hat. „In unserem Hauptszenario sehen wir eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent, dass Biden Präsident wird und 42 Prozent, dass die Demokraten sowohl die Präsidentschaft als auch beide Kongresskammern gewinnen“, schreibt etwa Johannes Müller von der DWS. „Damit bleibt die geteilte Regierung der aus unserer Sicht wahrscheinlichste Wahlausgang.“ Andere Analysten sehen für einen solchen Durchmarsch noch weit niedrigere Wahrscheinlichkeiten.

          Die Wahl als Treiber für den Dollar-Kurs

          Aus Sicht der Schweizer Investmentbank Credit Suisse könnte die Machtverteilung im Kongress sogar die größeren Konsequenzen haben als die Entscheidung für den Präsidenten. Denn beide Kandidaten hätten schließlich das Ziel, die Konjunktur wieder in Gang zu bringen. Beide könnten das aber nur machen, wenn sie auch den Rückhalt vom Kongress hätten.

          Ein geteiltes Washington werde zu Stillstand führen, warnt denn auch Folkerts-Landau von der Deutschen Bank. Vor allem für die weitere Entwicklung des Dollarkurses könnte der Wahlausgang von Bedeutung sein. Die Deutsche-Bank-Fachleute rechnen bis zum Ende diese Jahres mit einem Euro-Dollar-Kurs von 1,20, bis Ende 2022 sogar von 1,30. Sollte Biden die Wahl gewinnen und sein stark auf die ärmeren Amerikaner ausgerichtetes Konjunkturprogramm umsetzen können, so könnte das den Dollar nach Ansicht von Folkerts-Landau noch schneller schwächen.

          Jenseits des Wahlkampfgetöses

          Auch unabhängig von der Machtfülle des neuen Präsidenten ist Wahlkampfgetöse das eine, was am Ende in echte Politik umgesetzt wird hingegen das andere. Die wirtschaftlichen Gegebenheiten dürften auch Biden wohl dazu zwingen, von Forderungen wie einer drastischen Erhöhung der Unternehmenssteuer oder einer Verdoppelung des Mindestlohns wieder etwas abzurücken, meint Fachmann Buhrow von der DZ-Bank. Schon in der heutigen Fernsehdebatte erhoffen sich die Märkte mehr Klarheit über das tatsächliche Programm als noch in den Vorwahlkämpfen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Champions League : Darum ist Dortmund kein absolutes Top-Team

          Der Champions-League-Start ging durch die Niederlage in Rom daneben. Nun steht Dortmund gegen Zenit St. Petersburg schon unter Druck. Mats Hummels glaubt zu wissen, warum es beim BVB noch nicht ganz rund läuft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.