https://www.faz.net/-gv6-2ug3

Portfoliotheorie : Das Risiko im Finanzmarkt ist messbar

  • Aktualisiert am

Das Risiko ist messbar Bild:

Risiko lässt sich statistisch ermitteln und gibt damit einen plastischen Eindruck davon, wie stark ein Wertpapier schwanken kann.

          2 Min.

          Hören Anleger von der Möglichkeit, eine gute Rendite zu erzielen, dann bekommen sie gewöhnlich glänzende Augen und sind kaum noch zu stoppen. Spätestens aber seit sich die Portfoliotheorie bei Banken und Investmentgesellschaften etabliert hat, dürfte klar sein, dass die Rendite an sich nicht viel aussagt. Was zählt ist die „Performance nach Risiko“, die risikoadjustierte Rendite oder eben die Rendite im Verhältnis zum Risiko.

          Was aber ist Risiko? Die spontane Antwort würde wohl lauten: Risiko ist die Möglichkeit, einen Verlust zu erleiden. Diese Betrachtung ist allerdings asymmetrisch und blendet die Chancen aus. Deswegen versteht man unter Risiko die Unsicherheit, Zielgrößen zu erreichen oder sie zu verfehlen. Arbeitet ein Unternehmen erfolgreich und stimmen die Umstände, dann kann es seine Pläne ohne Probleme umsetzen. Schwierig wird es, wenn äußere Einflüsse stören oder wenn das Management die Firma nicht im Griff hat.

          Systematische Risiken lassen sich nicht vermeiden

          Im ersten Fall redet man von systematischem Risiko, welches ein Unternehmen nicht beeinflussen kann. Dazu zählen politische und wirtschaftliche Ereignisse wie Unruhen, Wahlen, Kriege, Steuerveränderungen oder die Schaffung von Freihandelszonen. Aber auch Naturkatastrophen oder starke Veränderung von Wechselkursen oder Zinsen können eine Rolle spielen.

          Das unsystematische Risiko bezieht sich dagegen immer auf „Einzelfälle“ und hat nichts mit „Höherer Gewalt“ zu tun. So kann ein Unternehmen beispielsweise eine falsche Strategie einschlagen, mit einem wichtigen Projekt scheitern, mit Streiks konfrontiert werden oder auf harte Konkurrenz treffen.

          Unsystematische Risiken können reduziert werden

          Mit dem systematischem Risiko muss der Investor leben, das kann er nicht beeinflussen. Firmenspezifische, unsystematische Faktoren dagegen kann er mit einer geschickten Auswahl der Anlageform umgehen oder zumindest einschränken, indem er Aktien verschiedener Firmen kauft und nicht alles auf eine Karte setzt.

          Als Risikomaß hat sich in weiten Teilen die so genannte Volatilität durchgesetzt. Sie wird statistisch aus dem Kursverlauf eines Wertpapiers oder Index errechnet und zeigt die Schwankungsbreite eines Marktes oder eines Titels innerhalb eines bestimmten Zeitraums an. Je weniger Bewegung stattgefunden hat, desto geringer ist die Volatilität, und umgekehrt.

          Volatilität zeigt Schwankungsbereich

          Abgesehen von Feinheiten geht die Portfoliotheorie davon aus, dass die Renditen der verschiedenen Anlageformen gleichverteilt sind. Sie schwanken mit „normierten Wahrscheinlichkeiten“ um ihren Mittelwert. Hat zum Beispiel Aktie X eine Jahresvolatilität von 20 Prozent und wird gerade mit 100 Euro gehandelt, dann kann man ihre Schwankungsbreite abschätzen.

          Umgerechnet auf eine Woche hat das Papier X eine Standardabweichung von etwa drei Euro. Das bedeutet die Aktie wird in dieser Woche mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 68 Prozent zwischen 97 und 103 Euro gehandelt werden. Das ist der aktuelle Kurs plus minus eine Standardabweichung. Will der Anleger eine Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent erreichen, muss er eine Spanne von zwei „Standardabweichungen“ um den aktuellen Kurs der Aktie legen und kommt so auf 94 und 106 Euro.

          Fazit: Je höher die Volatilität eines Wertpapiers ist, desto stärker schwankt der Kurs. Damit verbunden sind zwar auch höhere Renditechancen, aber gleichzeitig verknüpft mit dem Risiko auf einen entsprechend höheren Verlust.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jetzt sind alle ernannt: Kanzler Olaf Scholz und sein Kabinett beim Bundespräsidenten.

          Scholz-Regierung : Der Auftrag der Ampel

          Das Virus hat der neuen Bundesregierung vor dem Start eine wichtige Lektion erteilt. Sie sollte sie beherzigen.
          Was hat Wladimir Putin in der Ukraine vor?

          Ukraine-Krise : Russlands wunde Punkte

          Neue westliche Sanktionen könnten Russland hart treffen – aber auch in Ländern wie Deutschland Schaden anrichten, das von russischem Gas abhängig ist.