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Die Politik und Ihr Portfolio : Drei Männer bewegen die Börse

Da Börsen eben nicht das abbilden, was ist, sondern vielmehr das, was in Zukunft sein könnte, haben die Marktteilnehmer diesen Renditeanstieg bei Anleihen zu einem gewissen Grad schon vorweggenommen – auch ohne genaue Details zum Ausgabenprogramm und dessen Folgen zu kennen. Das heißt konkret: Sie haben amerikanische Staatsanleihen verkauft, was zu den fallenden Kursen und spiegelbildlich zu den steigenden Renditen bei amerikanischen Anleihen geführt hat.

Aktienkurse in Amerika auf Rekordhoch

Was aber haben diese Anleger mit ihrem Geld gemacht? Sie haben es zumindest zu Teilen in Aktien investiert – und zwar ein weiteres Mal aus einer Spekulation auf die Zukunft heraus. Denn sie gehen davon aus, dass amerikanische Firmen vom möglichen Ausgabenprogramm der Regierung Trump deutlich profitieren werden, zumal Amerikas Wirtschaft derzeit ohnehin so gut läuft wie seit Jahren nicht mehr. Darum sind die Aktienkurse in Amerika auf ein neues Rekordhoch gestiegen.

Erstaunlich an der Entwicklung ist allerdings, dass die große Mehrheit der Marktakteure sich für die Risiken der Trump-Agenda wie die damit einhergehende höhere Staatsverschuldung nicht zu interessieren scheint. So wie sie vor der Wahl Donald Trump vor allem als Gefahr wahrnahmen, so sehen sie jetzt vor allem das Positive. Daraus darf man aber nicht ableiten, dass die Profis an den Märkten so simpel gestrickt sind, dass sie nur in Schwarz-Weiß-Kategorien denken können. Aber sie wissen ganz genau, dass man an den Börsen viel Geld verlieren kann, wenn man sich zu früh gegen einen bestimmten Trend positioniert. Im Zweifel lautet ihr Motto: „Man muss tanzen, solange die Musik spielt.“

Was macht der Dax?

Wie steht es aber um europäische Wertpapiere, insbesondere um den Dax? Es erscheint auf den ersten Blick merkwürdig, dass das deutsche Börsenbarometer in den Wochen nach Trumps Sieg sogar Verluste hinnehmen musste. Eigentlich hätte man nämlich auch steigende Kurse erwarten können. Denn der Zinsanstieg in den Vereinigten Staaten geht gleichzeitig mit einem Anstieg des Dollars gegenüber dem Euro einher. Wenn es in der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt höhere Zinsen zu verdienen gibt, investieren nämlich wieder vermehrt ausländische Anleger in Amerika, was den Dollar im Vergleich zum Euro stärkt. Das wiederum ist üblicherweise positiv für Deutschlands Dax-Unternehmen, die ihr Geld vor allem mit Exporten nach Amerika verdienen. Warum ist es dieses Mal anders?

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Die Antwort hat vor allem mit Matteo Renzi und seinem Referendum zu tun. Felix Herrmann, der als Kapitalmarktstratege des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock die Überlegungen internationaler Anleger gut kennt, sagt: „Zwar sind europäische Aktien vergleichsweise günstig. Aber gerade viele ausländische Investoren schichten ihre Gelder derzeit in andere Regionen um, was vor allem politische Ereignisse wie in Italien zur Ursache hat.“ Darum fallen hierzulande die Kurse. Zwar ist keineswegs sicher, dass eine Niederlage Renzis wilde Marktbewegungen auslösen wird. Aber allein die damit einhergehende Unsicherheit lässt internationale Investoren vorsichtig werden.

Privatanleger sind meist nicht schnell genug

Für ganz normale Anleger stellt sich darum die Frage: Sollten sie es den Großanlegern gleichtun? Wenig spricht dafür. Denn zahlreiche Studien haben gezeigt: Wenn gerade Privatanleger mit ihren begrenzten technischen Mitteln hektisch auf Ereignisse reagieren, kommen sie meistens zu spät. Haben sie einen Teil ihres Portfolios dagegen in ein Börsenbarometer wie den MSCI World investiert (am günstigsten geht das über ETF, die die Kursentwicklung exakt abbilden), haben sie auf längere Sicht wenig zu befürchten. Sie profitieren damit trotz aller zwischenzeitlichen Schwankungen von der Entwicklung der wichtigsten Aktienmärkte der Welt.

Wer Spaß an der Sache hat, kann natürlich derzeit auch ein wenig mit amerikanischen Aktien spekulieren, für deren gute Kursentwicklung zumindest kurzfristig einiges spricht. Es wäre eine hübsche Pointe, mit dem bei Investoren lange so unbeliebten Trump am Ende doch noch gutes Geld zu verdienen.

F.A.S.-Leser: Newcomex soll die Börse heißen

Die Deutsche Börse will kleinen und neuen Unternehmen eine bessere Plattform bieten und gründet dazu ein eigenes Börsensegment. Sie rief die Bürger auf, einen Namen dafür zu finden und lobte als Preis Tickets für ein Spiel von Eintracht Frankfurt aus. Wir haben mitgemacht und vergangenen Sonntag Namen vorgeschlagen, die F.A.S.-Leser stimmten ab. Ihr Namensfavorit: „Newcomex“ mit 29 Prozent vor „Startbahn“ mit 22 Prozent. Börsenchef Carsten Kengeter freut sich: „Ganz schön kreativ. Aber mehr als 500 andere waren auch kreativ.“ Er meint die eigene Aktion der Börse. Die Leser der Sonntagszeitung waren fleißiger. Fast 700 haben sich beteiligt. Und dabei noch andere Namen vorgeschlagen. Die Ideen zeugten allerdings von einigem Anlegerfrust. Von „Geldverbrennex“ (oder der englischen Variante „iOven“) über „Dream & Lost Xtra“ bis hin zu „Xtra Big Bang“ war vieles dabei. (dys.)

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