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Wachsende Inflationssorgen : Polens Notenbank wird aggressiver

Der Schriftzug von Polens Nationalbank Bild: picture alliance / NurPhoto

Polens Wirtschaft läuft gut. Aber mit den Löhnen steigen auch die Energiepreise und dadurch die Inflation. Die Notenbank in Warschau geht dagegen nun strikter vor.

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          Die polnische Notenbank intensiviert ihren Abwehrkampf gegen die steigende Inflation. Der Zentralbankrat in Warschau hob auf seiner um eine Woche vorgezogenen Sitzung am Dienstag den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent an. Auch alle anderen Zinssätze wurden mit Wirkung ab Mittwoch um einen halben Punkt angehoben. Von Agenturen befragte Ökonomen hatten zuvor mehrheitlich mit einer Erhöhung in diesem Umfang gerechnet. Die Inflationsrate in Polen war im November im Jahresvergleich auf 7,8 Prozent gesprungen, 1,1 Prozent mehr als im Vormonat. Das Plus unterfütterte die Erwartungen auf eine Anhebung der Zinsen im Markt, obwohl Warschaus Notenbanker zögerlicher als ihre Kollegen in Tschechien und Ungarn auf einen harten geldpolitischen Kurs umgeschwenkt waren.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Als jene im Sommer die Zinsen anhoben, verharrte die Rate in Polen noch lange bei 0,1 Prozent. Inzwischen wurde sie in Ungarn auf 2,4 Prozent, in der Tschechischen Republik sogar auf 3,75 Prozent angehoben. Weitere Anpassungen nach oben werden erwartet. Ein Höhenflug der tschechischen Krone ist die Folge. Am Dienstag notierte die Währung mit Kursen um 24,74 Kronen je Euro so fest wie seit 2012 nicht mehr. Auch der ungarische Forint konnte sich zuletzt wieder deutlich stabilisieren mit Kursen um 264 Forint je Euro. Das gleiche gilt für den Zloty, der nach der Mitteilung über den erwartungsgemäßen Zinsanstieg etwas stärker mit Kursen um 4,56 Zloty je Euro notierte. Beide Währungen haben im vergangenen Jahr allerdings auch schon deutlich fester notiert.

          Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien gehören zwar der EU an, sind aber nicht Mitglied im Euroraum und wollen auf absehbare Zeit – anders als Kroatien und Bulgarien – den Euro auch nicht einführen.

          Weitere Belebung der Wirtschaft

          Am Montag veröffentlichte Dezember-Daten für den Einkaufsmanagerindex in den drei Ländern hatten eine weitere Belebung der wirtschaftlichen Aktivitäten angedeutet. Allerdings wiesen Analysten auch auf den dadurch wachsenden Inflationsdruck hin. Am Freitag steht in Polen die Veröffentlichung neuer Inflationszahlen an. „Die bisherigen Ergebnisse haben regelmäßig nach oben überrascht", warnte die Alior Bank. Auch seien die Auswirkungen der geldpolitischen Straffung auf den Zloty sehr moderat ausgefallen.

          Die Deutsche Bank hatte vor der Sitzung der polnischen Notenbank mit einer „aggressiven“ Anhebung um 1 Prozentpunkt gerechnet. „In jedem Fall und unabhängig von der heutigen Entscheidung gehen wir davon aus, dass weitere Straffungen folgen werden und sehen den Leitzins zu Beginn des dritten Quartals bei 4,0 Prozent“. Die meisten Analysten sehen den Leitzins dann allerdings eher bei 3 Prozent.

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