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Taschenmonster : Pokémon Go in Rio ist teuer

Pokemon Go ist überall. Bild: AFP

Nintendos Aktienkurs stabilisiert sich, McDonald’s Japan zählt mehr Kunden und ein japanischer Turner produziert in Rio eine gewaltige Handy-Rechnung – eine Zwischenbilanz von Pokémon Go.

          2 Min.

          Reichlich vier Wochen nach dem Verkaufsstart in den Vereinigten Staaten, zwei Wochen nach dem Verkaufsstart im Heimatland der Taschenmonster, Japan, hat die größte Aufregung um das Computerspiel Pokémon Go sich gelegt. In Japan liegt das Spiel schon nicht mehr auf dem Spitzenplatz in der Verkaufsstatistik. Zur Mittagszeit drängen sich in den Parks der Hauptstadt Tokio aber immer noch Angestellte und Ministerialbeamte, um an den einschlägig bekannten Pokéstops Punkte zu sammeln. Damit ist es Zeit für eine kleine, nicht immer ernst gemeinte Zwischenbilanz.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die wichtigste Frage ist, ob die Luftblase um den Anteilschein des Spieleherstellers Nintendo sich in nichts aufgelöst hat. Obwohl Nintendo an dem Erfolg des Spiels der Unternehmen Niantic und Pokémon Company nur indirekt über Lizenzeinnahmen teilhat, war die Aktie von Nintendo an der Börse in Tokio rasant gestiegen. Zeitweise hatte das Papier sich im Wert mehr als verdoppelt.

          Seit einer Woche nun hat die Aktie sich um etwa 21.000 Yen eingependelt. Das ist ein steiler Absturz vom Hoch mit 32700 Yen noch vor zwei Wochen. Doch der wichtigere Vergleich ist der mit dem Aktienkurs vor Pokémon Go. In diesem Vergleich hat die Nintendo-Aktie immer noch etwa 44 Prozent zugelegt - obwohl das Unternehmen selbst erklärte, von Pokémon Go nur bedingt zu profitieren, und obwohl Nintendo durch die verzögerte Auslieferung eines Zusatzteils zu dem Spiel Marktchancen vergibt. Hält Nintendo dieses Kursniveau ist Pokémon Go ein guter Erfolg für den Hersteller aus Kyoto.

          McDonald’s zählt mehr Kunden

          Es gibt Berichte, dass ältere Pokémon-Spiele für die tragbaren Spielekonsolen Nintendos sich zuletzt besser verkauften. Offenbar strahlt der Erfolg von Pokémon Go, an dem Nintendo nur sehr indirekt beteiligt ist, auf das Kerngeschäft des Spieleherstellers aus. Nintendo plant auch, in den kommenden Monaten neue Spiele des Franchise auf den Markt zu bringen. Das kann den höheren Aktienkurs rechtfertigen.

          Auch für andere Partner von Pokémon Go zahlt sich der Hype aus. Die Schnellbraterkette McDonald’s Holding, die ihre Läden in Japan als Spielstätten ausgestattet hat, berichtet von einem Umsatzanstieg um 27 Prozent im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Kunden gaben mehr aus und die Zahl der Kunden stieg um fast 10 Prozent. Das Schreckensbild der Restaurantbesitzer, dass Pokémon-Go-Spieler hinter einem Becher Cola für Stunden die Sitzplätze blockieren, ist offenbar nicht eingetreten.

          Teures Turnen in Rio

          Der in Japan wohl bekannteste Pokémon-Go-Spiele weilt derweil gar nicht im Lande, sondern in Brasilien. Koheio Uchimura, einer der besten Turner des Landes und auf dem Weg zum abermaligen olympischen Gold, bereitet sich derzeit in Rio de Janeiro auf sein Auftritte vor. Dabei entspannte er mit Pokémon Go und schaffte es, eine Handyrechnung von 500.000 Yen (rund 4500 Euro) zu produzieren.

          Die Roaming-Gebühren wurden Uchimura zum Verhängnis. Das vorolympische Abenteuer ging für den Turner aber noch gut aus. Sein japanischer Handy-Anbieter lenkte ein und stellte den Vertrag nachträglich auf die Flat-rate von 3000 Yen am Tag um.

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