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Die Pokemon-Dämmerung : War’s das mit dem Nintendo-Aktienhype?

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Noch Ende Februar hatte der Spielespezialist überraschend seine Gewinnprognose für das auslaufende Geschäftsjahr halbiert. Der Anbieter der Wii-U-Konsole rechnete damals zwar noch mit schwarzen Zahlen von 17 Milliarden Yen (136 Millionen Euro), doch gut drei Wochen vorher hatte man für das noch bis Ende März laufende Geschäftsjahr die bisherige Gewinnprognose von 35 Milliarden Yen bestätigt. Die Aktie plätscherte in der Folge weiter vor sich hin, wie schon in den vergangenen Jahren. Die Rendite war für Investoren sehr überschaubar.  Auf Sicht der vergangenen zehn Jahren hatte die Aktie zuletzt ein Plus von etwas mehr als 51 Prozent erzielt. Hier ist jedoch schon der wahnwitzige Hype der letzten Wochen mit der Verdoppelung der Kurse eingerechnet. Aber davon wollte augenscheinlich das Gros der Anleger nichts wissen.

Bilanzen anschauen? Langfristiger Kursverlauf? Das Internet gibt einem als Investor eigentlich genügend Möglichkeiten, sich über solide Investments zu informieren. Doch bei Nintendo ging eine Welle wieder über das Parkett, auf der jeder mitsurfen wollte. Das Argument für den Kauf von Nintendo-Aktien, das die Runde machte, war ganz einfach und simpel: Der Erfolg von „Pokémon Go“ sei eine Chance, weil es zeige, dass Nintendos Figuren auch auf Smartphones funktionieren. Zugleich könnte das Phänomen sich positiv auf das bisherige Kerngeschäft mit Konsolen auswirken, so die Einschätzung vielerorts im Markt. Völlig irrational. Einen (vorläufigen) Höhepunkt dieser Irrationalität der Anleger sah man dann zum Wochenauftakt:

War es das nun mit der Aktie?

Nicht nur Nintendo-Aktien brachen ein. Die Kurse anderer Unternehmen aus dem Umfeld des Spiels gerieten ebenso kräftig unter Druck.  So rutschten Imagica Robot, ein Anbieter von „Pokemon“-Cartoons, um 23 Prozent ab. Auch McDonald's Japan kam kräftig ins Wanken. Der Kurssturz von Nintendo hat McDonalds Japan den größten Tagesverlust seit 15 Jahren eingebrockt. Die Aktien der Schnellrestaurant-Kette fielen am Montag an der Börse Tokio um knapp 12 Prozent. Nun fragt man sich an der Stelle vielleicht, was hat der Aktienkurs einer Fast-Food-Kette mit kleinen in der Welt rumlaufenden Monstern zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten wird dann die Irrationalität der Anleger deutlicher: Vergangene Woche hatte McDonalds Japan bekanntgegeben, dass „Pokemon Go“-Spieler in seinen 3000 Filialen um die kleinen Fantasiefiguren kämpfen können. Das Handy-Game wechselt zwischen der echten und der virtuellen Welt. Der Spieler muss dabei verschiedene Arten von Figuren einfangen, die bereits vor 20 Jahren mit einer Serie von Videospielen bekannt wurden.

Anleger, die letzte Woche noch auf den Nintendo-Aktienzug gesprungen sind, werden jetzt erst einmal unsicher sein. War es das nun mit der Aktie? Ein bisschen Schützenhilfe gibt es seitens der Analystenzunft. David Gibson von der Bank Macquarie bezeichnet den aktuellen Kurssturz als überzogen. Er verwies auf die Download-Rekorde. Allein in Japan hätten binnen eines Tages zehn Millionen Nutzer das Spiel auf ihren Smartphones installiert. „Wegen dieses Trends wird „Pokemon Go“ einen erheblichen Einfluss auf die Einnahmen des Unternehmens haben." Manche Börsianer erwarten durch zahlungspflichtige Erweiterungen des Spiels einen Gewinnschub von umgerechnet 400 Millionen Euro für Nintendo.

Aber nicht jeder: „Es war stets recht offensichtlich, dass die Einnahmen für Nintendo diesen Kursanstieg nicht rechtfertigen", betont beispielsweise Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. „Die Tatsache, dass das Unternehmen dies nun bestätigt hat, sollte niemanden schockieren."  Nimmt man die nüchterne Charttechnik hinzu, kann eines festgehalten werden: Die für viele Langfrist-Anleger als guter Trendindikator hinzugezogene 200-Tage-Linie wurde am 8. Juli nach oben durchkreuzt und verfügt derzeit über einen Abstand von über 50 Prozent. Das ist ein Wert, der klar signalisiert, dass die Aktie überkauft zu sein scheint - allen neuen 5-Jahres-Hochs in den vergangenen Tagen zum Trotz.

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