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Photovoltaik : Aktie von S.A.G. Solarstrom oszilliert in Handelsspanne

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Bild: FAZ.NET

Die Aktie der S.A.G. Solarstrom hat seit dem Frühjahr einen hartnäckigen Seitwärtstrend ausgebildet. Alles spricht dafür, daß sich daran vorerst nichts ändert.

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          Solaraktien galten in den vergangenen Monaten generell als sichere Bank. Wie so oft war die Wahrnehmung etwas getrübt, da die Kursentwicklung tatsächlich sehr stark divergierte. Während Solarworld im vergangenen Jahr über 300 Prozent zulegten, verlor die Aktie der Solar-Fabrik über ein Drittel ihres Wertes.

          In den vergangenen Monaten ging der Prozeß weiter. Im Mittelfeld der Branche befindet sich die S.A.G. Solarstrom. Das Papier hat in den vergangenen zwölf Monaten über 20 Prozent an Wert gewonnen, in den vergangenen drei Monaten dagegen 2,45 Prozent abgegeben.

          Geschäft folgt zyklischem Muster

          Das Unternehmen montiert und vertreibt Solarparks sowie private Solaranlagen und schloß das dritte Quartal recht erfolgreich ab. Die Umsatzerlöse stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund das Dreifache auf 33 Millionen Euro. Dabei fiel ein Gewinn von rund 1,2 Millionen Euro an, mit dem die Anlaufverluste von einer Million Euro im ersten Halbjahr für die Markteinführung des neuen gemeinsam mit Solon initiierten Produktes „Solar-Optimal“ gedeckt wurden, so daß das Neun-Monats-Ergebnis rund 100.000 Euro erreichte. Im vierten Quartal rechnet das Unternehmen mit einem zusätzlichen Umsatz von mehr als 37 Millionen Euro.

          Das zyklische Geschäft ist beim Vertrieb unternehmerischer Beteiligungen üblich. „Die Erfahrung hat uns gezeigt, daß wir im vierten Quartal rund die Hälfte unseres gesamten Umsatzes erwirtschaften“, sagt Finanzvorstand Benedikt Ortmann. Das liegt daran, daß Kapitalanlagen immer noch Jahresendgeschäft sind, auch wenn die Steuerspar-Aspekte (besser gesagt, Steuerverschiebungs-Aspekte) zunehmend zurücktreten.

          Nachdem das Unternehmen in der Vergangenheit zeitweilig stark unter Druck geraten war, wird es ihm im laufenden Jahr voraussichtlich erstmalig gelingen, einen nachhaltigen Gewinn zu erwirtschaften. Indes haben steigende Rohstoffkosten und Zinsen bei unveränderten Einspeisevergütungen das Unternehmen offenbar bewogen, sich jetzt einer raschen internationalen Expansion zuzuwenden.

          Nettoergebnis dürfte unterproportional steigen

          Die Erlöse sollen nach 21,7 Millionen im vergangenen Jahr auf rund 70 in diesem Jahr und bis 2007 auf etwa 170 Millionen Euro steigen, das Vorsteuerergebnis (Ebit) nach einem ausgeglichenen Ergebnis 2004 bis auf sechs Millionen Euro im Jahr 2007. Diese Expansion wird aber Geld kosten. Nach zwei Kapitalerhöhungen in diesem Jahr will Ortmann künftig mehr auf Fremdmittel zurückgreifen (SAG Solarstrom: „Jammern auf hohem Niveau“). Insofern ist damit zu rechnen, daß das Nettoergebnis nicht mit dem Anstieg der Umsätze und des Vorsteuerergebnisses wird mithalten können.

          Auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen ist die Aktie für das laufende Jahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 34 und für das kommende Jahr von rund 15 insofern angemessen bewertet, als die Expansion bereits im Kurs enthalten ist. Das dürfte, ebenso wie die beiden Kapitalerhöhungen erklären, warum die Aktie seit April hartnäckig in der Handelsspanne zwischen sieben und neun Euro pendelt.

          Für das vierte Quartal sind indes offenbar gute Ergebnisse zu erwarten. Das erfolgskritische Projekt „Solon-Mover“ läuft offenbar gut. Zwei Drittel der sieben Megawatt seien bereits verkauft, der Rest soll bis Jahresende folgen. Gute Quartalsergebnisse könnten zwar zu einem kurzfristigen Kursschub führen, doch ist demgegenüber aufgrund des zyklischen Musters mit einem schwächeren ersten Quartal 2006 zu rechnen.

          Derzeit klassische Halteposition

          Insofern könnte es nach Vorlage des Jahresabschlusses zu einem, von kurzfristigen Anlegern getragenen Kursanstieg kommen, dem nach den Ergebnissen des ersten Quartals ein entsprechender Rücksetzer folgt.

          Die S.A.G. Solarstrom sieht sich selbst als „soliden Wachstumswert“. Ortmann nennt die projektierten Margen „zwar derzeit niedriger“, aber „langfristig realistischer als die des Wettbewerbs“. Folgt man dieser Einschätzung und glaubt man an ein Gelingen der internationalen Expansion, so sollten langfristig Kurssteigerungen bei der Aktie drin sein. Aufgrund der Bewertung indes, könnte dies noch eine Weile dauern, vor allem auch in Anbetracht der Tatsache, daß eine positive Unternehmensentwicklung immer erst zum Jahresende sichtbar wird.

          Insofern dürfte die Kursentwicklung im Trend in den kommenden Monaten erst einmal dem seit Frühjahr vorherrschenden Muster folgen. Erst ein Ausbruch über 9,08 Euro könnte ein Signal für eine Trendwende nach oben ein. Bis dahin könnte aber noch etwas Zeit vergehen. Denn gemäß dem vorliegenden Muster schließt sich der Trendkanal langfristig, da die aufeinanderfolgenden Hochs ab- und die Tiefs langsam zunehmen. Alles in allem präsentiert sich die Aktie so als klassische Halte-Position, bei der derzeit keine Eile geboten zu sein scheint.

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