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Mittelstandsanleihen : Peine bläst Gläubigerabstimmung ab

Schick, aber kopflos? Diese Bild eines Barutti-Anzugs der Peine GmbH könnten in den Augen einiget Anleger Symbolkraft haben. Bild: Peine GmbH

Der verschwiegene Textilkonzern Peine scheint etwas einzulenken. Eigentlich wollte das Unternehmen über das Wochenende von den Gläubigern eine Zinssenkung und Laufzeitverlängerung. Das wurde jetzt vertagt.

          Der angeschlagenen Modekonzern Peine hat seine geplante Abstimmung ohne Versammlung über eine Verlängerung und Zinssenkung seiner im Juli fälligen Unternehmensanleihe abgesagt. Ursprünglich sollte die Abstimmung am Freitag beginnen und bis Montag laufen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Gesellschaft beabsichtige aber weiter, die Bedingungen wie ursprünglich geplant zu ändern. Mit der Absage werde man Wünschen aus dem Kreis der Anleihegläubiger gerecht. Diese hätten unter anderem zunächst die Bestellung eines gemeinsamen Vertreters erbeten.

          Diese Sichtweise ist eine recht sanfte Umschreibung der Entrüstung, der sich das Unternehmen entgegen sah. Peine hatte seit Jahren nichts mehr von sich hören lassen. Die bislang letzten Geschäftszahlen hatte man für 2015 vorgelegt.

          Dann aber hatte der Konzern unvermittelt, zwei Monate vor Fälligkeit seiner Anleihe nicht nur verlangt, die Laufzeit der mit 8 Prozent verzinsten Anleihe um 5 Jahre zu verlängern, sondern auch den Zins rückwirkend ab ab 2017 auf 2 Prozent zu senken. Begründet wurde dies mit weiterem Sanierungsbedarf.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kritisierte, dass aufgrund der fehlenden Geschäftszahlen es den Gläubigern nicht möglich sei, die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft zu beurteilen, so etwa ob eine Insolvenz drohe, sofern die Gläubiger nicht zustimmten. Auch sei eine Überprüfung der Werthaltigkeit der vom Mehrheitsgesellschafter Shandong Ruyi angebotenen Garantie nicht möglich. Obendrein sei die Vollstreckung fragwürdig.

          Der investierte Fonds Harvstburg Capital hatte einen Gegenantrag gestellt, in dem unter anderem das Recht gefordert wird, die Anleihe vorzeitig zu kündigen, wenn Peine nicht bis spätestens zum 30. Juni die geprüften Jahresabschlüsse für die Jahre 2016 und 2017 zugänglich macht.

          Vor mehr als vier Jahren sollte die Partnerschaft zwischen Peine und Shandong Ruyi den deutschen Konzern eigentlich schon retten.

          Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Peine das ausstehende Volumen der Anleihe mit 15 Millionen Euro angegeben hat und damit laut Harvstburg auch ablehnte, über den Gegenantrag abstimmen zu lassen. Damit ein Gegenantrag zugelassen wird, muss der Antragsteller über einen bestimmten Anteil an der Schuldverschreibung verfügen.

          Allerdings hatte Peine im letzten veröffentlichten Jahresabschluss die Höhe des Anleihevolumens mit 3,806 Millionen Euro angegeben. Nachplazierungen sind bei einem genehmigten Anleihevolumen zwar nicht unüblich, allerdings ist die Höhe ungewöhnlich. Zudem ist das Unternehmen angeschlagen und bis vor kurzem öffentlich nicht in Erscheinung getreten. Der Anlegerbrief „Der gemeinsame Vertreter“ schreibt, es sei zu befürchten, dass die Emittentin Anleihen im wesentlichen Umfang im gesellschafternahen Umfeld plaziert habe, um die Restrukturierung der Anleihe zu bewirken.

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