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Historische Opec-Einigung : Steigt jetzt die Inflation?

Ein Ölfeld in Saudi-Arabien Bild: dpa

Bislang hat das billige Öl den Preisanstieg bei Nahrungsmitteln in der Coronakrise mehr als ausgeglichen. Das könnte sich jetzt ändern.

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          Die wichtigsten Ölstaaten der Welt haben sich am Sonntagabend nach vielem Hin und Her und teilweise dramatischen Verhandlungen auf die wohl größte Kürzung der Ölförderung in der Geschichte verständigt. Die 23 Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder und ihrer Verbündeten (Opec Plus) einigten sich, im Mai und Juni 9,7 Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) weniger je Tag zu fördern. Das entspricht immerhin fast 10 Prozent der globalen Ölförderung. Weitere, geringere Kürzungen sollen bis April 2022 anhalten.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon in der Nacht zum Karfreitag hatten sich die Ölstaaten im Grundsatz verständigt, deutlich weniger Öl fördern zu wollen. Abgeschlossen hatte man den Deal zunächst nicht, mit der Begründung, man wolle Mexiko noch mit ins Boot holen, das weniger kürzen wollte, als ihm zunächst zugedacht war. Als im Verlauf des Wochenendes dann die Vereinigten Staaten erklärten, für einen Teil der Kürzungen Mexikos einzuspringen, erklärte man den historischen „Deal“ für besiegelt.

          Trump und Putin loben Einigung

          Der amerikanische Präsident Donald Trump und sein russischer Kollege Wladimir Putin lobten die Einigung. Trump schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, es sei ein „großartiger Deal“. In den Vereinigten Staaten rette die Vereinbarung Hunderttausende von Arbeitsplätzen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte schon zuvor berichtet, Trump, der früher die Opec „gehasst“ habe, habe mittlerweile seine Meinung über das Öl-Kartell ins Gegenteil verkehrt. Der kuwaitische Ölminister Chaled al-Fadhel nannte die Vereinbarung „historisch“.

          Was bedeutet das nun aber für den Ölpreis, den Benzinpreis und damit die Entwicklung der Verbraucherpreise in der Krise? Die Preissignale am Montag waren noch etwas uneindeutig. Zum Handelsbeginn in Asien verteuerte sich der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent zeitweise um mehr als 4 Prozent auf 33,99 Dollar je Barrel, gab dann aber wieder etwas nach.

          Auf die Benzinpreise hatte die Einigung am Wochenende noch kaum Auswirkungen – das könnte sich allerdings in der neuen Woche auch noch ändern. Nach Angaben des Internetportals Clever-Tanken kostete Diesel am Sonntag im Durchschnitt 1,095 Euro je Liter, Super E10 kostete 1,179 Euro je Liter. Beides waren Jahrestiefstwerte. Der Heizölpreis hingegen legte am Montag schon etwas zu, auf 54,51 Euro je 100 Liter bei der Abnahme von 5000 Litern.

          Sorge um die Inflation

          Kann die Wende in der Öl-Förderung aber womöglich schon bald auch die Inflation in Deutschland wieder steigen lassen? Der frühere Dresdner-Bank-Vorstand Leonhard Fischer hatte vor Inflation nach der Krise gewarnt – war damit aber bei vielen Ökonomen auf Widerspruch gestoßen.

          Immerhin hatten Volkswirte wie Holger Schmieding vom Bankhaus Berenberg für die Situation in der Krise argumentiert, höhere Preise für Lebensmittel wie Spargel (mangels Erntehelfern) oder andere Dinge des täglichen Gebrauchs (durch Knappheit) würden derzeit durch das außergewöhnlich billige Öl mehr als ausgeglichen. Die Inflationsrate für Deutschland war jedenfalls im März noch deutlich gefallen auf 1,4 Prozent. Ändert sich das jetzt, wenn die Ölstaaten durch die Kartell-Vereinbarung den Preis hochtreiben?

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