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OPEC plus : Mitten in der Energiekrise kürzen die Ölstaaten die Förderung

Zukunft in der Diskussion: Ölraffinerie in Schwedt in Brandenburg. Bild: Reuters

Nach einer kleinen Kürzung der Ölförderung im Oktober soll im November eine deutlich kräftigere folgen. Das Ziel sind höhere Preise. Was heißt das für Haushalte mit einer Ölheizung?

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          Die Welt macht sich Sorgen über eine Energiekrise – und die Ölländer drehen den Ölhahn weiter zu. Zum ersten Mal seit der Pandemie haben sich die Vertreter der Organisation erdölexportierender Länder und ihre Verbündeten (OPEC plus) am Mittwoch wieder physisch und nicht nur virtuell in Wien getroffen. Mit dabei war auch Russlands stellvertretender Ministerpräsident Alexander Novak. Heraus kam eine Kürzung der Ölproduktion für den Monat November um zwei Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) am Tag. Das ist die stärkste Förderkürzung seit dem Frühjahr 2020, als die Ölländer mit einer Kürzung um 10 Millionen Barrel je Tag auf die Coronapandemie reagiert hatten.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Etwas unklar blieb, inwieweit die Tatsache, dass viele Ölstaaten derzeit weniger fördern, als die abgesprochenen Quoten ihnen eigentlich erlauben würden, die Wirkung des beschlossenen Schrittes beeinträchtigt. Es hieß, Russland müsse keine Kürzungen vornehmen, hauptsächlich reduzieren sollten die Förderung Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Irak. Nach einer ersten Einschätzung von Ölanalyst Giovanni Staunovo von der UBS dürften die „effektiven Kürzungen“ damit um die 800.000 bis 900.000 Barrel je Tag liegen. Der saudi-arabische Energieminister Abdulasis bin Salman meinte, die tatsächliche Drosselung dürfte bei einer bis 1,1 Millionen Barrel pro Tag liegen.

          Schon Anfang September hatten die Ölstaaten für Oktober eine Kürzung der Ölproduktion um 100.000 Barrel am Tag beschlossen. Der Effekt auf den Ölpreis verpuffte angesichts von Rezessionssorgen allerdings relativ schnell wieder. „Der Warnschuss im letzten Monat stieß auf taube Ohren“, kommentierte Craig Erlam von der Handelsplattform Oanda. Jetzt aber machen die Ölstaaten offenbar Ernst. Die Analysten der Commerzbank sprachen von einer „Reaktion auf den kräftigen Preisrückgang der vergangenen Monate“. Von der Aufforderung der Vereinigten Staaten, den Ölhahn aufzudrehen, ließen sich die Ölstaaten offenbar nicht beeindrucken.

          Der Ölpreis war schon am Montag und Dienstag spürbar gestiegen, als Spekulationen über die Pläne der Ölstaaten die Runde machten. Am Mittwoch schwankte er und erreichte nach dem OPEC-Plus-Treffen zeitweise 93,80 Dollar - rund 6 Dollar mehr als am Freitag.

          Wird Heizöl noch teurer?

          Eine spannende Frage dabei: Wird auch Heizöl in Deutschland jetzt noch teurer, wie das bei Erdgas zum Heizen erwartet wird und durch politischen Eingriffe abgefedert werden soll? Zuletzt kosteten 100 Liter Heizöl rund 160 Euro, wie das Internetportal Heizoel24 berichtet, an das 500 Ölhändler ihre Preise melden. Das waren etwa zehn Prozent weniger als beim Preishoch im August – aber deutlich mehr als alles, was vor dem Ukrainekrieg jemals verlangt wurde.

          Oliver Klapschus, der Chef des Vergleichsportals, berichtet, die Nachfrage nach Heizöl habe im September wohl ihren vorläufigen saisonalen Höhepunkt erreicht: „Ausgehend vom aktuellen Niveau rechnen wir für den Heizölpreis im Winter mit einem volatilen Seitwärtstrend“, sagte er: „Mit Staatshilfen wie beim Gas, in Form eines Preisdeckels oder reduzierter Mehrwertsteuer, ist nach unserem Kenntnisstand nicht zu rechnen.“

          Heizölkunden hätten aber das große Plus der Versorgungssicherheit: „Wer jetzt einen vollen Tank hat, kann dem Winter gelassen entgegensehen.“ Auch das Preisniveau für Heizöl könne sich vergleichsweise sehen lassen, meinte Klapschus: Der aktuelle Durchschnittspreis von 1,60 Euro je Liter bedeute umgerechnet ungefähr 16 Cent je Kilowattstunde: „Neuverträge für Erdgas werden noch immer ungefähr doppelt so teuer gehandelt.“

          Super billiger, Diesel teurer

          Die Ölverbände hatten zuletzt davon berichtet, dass viele Unternehmen, die in ihrer Produktion normalerweise Erdgas einsetzten, aber auch Heizöl verwenden könnten, jetzt Heizöl auf Vorrat kauften, um sich abzusichern. Das treibe zusätzlich die Preise für Heizöl und den in der Herstellung verbundenen Dieselkraftstoff hoch. Der Autoklub ADAC berichtete an Mittwoch in seiner wöchentlichen Auswertung der Preise von mehr als 14 000 Tankstellen, der Preis für Diesel sei im Durchschnitt wieder auf mehr als 2 Euro je Liter gestiegen. Binnen Wochenfrist habe sich der Kraftstoff um 1,6 Cent auf 2,012 Euro je Liter verteuert. Super E10 dagegen habe sich minimal um 0,2 Cent auf 1,878 Euro je Liter verbilligt.

          Im Monatsdurchschnitt des Septembers hätten die Dieselpreise nur wenige Cent unter dem historischen Rekordniveau gelegen, führte der ADAC weiter aus. Der teuerste Tank-Monat aller Zeiten in Deutschland sei der März 2022 nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine gewesen. Damals kostete ein Liter Diesel im Schnitt 2,14 Euro, das waren 6,2 Cent mehr als jetzt im September. Von einzelnen Tankstellen wurde zuletzt berichtet, der Dieselkraftstoff sei zeitweise ausgegangen; die Branche vertrat aber die Einschätzung, das sei derzeit kein flächendeckendes Phänomen.

          Für die Inflationsrate in Deutschland von 10 Prozent im September spielten Heizöl und Kraftstoffe eine wichtige Rolle. Wie aus den schon detaillierter veröffentlichten Zahlen für Nordrhein-Westfalen hervorgeht, verteuerte sich Heizöl auf Jahressicht um 82,3 Prozent; Kraftstoffe wurden 27,5 Prozent teurer, davon Diesel 42,8 Prozent. Der zuletzt wieder etwas niedrigere Rohölpreis hatte eine gewisse Entlastung gebracht – der teurere Dollar hatte diese zum Teil aber aufgezehrt, wie Jörg Krämer vorrechnet, der Chefvolkswirt der Commerzbank: „In Dollar ist der Ölpreis seit dem Hoch im März um 25 Prozent gefallen – in Euro sind es 20,5 Prozent.“

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