https://www.faz.net/-gv6-9m7zn

Nach Iran-Sanktionen : Ölpreise steigen weiter

  • Aktualisiert am

Der gestiegene Ölpreis bedeutet höhere Kosten. Bild: Reuters

Amerikas Regierung will bei den Sanktionen gegen Ölimporte aus Iran keine Ausnahmen mehr erlauben. Ab Mai stehen acht weitere Staaten auf der Liste. Wie hoch könnte dann der Ölpreis steigen?

          Die Ölpreise sind am Dienstag weiter gestiegen. Damit setzte sich der Trend des Vortages fort, als die Regierung der Vereinigten Staaten bekannt gegeben hatte, ab Mai keine Ausnahmeregelungen mehr für Ölimporte aus Iran zu gewähren. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 74,48 Dollar. Das waren 44 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 47 Cent auf 66,02 Dollar.

          Schon unmittelbar nach der Entscheidung am gestrigen Montag waren die Ölpreise stark gestiegen. Importe iranischen Öls nach Italien, Griechenland, China, Indien, Japan, Südkorea, Taiwan und in die Türkei wurden bisher nicht bestraft. Die acht Staaten gehören zu den wichtigsten Importeuren iranischen Rohöls. Sollten diese Staaten nach der Frist weiter Öl aus Iran beziehen, drohen ihnen Sanktionen der Amerikaner.

          China hat formell Protest gegen die Entscheidung eingelegt: Diese werde zur Unruhe im Nahen Osten und auf den internationalen Energiemärkten beitragen, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Dienstag. Die Volksrepublik ist der größte Abnehmer von iranischem Rohöl, das sechs Prozent ihrer Importe ausmacht. Einige der wichtigsten Raffinerien des Landes sind auf die Besonderheiten des iranischen Öls eingestellt. Saudi-Arabien begrüßte dagegen die Entscheidung der amerikanischen Regierung. Diese sei ein notwendiger Schritt, die destabilisierende Politik des Irans in der Region zu beenden, erklärte Außenminister Ibrahim al-Assaf.

          Amerika hatte im November ihre bislang härtesten Wirtschaftssanktionen gegen Iran in Kraft gesetzt. Diese zielen in erster Linie auf die iranische Ölindustrie ab, die größte Einnahmequelle des Landes. Die Vereinigten Staaten werfen Iran vor, Terrorgruppen finanziell zu unterstützen.

          Saudi-Arabien hat derweil durch seinen Energieminister Chalid al-Falih verkünden lassen, man werde sich mit anderen Opec-Staaten abstimmen, um sicherzustellen, dass ausreichend Vorräte zur Verfügung stehen und der Markt „nicht aus dem Gleichgewicht gerät“. Das Land beobachte demnach die Entwicklung der Ölmärkte genau, so Al-Falih in einer Erklärung. Saudi-Arabien produzierte im März nach Angaben von Bloomberg täglich 9,82 Millionen Barrel.

          Viele Investoren bezweifeln jedoch, dass andere Export-Länder die Ausfälle ganz ausgleichen könnten. Seit Januar ist der Preis für die Sorte Brent um mehr als 30 Prozent gestiegen, der Preis der Sorte WTI sogar um mehr als 40 Prozent.

          Analysten gehen daher von einem weiter steigenden Ölpreis aus. „Der WTI-Preis dürfte kurzfristig weiter steigen, 70 Dollar sind hier das nächste Ziel“, lautet die Einschätzung von Milan Cutkovic, Marktanalyst bei AxiTrader. Andere Marktteilnehmer sehen zudem ebenso gute Chancen, dass die Nordsee-Sorte Brent die Marke von 80 Euro schon bald erreichen könnte.

          Steigende Ölpreise schüren nun an den Börsen Anlegerspekulationen auf sprudelnde Gewinne bei den Ölkonzernen. Die Aktienkurse von BP, Shell oder Total legten am Dienstag bis zu zwei Prozent zu. Dagegen müssen die Anteilscheine der Fluggesellschaften, bei denen Treibstoff der größte Kostenfaktor ist, mit Kursverlusten auskommen. Papiere der Deutschen Lufthansa, Air France-KLM und der British Airways-Muttergesellschaft IAG verbilligten sich zeitweise um bis zu 3,4 Prozent.

          Weitere Themen

          Die größten Börsengänge Video-Seite öffnen

          Das sind die Top 10 : Die größten Börsengänge

          Uber wird bei seinem Börsengang etwas mehr als acht Milliarden Dollar erlösen – und kommt damit nicht unter die Top 10 der größten Börsengänge. Die ersten vier Plätze belegen Konzerne aus China; aus Deutschland ist ein Unternehmen dabei.

          Topmeldungen

          „Die Zerstörung der CDU“ : Das Rezo-Video im Faktencheck

          Klima, Wohlstand, Krieg und Protestkultur: Eine zornige Abrechnung wird zum Internethit. Was hält einer genaueren Betrachtung stand? Eine kritische Perspektive auf die vier zentralen Themen.

          Vor der Europawahl : Wie die polnische Jugend Frühlingsgefühle entwickelt

          Die neue linksliberale Partei „Wiosna“ (Frühling) des populären Politikers Robert Biedron mischt die politische Landschaft in Polen auf. Die Anhänger sind jung, nennen ihren Parteivorsitzenden „Robert“ und drängen auf einen Wandel in Polen – und Europa.
          Eine Frau wirft in Erfurt einen Brief wird in einen Briefkasten der Deutschen Post AG.

          FAZ Plus Artikel: F.A.Z. exklusiv : Das Briefporto steigt von 70 auf 80 Cent

          Jetzt ist es raus: Der Standardbrief kostet künftig 10 Cent mehr. Auch alle anderen Briefarten werden deutlich teurer – die Postkarte sogar um ein Drittel. Nur ihre Großkunden verschont die Post zunächst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.