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Energiepreisschock : Der Ölpreis steigt weiter – das verheißt nichts Gutes

Ölförderung in China: Der Energiepreisanstieg ist aktuell ein globales Thema. Bild: dpa

Der Rohölpreis klettert auf immer neue Hochs. Das dürfte auch den globalen Anstieg der Energiekosten weiter beflügeln. In Deutschland sind Diesel und Super jetzt teurer wie nie. Und Heizöl erreicht den höchsten Preis seit immerhin fast zehn Jahren.

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          Der Energiepreisanstieg geht weiter, mit Folgen auch für die Verbraucher in Deutschland. Am Freitag erreichte der Preis der amerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) den höchsten Stand seit immerhin Herbst 2014. Die Nordseeölsorte Brent notierte knapp unter ihrem langjährigen Höchststand. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) Brent 91,39 Dollar. Das waren 28 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass WTI stieg um 43 Cent auf 90,70 Dollar.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Auslöser für den jüngsten Preisanstieg ist ein Kälteeinbruch in Texas, der Sorgen vor Produktionsausfällen im größten amerikanischen Schieferölvorkommen Permian Basin schürt“, schreiben die Analysten der Commerzbank.

          Das teurere Öl beflügelt auch den globalen Energiepreisanstieg, der im Januar die Inflation auch in Deutschland und der Eurozone maßgeblich hatte steigen lassen und das Leben der Verbraucher erheblich verteuert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bezifferte den Anteil des Energiepreisschocks an den hohen Inflationsraten auf etwa 50 Prozent.

          Getrieben werden die Ölpreise derzeit durch mehrere Entwicklungen. Für grundsätzliche Unterstützung sorgen ein knappes Angebot und die trotz Omikron-Welle solide Nachfrage. Hinzu kommt der zuletzt schwächere Dollar, der das in Dollar gehandelte Erdöl für viele Anleger rechnerisch günstiger macht und deren Nachfrage anregt.

          Die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland kommen als politischer Faktor hinzu. Da Russland ein großer Rohölproduzent ist, kalkulieren Erdölhändler derzeit mit einem Risikoaufschlag für den Fall einer Eskalation des Konflikts. Zahlreiche Bankanalysten haben zuletzt ihre Prognosen für die Ölpreisentwicklung angehoben und erwarten für dieses Jahr Preise von teils über 100 Dollar je Barrel. Am Ölmarkt ist von einem „Risikoaufschlag“ auf den Preis wegen der Ukraine-Krise die Rede.

          Historische Höchstpreise für Kraftstoff

          Der höhere Ölpreis treibt auch in Deutschland alle möglichen Energiepreise weiter in die Höhe. Etwa auch für Brennstoffe: 100 Liter Heizöl kosteten am Freitag bei der Abnahme von 3000 Litern 93,35 Euro, wie das Internetportal Heizoel24 berichtet, an das 500 Ölhändler ihre Preise melden. Das war der höchste Preis seit knapp zehn Jahren.

          Auch an den Tankstellen spürt man den starken Energiepreisanstieg. Superbenzin hatte bereits am Dienstag und dann nochmal am Mittwoch neue historische Höchstpreise erreicht, zuletzt kostete ein Liter durchschnittlich 1,724 Euro. Diesel kostete am Mittwoch im Schnitt 1,649 Euro je Liter, auch das war der höchste Durchschnittspreis aller Zeiten.

          Auch der Strompreis für Verbraucher in Deutschland erreichte im Januar ein neues Allzeithoch. Wie das Internetportal Check24 mitteilte, zahlte ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden im Schnitt für diese Menge 2130 Euro. Das entspricht einem durchschnittlichen Preis von 42,6 Cent je Kilowattstunde.

          Wie geht es weiter?

          „Wir rechnen mit weiter steigenden Energiepreisen“, sagte Jan Hatzius, der Chefvolkswirt von Goldman Sachs, der F.A.Z.: „Da gibt es durchaus noch Aufwärtspotential.“ Das Rohstoffteam von Goldman um Jeff Currie prognostiziere einen Ölpreis für die Nordseesorte Brent von 105 Dollar zum Jahresende. „Das würde Energie weiter verteuern“, sagte Hatzius. Allerdings sei die Auswirkung auf die Inflationsrate ist nicht mehr ganz so signifikant, wenn der Ölpreis von knapp 90 auf 105 Dollar steige, als wenn er von um die Null auf 90 Dollar klettere, wie das in den letzten beiden Jahren der Fall gewesen sei.

          Bei einer Eskalation des Ukraine-Konflikts hält die DZ Bank auch Ölpreise von 120 Dollar je Barrel für möglich, schreiben Analysten der Bank in einer aktuellen Studie. „In unserem Hauptszenario werden die diplomatischen Verhandlungen erfolgreich sein, der Prozess wird sich aber länger hinziehen“, schreibt die Bank. Damit bleibe der Ölpreis vorerst hoch.

          Auch die Commerzbank sieht sich jetzt genötigt, ihre Ölpreisprognose hochzusetzen. „Für das laufende Quartal erwarten wir einen Brentölpreis von 90 statt 80 Dollar je Barrel“, schreiben die Analysten. „Grund ist die wegen des Russland-Ukraine-Konflikts kräftig gestiegene Risikoprämie, die sich nur langsam zurückbilden dürfte.“ Aus diesem Grund sehe die Bank auch im zweiten Quartal den Ölpreis noch deutlich erhöht bei 85 statt 75 Dollar. Die schrumpfenden freien Förderkapazitäten seien ein Grund, weshalb die Bank den Brentölpreis auch im 2. Halbjahr etwas höher sehe als zuvor, nämlich bei 80 statt 75 Dollar.

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