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Ölpreis nahe am Rekordhoch : Diesel kostet mehr als Benzin

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Ölfeld in den USA Bild: dpa

Der Ukraine-Krieg sorgt für weitere Turbulenzen an den Rohstoff- und Finanzmärkten. Öl kostet mit rund 140 Dollar so viel wie seit 2008 nicht mehr. Gas verteuert sich um rund ein Fünftel. Der Goldpreis übersteigt die Marke von 2000 Dollar.

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          Der Ukraine-Krieg sorgt für heftige Schwankungen bei Ölpreisen und Finanzmärkten weltweit. In der Nacht zum Montag stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent auf einen Höchststand von 139,13 Dollar (127,86 Euro), bevor er auf 128,77 Dollar zurückging. Dies entsprach immer noch einem Anstieg um mehr als neun Prozent. Der europäische Erdgas-Future stieg um 21 Prozent auf ein Rekordhoch von 248,50 Euro je Megawattstunde. Unterdessen stürzten die asiatischen Finanzmärkte ab, auch in Europa fielen die Aktienkurse zu Wochenbeginn deutlich. Der Goldpreis stieg auf mehr als 2000 Dollar.

          Die steigenden Ölnotierungen bleiben nicht ohne Folgen: Bundesweit kostete ein Liter Super E10 am Sonntag im Durchschnitt 1,965 Euro, wie der Automobilclub ADAC am Montag mitteilte. Diesel war durchschnittlich sogar noch zwei Cent teurer als Super und stieg auf 1,984 Euro.

          Seit 2008 waren die Ölpreise nicht mehr so hoch. Der historische Rekordpreis für ein Barrel Brent liegt bei 147,50 Dollar. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs Ende Februar hatte der Preis für Brent rund ein Drittel zugelegt.

          Russisches Öl findet im Westen immer weniger Abnehmer

          Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Fälligkeit im April kletterte am Sonntag auf 130,50 Dollar. Anschließend sank er wieder auf 125,15 Dollar, was immer noch einem Anstieg um mehr als acht Prozent entsprach.

          Russland ist der weltweit drittgrößte Ölproduzent. Bislang ist der russische Energiesektor aus Sorge vor dem wirtschaftlichen Schaden durch hohe Ölpreise für den Westen jedoch von internationalen Sanktionen ausgenommen. Dennoch findet russisches Öl im Westen immer weniger Abnehmer. Dies verstärkt den Aufwärtstrend bei den Ölpreisen zusätzlich, der von der wachsenden Nachfrage durch die Erholung der Weltwirtschaft von der Corona-Krise geprägt ist.

          Die Ukraine fordert den Westen seit geraumer Zeit zu einem Verzicht auf Rohstoffimporte aus Russland auf. Russisches Öl und Gas würden „nach ukrainischem Blut riechen“, sagte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba am Sonntag bei CNN.

          Am Sonntag bestätigten die USA, dass sie mit der EU über ein Verbot diskutieren. Es gebe „sehr aktive Diskussionen“ zu dem Thema, sagte US-Außenminister Antony Blinken am Sonntag dem US-Sender CNN.

          Lindner gegen Embargo

          Die Bundesregierung hat entsprechenden Forderungen jedoch abermals eine Absage erteilt. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sprach sich am Sonntag bei „Bild TV“ gegen ein Embargo gegen Rohstoffimporte aus Russland aus: „Verzichten wir auf Gas, Öl und Kohlelieferungen aus Russland, bedeutet das, dass die Preise in Westeuropa und in der Welt dramatisch steigen werden aufgrund der erwartbaren Knappheit“, sagte er.

          Außerdem bezweifelte Lindner die Wirksamkeit eines Embargos für den Krieg in der Ukraine: „Wenn ein Embargo bei Gas, Öl und Kohle etwas an der konkreten Situation heute in der Ukraine verändern würde, dann wäre ich für ein Embargo.“ Das sei aber nicht der Fall. Zuvor hatte sich bereits Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bei ZDF ähnlich geäußert.

          Angesichts des fortschreitenden russischen Angriffskriegs in der Ukraine wächst die Nervosität an den Märkten. Der japanische Leitindex Nikkei verlor am Montagvormittag (Ortszeit) mehr als drei Prozent. Der Hang Seng Index in Hongkong stürzte gar um über vier Prozent ab.

          Angesichts der Börsenverluste setzen die Investoren auf vermeintlich sichere Werte wie Gold. Der Goldpreis überstieg am Montag die Schwelle von 2000 Dollar und lag damit so hoch wie seit September 2020 nicht mehr.

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