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Klimaschutz : Unterstützen grüne Anlagen die Finanzstabilität?

Erneuerbare Energie: Windräder in Westfalen Bild: F.A.Z.

Wer den Klimaschutz fördert, soll nach dem Willen der EU-Kommission künftig von der Finanzaufsicht belohnt werden. Doch ist das überhaupt sinnvoll?

          2 Min.

          Die Finanzmarktregulierung soll nach Meinung der EU-Kommission einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass deutlich mehr Geld privater Investoren in den Kampf gegen den Klimawandel fließt. Das ergibt sich aus einer Mitteilung der Brüsseler Behörde, die der zuständige Vizepräsident Valdis Dombrovskis und Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness am Dienstag in Straßburg vorgelegt haben. Darin ist dargelegt, wie die Kommission die allgemeinen Kriterien ihrer „Taxonomie“ für grüne Finanzprodukte künftig in der Finanzaufsicht berücksichtigen will.

          Werner Mussler
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Nicht zuletzt ist daran gedacht, in die Risikobeurteilung von Finanzprodukten Klimaschutzkriterien aufzunehmen. Wer also in der Branche zum Kampf gegen den Klimawandel beiträgt, soll von der Finanzaufsicht belohnt werden, wer klimaschädlich agiert, soll bestraft werden. Generell sollen Nachhaltigkeitsrisiken in den Aufsichtsregeln für Banken, Versicherungen und Ratingagenturen verankert werden. Beispielsweise sieht die Kommission für nachhaltige Anlagen niedrigere Eigenkapitalanforderungen vor. Zudem will sie dafür sorgen, dass die EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA ihre Bankenstresstests auch an potentiellen Klimarisiken ausrichtet. Vorgesehen ist ferner ein einmaliger Stresstest für die ganze Finanzbranche, der sich auf das riesige EU-Gesetzgebungspaket für den Klimaschutz („Fit for 55“) bezieht. Die Kommission will das Paket in der nächsten Woche vorlegen.

          „Nachhaltige Investments sind nicht zwangsläufig risikoärmer“

          Am Dienstag präsentierten Dombrovskis und McGuinness außerdem ihre Vorschläge zu einem EU-Standard für grüne Anleihen. Auch er ist an die Prinzipien der Taxonomie angelehnt. In dem Katalog sind Kriterien definiert, die erfüllt sein müssen, damit ein Anleiheemittent sein Papier als „European Green Bond (EuGB)“ klassifizieren darf. Der Standard soll Unternehmens- und Staatsanleihen gleichermaßen betreffen. Allerdings soll er freiwillig bleiben. Das heißt, dass eine Anleihe auch dann als umweltfreundlich bezeichnet werden darf, wenn sie die EuGB-Kriterien nicht erfüllt.

          Sie sei dennoch zuversichtlich, dass sich der Standard als „Goldstandard“ für nachhaltige Anleihen etablieren werde, sagte McGuinness. Dombrovskis fügte hinzu, der Standard werde das wichtigste Ziel erfüllen, „Greenwashing“, also die Klassifizierung umwelt- und klimaschädlicher Anlagen als „grün“, zu verhindern. Helfen solle der EuGB-Standard außerdem, den Übergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaft zu fördern. Besonders Investitionen, die diesen Übergang über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren fördern, sollen entsprechend geschützt sein.

          Die Kommission will in den nächsten Jahren auch versuchen, über internationale Vereinbarungen möglichst globale Mindeststandards für Nachhaltigkeit zu etablieren. Dies sei von großer Bedeutung, um die Prinzipien der Nachhaltigkeit auch in globalen Portfolios durchzusetzen, hieß es beim deutschen Fondsverband BVI. Der Verband kritisierte aber, dass die Kommission das Risikomanagement von Banken und Versicherern an Klimaschutzüberlegungen ausrichten will. „Auch in nachhaltigen Positionen in Kredit- und Anlageportfolien können finanzielle Risiken stecken. Nachhaltige Positionen pauschal durch niedrigere Eigenkapitalanforderungen zu begünstigen, erzeugt möglicherweise Klumpenrisiken, die ein gutes Risikomanagement gerade vermeiden soll.“

          Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) begrüßte die Kommissionsvorschläge, forderte aber ebenfalls internationale Regeln. Ziel müsse eine „möglichst internationale Sustainable-Fi­nance-Strategie aus einem Guss“ sein, forderte der Bankenverband. „Der Klimawandel macht an den Grenzen nicht halt und international aufgestellte Unternehmen brauchen internationale Regeln.“

          Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold kritisierte, dass der Standard für grüne Anleihen freiwillig bleiben soll. „Wir brauchen verbindliche und verpflichtende Standards, um Greenwashing konsequent zu unterbinden“, sagte Giegold. Der CSU-Parlamentarier Markus Ferber sieht wie der BVI kritisch, dass die Kommission die Risikobewertung des Finanzsektors „auf Nachhaltigkeit umstellen“ wolle. „Nachhaltige Investments sind nicht zwangsläufig risikoärmer. Davon können zahlreiche Investoren in Wind- und Solarparks ein trauriges Liedchen singen“, sagte Ferber.

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