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F.A.Z. exklusiv : Nur Finanzinvestoren bieten für die Nord LB

Der Zentrale der Nord LB steht in Hannover. Bild: dpa

Was wird aus der Norddeutschen Landesbank? Nach Informationen der F.A.Z. haben vier private Geldhäuser Angebote gemacht – und eine große Hoffnung nicht.

          Der angeschlagenen Norddeutschen Landesbank in Hannover sind nur zwei potentielle Eigenkapitalgeber abhanden gekommen. Von zuletzt noch sechs Kaufinteressenten gaben nach Informationen der F.A.Z. vier am Mittwoch fristgerecht ein verbindliches Angebot für die notwendige Kapitalerhöhung ab. Am Montag werden die Eigner der Nord LB, allen voran das Land Niedersachsen (59 Prozent) und die niedersächsischen Sparkassen (26 Prozent), nun entscheiden, mit wem sie weiterverhandeln.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eines aber scheint schon jetzt sicher: Zum Eigentümerkreis wird bald ein angelsächsischer Finanzinvestor gehören. Das ist pikant, weil die Nord LB eine Anstalt öffentlichen Rechts ist und in Braunschweig eine Landessparkasse mit rotem „S“ betreibt.

          Daher ruhen die Hoffnungen der deutschen Sparkassen nach wie vor darauf, dass die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) mit der Nord LB fusioniert und die Braunschweigische Landessparkasse in ihren Reihen hält. Die Helaba aber hat Forderungen an die niedersächsischen Sparkassen etwa bezüglich einer gemeinsamen Risikopolitik gestellt, die diese bisher nicht bereit sind zu erfüllen. Deshalb hat die Helaba an diesem Mittwoch erwartungsgemäß kein Angebot für die Nord LB abgegeben. Auch die Commerzbank, die schon 2004 vergeblich versucht hatte, die Sparkasse in Stralsund zu erwerben, hat sich zurückgezogen. Zuvor hatte es in der Sparkassengruppe Angst vor einem „gelben S“ in Braunschweig gegeben.

          Ein Fünftel der Stellen fallen weg

          Was die vier verbliebenen Bieter Advent, Apollo, Cerberus sowie der Hedgefonds Christofferson, Robb & Company mit dem Sparkassengeschäft der Nord LB vorhaben, das ist offen. Womöglich komme man ja mit ihnen ins Gespräch und könne wenigstens noch Teile an die Sparkassengruppe binden, hoffen Sparkassenfunktionäre. Doch gerade das Privat- und Firmenkundengeschäft der Nord LB passt zu den als wegen ihrer Finanzkraft als favorisiert geltenden  Finanzinvestoren Apollo und Cerberus.

          Apollo hat seit 2014 drei norddeutsche Regionalbanken aufgekauft und zusammen geführt: die Bremer Kreditbank, das ebenfalls in Bremen ansässige Bankhaus Neelmeyer und zuletzt die Oldenburgische Landesbank. Noch aktiver war der zweite Bieter in Deutschland: Cerberus hat die Südwestbank und die Bausparkasse Deutscher Ring gekauft, beteiligte sich aber vor allem auch an der Commerzbank und der Deutschen Bank. Jetzt hat Cerberus mit Verbündeten am Mittwoch den Kauf der HSH Nordbank klargemacht.

          Nach den am Mittwoch bekannt gegeben Geschäftszahlen zum 30. September hatte die Nord LB noch Schiffsfinanzierungen im Volumen von 10,8 Milliarden Euro ausstehen, davon sind 7,3 Milliarden Euro „notleidend“. Das heißt: Der Kreditnehmer kann Zins oder Tilgung nicht leisten. „Es wird im Schlussquartal noch einmal zu einer erhöhten Risikovorsorge für das Schiffsportfolio kommen“, teilte die Nord LB denn auch am Mittwoch mit. Da zudem Abfindungen für einen Personalabbau – die Bank muss bis Ende 2020 rund 1250 von 6000 Stellen streichen – nötig werden, wird erwartet, dass der ohnehin kleine Gewinn nach neun Monaten in Höhe von 73 Millionen Euro bis Jahresende noch in einen Verlust umschlägt. Dann würde wohl auch die Kernkapitalquote, die zwischen Anfang Januar und Ende September von 12,4 auf 11,8 Prozent sank, weiter zurück gehen.

          Im jüngsten Stresstest der Bankenaufsicht war die Kernkapitalquote der Nord LB in einem Krisenszenario auf 7,1 Prozent geschrumpft, der schlechteste Wert aller deutschen Großbanken. Um ihre Widerstandskraft zu erhöhen, pocht die Bankenaufsicht daher auf die  Kapitalzufuhr um nach Informationen der F.A.Z. bis zum Ende dieses Geschäftsjahres mindestens 3,5 Milliarden Euro. 

          Das Land Niedersachsen ist bereit, 2,5 Milliarden Euro an Steuergeldern aufzubringen. Dann verlangt aber die EU-Kommission, dass der Rest ein externer Investor beisteuert.  Stand jetzt wird das Cerberus oder Apollo sein. Ob die grundsätzlich weiter gesprächsbereite Helaba noch einmal ins Spiel kommt, ist offen.

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