https://www.faz.net/aktuell/finanzen/nubank-legt-fulminantes-boersendebut-hin-17675551.html

Neobank : Nubank legt fulminantes Börsendebut hin

  • Aktualisiert am

David Vélez, Gründer der amerikanischen Nubank. Bild: AP

Die Neobank wird nun mit 41 Milliarden Dollar bewertet. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Brasilianer, die es erst seit 8 Jahren gibt?

          3 Min.

          Die Wall Street in New York ist einiges an Rummel gewöhnt. Dort, wo die Börsengänge stattfinden, sind schillernde Auftritte eher gang und gäbe als die Ausnahme. Doch die brasilianische Nubank ist ein sehr schillerndes Beispiel und hat sehr kräftig die Werbetrommel gerührt: Im Sommer verpflichtete sie die brasilianische Sängerin Anitta. Sie gehört zu den beliebtesten Künstlerinnen des Landes und hat fast 58 Millionen Follower auf Instagram. Doch ist Anitta nicht nur Werbetestimonial, sondern sitzt auch im Kontrollrat der Nubank. Rund die Hälfte der Kunden bekommt außerdem eine Aktie geschenkt – immerhin 26 Millionen Stück.

          Die Fakten für den Börsengang – einen der größten des Jahres – sind schon beeindruckend genug: Bei einem Ausgabepreis von 9 Dollar spült der Börsengang 2,6 Milliarden Dollar in die Kassen der Nubank. Damit wird sie nun mit 41 Milliarden Dollar bewertet. Die Hälfte der 289 Millionen Aktien gehen dabei an Ankerinvestoren: Die japanische Softbank vorne weg, aber auch die bekannten Sequoia Capital und Tiger Global sind dabei. Nach Informationen der auf Finanznachrichten spezialisierten Agentur Bloomberg hat sich Warren Buffets Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway 10 Prozent der platzierten Anteile gesichert. Schon vorher investierte Buffet 500 Millionen Dollar.

          Doch woher kommt diese gewaltige Nachfrage? Die Nubank kann man ohne Zweifel als die ehrgeizigste Neobank der Welt bezeichnen. Neobanken, das sind die neuen Geldinstitute, die keine Filialen haben und nur auf dem Smartphone präsent sind. Sie bieten ein Konto an, und oftmals einen ganzen Strauß von Möglichkeiten rund um das Konto mit dazu: Das können Sparprodukte sein, der Handel an den Finanzmärkten oder Depots für diverse Kryptowährungen. Sie sprechen eher junge Menschen an, und vor allem smartphoneaffine. Dazu sind sie besonders dort erfolgreich, wo viele Menschen zuerst ein Smartphone hatten als ein Bankkonto – etwa in Schwellenländern oder Entwicklungsländern.

          In fünf Jahren zur Milliardenbewertung

          Und hier hat die Nubank auch ihren Ursprung, in Südamerika, genauer gesagt in Brasilien. Im Jahr 2013 taten sich der Kolumbianer David Vélez, die Brasilianerin Cristina Junqueira und der Amerikaner Edward Wible zusammen, um Nubank zu gründen. Die Idee selbst hatte Vélez, als er Probleme hatte, ein Bankkonto bei einer traditionellen Bank zu eröffnen. Ein Jahr später gab es die erste Transaktion, im Jahr 2018 war die Nubank mit einer Milliarde Dollar bewertet. Das Wachstum hat sich seitdem nochmals beschleunigt.

          Die Zahlen sind durchweg beeindruckend, auch und gerade wenn man sie etwa mit der deutschen Konkurrenz der Smartphone-Bank N26 vergleicht und anderen brasilianischen Finanzinstituten. Täglich eröffnen 40 000 Menschen ein Konto bei der Nubank. Zum Vergleich: N26 darf in Europa maximal 50 000 Neukunden aufnehmen – im Monat. Die Nubank kommt laut Börsenprospekt mit 6 Dollar Werbekosten je neuem Kunde aus. N26 hatte hier im letzten zugänglichen Geschäftsbericht mit etwa 22 Euro je Kunde gerechnet. Und brasilianische Banken sprechen von 117 Dollar je Kunde. Die Erträge liegen dafür bei der Nubank bei 16 Dollar im Jahr, N26 macht 60 Euro Umsatz im Jahr je Kunde und die althergebrachte Finanzindustrie 300 Dollar Ertrag.

          Kundenwachstum überzeugt

          Was die Investoren besonders überzeugt ist aber das Kundenwachstum. Die Nubank hat 48 Millionen Kunden (N26: 7 Millionen). In Brasilien haben viele Menschen – besonders ärmere – ein neues Konto eröffnet, um die staatliche Sozialhilfe zu erhalten. Die Kontobewegungen haben sich dabei im ersten Halbjahr 2021 mehr als verdoppelt gegenüber dem Vorjahr. Auch die Einnahmen verdoppelten sich auf 1,06 Milliarden Dollar in den Monaten Januar bis September. Verluste wurden auch geschrieben, und zwar 99 Millionen Dollar – vor allem wegen hoher Investitionen.

          Und die Nubank möchte das mit dem Börsengang eingesammelte Geld dann auch für Investitionen in eine weitere Expansion nutzen. In ganz Lateinamerika gibt es rund 200 Millionen Menschen, die kein Konto besitzen – hier sehen die Brasilianer ein großes Wachstumspotenzial. In Mexiko und Kolumbien ist sie schon seit zwei Jahren aktiv, kommt aber noch nicht so recht vom Fleck.

          Die Konkurrenz schläft jedenfalls nicht. In Amerika hat Chime eine ähnliche Wachstumsgeschichte und möchte im nächsten Jahr an die Börse gehen. Dabei plant sie eine Bewertung von bis zu 45 Milliarden Dollar.

          Weitere Themen

          Das Börsenrätsel Auto1

          Kursdesaster : Das Börsenrätsel Auto1

          Kein Unternehmen ist in den vergangenen Jahren an der Frankfurter Börse so euphorisch begrüßt worden wie Auto1, und keins wurde danach so derb abgestraft. Dabei wurden alle Erwartungen erfüllt.

          Topmeldungen