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Notleidende Forderungen : Kreditportal Debitos profitiert von Krisen

  • -Aktualisiert am

Die Insolvenz der Windenergiefirma Prokon war einer der ersten Fälle für Debitos Bild: dpa

Gläubiger können vom Ausfall bedrohte Forderungen über die digitale Plattform an Investoren versteigern. Konjunktureinbrüche und Strukturwandel etwa in der Autoindustrie dürften das Geschäft beleben.

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          Das Geschäft der Kredithandelsplattform Debitos wächst. Im vergangenen Jahr verkauften Gläubiger über das im Jahr 2010 gegründete Unternehmen notleidende Forderungen im Nennwert von 632 Millionen Euro an Investoren. Das Volumen der seit der Gründung insgesamt verkauften Forderungen stieg damit um fast 15 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr wurden 26 Verkäufe abgeschlossen. Bei 16 davon handelte es sich um notleidende Kredite, der Rest entfiel auf Forderungen gegen insolvente Unternehmen.

          Mark Fehr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Debitos dient als Marktplatz für problematische Forderungen, deren Rückzahlung gestört oder zweifelhaft ist. Gehandelt werden aber auch gesunde Kredite, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören. Banken oder andere Gläubiger verkaufen problematische oder ausfallgefährdete Forderungen lieber mit einem Abschlag an Spezialisten, statt sich weiter damit herumzuplagen. Käufer sind typischerweise Hedgefonds, Debt-Fonds oder auf Problemkredite spezialisierte Abteilungen von Investmentbanken.

          Umbrüche in Auto- und Textilindustrie

          Aktuell sind rund 800 Investoren bei Debitos registriert. Traditionell handelten Finanzinstitute und Investoren Forderungen über ihre persönlichen Netzwerke oder nutzen die Kontakte ihrer Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Debitos dagegen stellt notleidende Forderungen online in einen gesicherten Bereich im Internet und organisiert den Datentransfer sowie die Versteigerung. Dadurch steigt die Transparenz für die Marktteilnehmer. Debitos ist damit eines der zahlreichen Unternehmen aus der Fintech-Szene, die digitale Technik und Kommunikation für ihre Geschäftsmodelle einsetzen. Debitos verdient erst, wenn eine Forderung erfolgreich verkauft wurde.

          „Bisher stammen viele der über Debitos gehandelten notleidenden Forderungen aus Italien, Spanien und Osteuropa“, sagt Gründer und Chef Timur Peters. „Aktuell kommen aber auch viele Titel aus im Umbruch befindlichen deutschen Branchen, wie Automotive oder Textilindustrie“, sagt Peters. In den vergangenen sechs Monaten seien auch notleidende Schuldscheine hinzugekommen. „Der Handel auf dem Zweitmarkt steigt merklich an“, beobachtet Peters. Für die Gläubiger sei dies auch deshalb problematisch, weil Schuldscheine meist zu historischen Werten in der Bilanz stünden und noch nicht wertberichtigt seien.

          Die Geschäftsidee für Debitos stammt aus Peters’ ersten Tagen als Unternehmer. Noch zu Studienzeiten hatte er einen Dienstleistungsbetrieb für Online-Werbung gegründet. Als einer seiner Geschäftspartner nicht zahlen wollte, musste Peters das Geld einklagen. Doch der gerichtliche Titel nützte wenig, da der Schuldner insolvent war. Peters wollte den Schuldtitel daher kurzerhand über Ebay zum Verkauf einstellen, was von dem Marktplatzbetreiber aber abgelehnt wurde. Die Marktlücke war entdeckt.

          Spektakuläre Pleiten

          Angefangen hat Debitos mit dem Handel von Forderungen gegen insolvente Unternehmen. Es folgten schnell bekannte Namen wie Teldafax, Prokon, Kirch Media oder Imtech. Im Fall des Stromtarifanbieters Teldafax handelte es sich vor allem um Forderungen von Stadtwerken, die den verkauften Strom produziert und an Teldafax geliefert hatten.

          Mittlerweile ist Debitos in 16 europäischen Ländern tätig. Von den 26 im Vorjahr über Debitos verkauften Forderungen stammten 18 aus Deutschland. Zuletzt standen auch notleidende Forderungen aus Infrastruktur- und Immobilienprojekten oder gegen Krankenversicherungen bei Debitos zum Verkauf, aber auch Pakete von Konsumentenkrediten etwa aus dem Bereich Autoleasing.

          Auftrieb erhalten dürfte das Geschäft durch die Bemühungen europäischer Banken, ihre notleidenden Forderungen und Bilanzvolumen abzubauen. Im Zuge des Bilanzabbaus trennen sich Banken immer öfter von gesunden Kreditpaketen, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören. Auch die wegen des Handelsstreits und internationalen Krisen nachlassende Konjunktur sowie industrielle Umbrüche etwa in der Autoindustrie dürften dem Geschäft mit notleidenden Forderungen eher nützen als schaden.

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