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Geldpolitische Unterstützung : Notenbanker drücken Zinsen

Frankreichs Notenbankgouverneur François Villeroy de Galhau Bild: Reuters

Die Konjunktur erholt sich, damit steigt die Angst vor Preissteigerungen. Die Zentralbanken versuchen gegenzusteuern und verweisen auf vorübergehende Effekte.

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          Zumindest vorübergehend ist es führenden Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) gelungen, die Inflationssorgen an den Märkten zu dämpfen und damit die Zinsen am Anleihemarkt zu drücken. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ging am Mittwoch auf minus 0,2 Prozent zurück, nachdem sie vor dem Pfingstwochenende noch um die Marke von minus 0,1 Prozent gependelt hatte. Auch der Markt für amerikanische Staatsanleihen signalisierte eine Entspannung. Hier lag die Rendite der zehnjährigen Treasury bei 1,56 Prozent, fast 0,12 Prozentpunkte weniger als noch vor einer Woche. Auch die Renditen von Euroländern wie Italien, Frankreich oder Spanien sanken.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einen wichtigen Schub für den Zinsrückgang gab der französische Notenbankgouverneur François Villeroy de Galhau, der dem geldpolitischen Rat der EZB angehört. Er wies am Dienstagnachmittag Gerüchte über eine mögliche Drosselung der Anleihekäufe zurück und sprang damit der EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei, die am vergangenen Freitag trotz der konjunkturellen Erholung weitere geldpolitische Unterstützung signalisiert hatte. Vor allem die hoch verschuldeten südeuropäischen Euroländer wie zum Beispiel Italien sind daran interessiert, dass die monatlichen Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen sowie Covered Bonds im Volumen von 80 Milliarden Euro fortgesetzt werden.

          Noch keine Drosselung der Anleihekäufe

          Das Kaufvolumen will Lagarde bis März 2022 aufrechterhalten. Anfang April hatte der niederländische Notenbankgouverneur Klaas Knot angedeutet, dass die EZB im Zuge der konjunkturellen Erholung ab dem dritten Quartal ihre Anleihekäufe langsam zurückfahren könnte. Villeroy betonte nun, dass die EZB weit über die Sitzung am 10. Juni Zeit habe, darüber zu entscheiden.

          Am Mittwoch trat auch EZB-Direktor Fabio Panetta der Forderung nach einer geldpolitischen Straffung entgegen. Es bestehe keine Eile, die Anleihekäufe zu drosseln. Die Auswirkungen der Pandemie auf die Inflation müssten beseitigt werden, auch müsse die Inflation erst wieder nachhaltig steigen. Eine verfrühte Rücknahme der geldpolitischen Unterstützung berge das Risiko, dass die wirtschaftliche Erholung abgewürgt werde, warnte Panetta.

          Auch Vertreter der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) versuchten die Inflationssorgen zu dämpfen. Fed-Vizepräsident Richard Clarida hält den Inflationsdruck für vorübergehend. Gleichzeitig sieht er aufgrund der wirtschaftlichen Erholung den Zeitpunkt näher rücken, um die Diskussion über eine Drosselung der Anleihekäufe zu beginnen. Das könnte seiner Ansicht nach in einer der Sitzungen in den kommenden Monaten der Fall sein. Die Chefin der San Francisco Fed, Mary Daly, machte deutlich, dass der Beginn der Diskussion nicht gleichzusetzen sei mit der geldpolitischen Wende.

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