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Notenbanken : Geldpolitik in schwierigem Fahrwasser

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Am Donnerstag entscheidet die EZB abermals über die Höhe des Leitzinses. Die Märkte erwarten keine Änderung. Doch über den weiteren Kurs besteht Unsicherheit.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihren Leitzins nach einhelliger Einschätzung der EZB-Beobachter am kommenden Donnerstag bei 4 Prozent belassen. Was die Leitzinsentwicklung im weiteren Jahresverlauf anbelangt, gehen die Meinungen allerdings ungewöhnlich deutlich auseinander. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter 71 Ökonomen sagen 36 voraus, dass der EZB-Zins das ganze Jahr über bei 4 Prozent bleiben werde. 27 Experten rechnen im Jahresverlauf mit einem oder zwei Zinsschritten nach unten, acht mit einem oder zwei Schritten nach oben.

          Inflationsgefahr besteht weiterhin

          EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bekräftigte nach einer turnusmäßigen Sitzung der zehn wichtigsten Zentralbanken der Welt (G 10) in Basel, dass es global erhöhte Inflationsrisiken gebe. Es existiere die Gefahr von „Zweitrundeneffekten“, sagte Trichet, der der Vorsitzende des G-10-Ausschusses ist. Damit ist gemeint, dass die Tarifparteien die vergangenen Preissteigerungen zum Anlass nehmen könnten, Löhne und Preise zu erhöhen - und so eine inflationäre Preis-Lohn-Spirale in Gang setzen könnten. Laut Trichet wird die Weltwirtschaft auch in diesem Jahr robust wachsen, doch gebe es Abwärtsrisiken für dieses Szenario. Derzeit sei noch unklar, welche Folgen die Finanzmarktturbulenzen für die reale Wirtschaft hätten.

          An der Sitzung des EZB-Rats am kommenden Donnerstag in Frankfurt werden erstmals auch die Vertreter Zyperns und Maltas teilnehmen. Die beiden Länder sind zu Jahresbeginn dem Euro-Raum beigetreten. Dem Rat werden dann 21 Mitglieder angehören, nämlich die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums und die 15 Notenbankgouverneure der Euro-Länder. Alle haben eine Stimme. Der zyprische Notenbankchef Athanasios Orphanides genießt international einen Ruf als hervorragender Geldpolitiker und Wissenschaftler. Er gilt eher als ein geldpolitischer Falke, also als Befürworter einer Geldpolitik, die streng auf Preisstabilität ausgerichtet ist. Sein maltesischer Ratskollege Michael Bonello wird keinem Lager zugeordnet - jedenfalls bislang.

          „Gleichgewichts des Schreckens“

          Für Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, steht die Geldpolitik derzeit im Bann eines „Gleichgewichts des Schreckens“: Auf der einen Seite verhindert demnach das Risiko einer dauerhaft hohen Inflation eine Senkung des Leitzinses, auf der anderen Seite verhindert das Risiko einer Wachstumsschwäche eine Anhebung des Leitzinses. Kater erwartet deshalb, dass der EZB-Rat den Leitzins bis Jahresende bei 4 Prozent belassen wird. Wenn der Rat den Zins aber ändern sollte, dann werde dies eine Senkung sein, sagt Kater. Denn der durch die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt ausgelöste Abschwung habe gerade erst begonnen - und könnte noch an Kraft gewinnen. Eine konjunkturelle Flaute aber mindere den Preisauftrieb und schaffe damit die Voraussetzung für eine geldpolitische Lockerung.

          Zinsanstieg am Geldmarkt ersetzt Leitzinsanhebung

          Auch für Aurelio Maccario, den Co-Chefökonomen bei Unicredit, ist die wahrscheinlichste Entwicklung, dass der EZB-Zins das Jahr über dort bleibt, wo er ist. Dies auch deshalb, weil der krisenbedingte Anstieg der längerfristigen Zinsen am Euro-Geldmarkt ähnlich wie eine Anhebung des Leitzinses wirke. Maccario spielt darauf an, dass zum Beispiel der Dreimonats-Euribor-Zins, der für viele Unternehmen und Haushalte ein wichtiger Sollzins ist, seit Ausbruch der Krise im Sommer deutlich höher über dem Leitzins liegt als üblich. Am Montag betrug dieser Zins 4,62 Prozent, zu normalen Zeiten hätte er bei einem Leitzins von 4 Prozent vermutlich zwischen 4,1 und 4,2 Prozent gelegen.

          Sollte sich die Lage am Geldmarkt im Laufe des Frühjahrs entspannen und der Dreimonats-Euribor-Zins wieder auf seine normale Höhe zurückgehen, würde dies den EZB-Rat vor eine neue Situation stellen, meint Maccario. Mit Blick auf die Inflation könnte dann die Neigung zunehmen, den Leitzins anzuheben. In den vergangenen Monaten hatte die Inflation im Euro-Raum jeweils 3,1 Prozent betragen. Die EZB erwartet, dass diese Rate in den kommenden Monaten zurückgeht. Sollte dies nicht eintreten, würde dies den Druck in Richtung auf eine Zinsanhebung sicherlich erhöhen.

          Erwartete Inflation höher als wünschenswert

          Viel Aufmerksamkeit schenkt der EZB-Rat auch der Entwicklung der Inflationserwartungen. Ein von ihr bevorzugter Indikator dafür ist die Inflationserwartung, die sich aus den Marktkursen für einen Inflations-Swap mit Startpunkt in fünf Jahren und dann fünfjähriger Laufzeit ergibt. Demnach erwarten die Märkte, dass die Inflationsrate langfristig im Mittel rund 2,4 Prozent betragen wird (siehe Grafik). Aus Sicht des EZB-Rats dürfte dies höher sein als wünschenswert - was ebenfalls für eine bis auf weiteres eher straffe Geldpolitik sprechen dürfte.

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