https://www.faz.net/-gv6-u8kz

Notenbanken : Die Zeichen stehen auf weiter steigende Leitzinsen

  • -Aktualisiert am

Im Euro-Raum steht eine weitere Straffung der Geldpolitik an Bild: ddp

Gute Konjunkturdaten in Japan regen die Zinsphantasie an. Doch auch andere Notenbanken werden wahrscheinlich ihre Leitzinsen im laufenden Jahr weiter erhöhen. Denn die Wirtschaft wachse in den meisten Ländern stärker als erwartet.

          3 Min.

          Rund um den Globus stehen die Zeichen auf weiter steigende Leitzinsen. Nach unerwartet guten japanischen Konjunkturdaten wird an den Finanzmärkten nun weithin erwartet, dass die Bank of Japan am kommenden Mittwoch ihren Leitzins von 0,25 auf 0,5 Prozent heraufsetzt. Auch im Euro-Raum, in Großbritannien, der Schweiz und einigen anderen Ländern dürften die Notenbanken in nächster Zeit an der Zinsschraube drehen. Und was den Dollar-Leitzins anbelangt, hat Ben Bernanke, der Chef der amerikanischen Notenbank Fed, den Spekulationen auf eine baldige Senkung am Mittwoch den Garaus gemacht; inzwischen gilt vielmehr als durchaus möglich, dass der Dollar-Leitzins noch einmal angehoben wird.

          „Viele Notenbanken werden ihre Leitzinsen im laufenden Jahr weiter erhöhen“, sagt Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. Denn erstens wachse die Wirtschaft in den meisten Ländern stärker als erwartet. Damit aber wachse das Risiko, dass es zu kräftigen Lohnzuschlägen komme, die den Preisauftrieb anheizten. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, sieht das ähnlich. Nach seinen Berechnungen sind die Kapazitäten der Weltwirtschaft inzwischen voll ausgelastet. Damit nehme das Inflationsrisiko zu - was viele Notenbanken veranlassen dürfte, die Kredite zu verteuern und damit die Konjunktur etwas zu dämpfen.

          „Zentralbanken müssen Liquidität trockenlegen“

          Für weiter steigende Leitzinsen spricht zudem, dass es derzeit nach Einschätzung vieler Fachleute Liquidität im Überfluss gibt. Damit gebe es von dieser Seite kein Hemmnis, eine inflationäre Lohn-Preis-Spirale zu finanzieren, erläutert Krämer. Daneben wird befürchtet, dass die reichliche und billige Liquidität spekulativen Übertreibungen an den Finanzmärkten Vorschub leistet.

          „Die Zentralbanken müssen deshalb Liquidität trockenlegen“, sagt Kater. Derzeit die größte Quelle billiger Liquidität ist die japanische Notenbank mit ihrem Leitzins von 0,25 Prozent. Hintergrund des extrem niedrigen Zinses ist die Befürchtung, dass die Wirtschaft in eine deflationäre Abwärtsspirale abgleiten könnte. Doch ist die japanische Wirtschaft nach Regierungsangaben von Donnerstag im vierten Quartal mit einer Jahresrate von 4,8 Prozent gewachsen - und damit um einen vollen Prozentpunkt stärker als von der Fachwelt erwartet.

          Die japanische Zentralbank dürfte dies zum Anlass nehmen, ihre Liquidität in der kommenden Woche etwas teurer zu machen, meint Kater. Abgesehen davon dürfte sie dies tun, um der Kritik europäischer Politiker an der Schwäche des Yen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Kater erwartet, dass der japanische Leitzins im Laufe des Jahres bis auf 1,0 Prozent steigt.

          Risikofaktor preistreibende Lohnzuschläge

          Auch im Euro-Raum steht eine weitere Straffung der Geldpolitik an. Nach entsprechenden Signalen von Jean-Claude Trichet, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), gilt als so gut wie sicher, dass der EZB-Rat die Euro- Liquidität am 8. März von derzeit 3,50 auf 3,75 Prozent verteuern wird. Eine weitere Zinsanhebung im Juni auf 4 Prozent gilt als gut möglich, wenn sich der Ausblick für Preisstabilität auf mittlere Sicht bis dahin eintrüben sollte. Selbst ein weiterer Zinsschritt auf 4,25 Prozent sei angesichts des zuletzt überraschend kräftigen Wirtschaftswachstums nicht ausgeschlossen, meint Kater. Als Risikofaktor gilt vor allem, dass bei den anstehenden Tarifabschlüssen preistreibende Lohnzuschläge vereinbart werden.

          In Großbritannien ist der Preisauftrieb mit zuletzt 3 Prozent bereits deutlich stärker gestiegen als mit dem Ziel der Notenbank vereinbar. Die Bank of England dürfte deshalb ihren Leitzins demnächst weiter anheben, von 5,25 auf 5,5 Prozent, erwartet Krämer. Allerdings werde der Preisauftrieb im weiteren Jahresverlauf deutlich abflauen, sagt die Commerzbank voraus - und der Pfund-Leitzins deshalb dann auch wieder sinken. In Schweden hat die Notenbank ihren Leitzins am Donnerstag wegen des starken Konjunkturaufschwungs von 3 auf 3,25 Prozent erhöht. Ein weiterer Zinsschritt sei in den nächsten sechs Monaten wahrscheinlich, teilte die Reichsbank mit.

          Kräftige Abkühlung unwahrscheinlich

          Auch in Amerika läuft die Konjunktur besser, als noch vor einigen Wochen erwartet. Nach den jüngsten Daten scheint eine kräftige Abkühlung jedenfalls unwahrscheinlich; an dieser befürchteten Abkühlung hatten sich Spekulationen festgemacht, dass die Fed ihren Leitzins von derzeit 5,25 Prozent in diesem Jahr um 50 Basispunkte und mehr zurücknehmen werde. Diese Spekulationen sind inzwischen größtenteils verflogen. Weithin gilt nun als das wahrscheinlichste Szenario, dass die Fed den Dollar-Leitzins auf absehbare Zeit unverändert belässt.

          Fed-Chef Bernanke habe am Dienstag die Erwartung geäußert, dass sich das Wirtschaftswachstum und damit auch die Inflation im laufenden Jahr moderat abschwächen werde, erläutert Krämer. Damit gebe es keinen Bedarf, die Wirtschaft durch niedrigere Leitzinsen zu stimulieren. Sollte sich aber unerwartet Inflationsdruck aufbauen, könnte die Fed den Dollar-Leitzins weiter anheben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mietwohnungen sollen in Zukunft erschwinglicher werden.

          Entwicklung in den Städten : Neue Hoffnung für Mieter

          Es zeichnet sich ein Wandel ab: Der Zuzug in die Städte lässt nach. Die Mieten steigen kaum noch und die Löhne wachsen. Wer hätte das gedacht! Trotzdem profitieren längst nicht alle davon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.