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DSGV berät : Stellenabbau in Nord LB steht bevor

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Der Nord LB ging es schon mal besser. Bild: dpa

Am Donnerstag beraten die Sparkassen über eine Beteiligungslösung an der angeschlagenen Nord LB. Diese wird wohl von der Aufsicht einem Verkauf vorgezogen. Eine umfangreiche Schrumpfung der Bank kommt in jedem Fall.

          Es kommt, wie es kommen muss, nur womöglich härter: Die Norddeutsche Landesbank (Nord LB) steht offenbar vor einem Stellenabbau, der das bisher geplante Ausmaß übersteigen könnte. Hintergrund sind die kurz vor Abschluss stehenden Verhandlungen über eine Kapitalstärkung, in denen aktuell noch verschiedene Modelle der Sparkassen-Finanzgruppe und zweier Finanzinvestoren geprüft werden.

          Alle Vorschläge sähen vor, dass das Institut verkleinert werde, sagte der niedersächsische Finanzminister und Vorsitzende des Aufsichtsrats, Reinhold Hilbers (CDU), am Mittwoch in Hannover. „Insofern werden wir auch Arbeitsplätze dort verlieren.“ Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtete, dass nach den Plänen der Finanzinvestoren Cerberus und Centerbridge von zuletzt noch 5900 Stellen mittelfristig etwa 3500 übrig bleiben könnten, davon 1500 in Konzernteilen, welche die Fonds aus der Bank herauslösen und an die Sparkassengruppe abgeben wollen.

          Auch Sparkassen wollen Schrumpfung

          Der Abbau übersteige damit das aktuell noch laufende Sparprogramm aus dem Jahr 2017, in dem die Nord LB festgelegt hatte, von den damals 6000 Arbeitsplätzen 1250 zu streichen. Noch ist nicht klar, ob die Finanzinvestoren zum Zug kommen werden, aber auch die Pläne der Sparkassen sehen deutliche Einschnitte vor. Diesen Donnerstag will der DSGV auf einer zu diesem Zweck einberufenen Mitgliederversammlung über seine Beteiligungslösung beraten.

          Die beiden an der Norddeutschen Landesbank interessierten amerikanischen Finanzinvestoren hatten am Samstag überraschend ein gemeinsames Angebot vorgelegt. Die privaten Investoren sind nur bereit, in eine von Risiken „reine“ Nord LB zu investieren. Nach drei bis fünf Jahren wollen sie eine kräftig geschrumpfte, bisher öffentlich-rechtliche Nord LB an die Börse führen und ihre Minderheitsanteile wieder verkaufen.

          Die Bankenaufsicht hat dem Vernehmen nach mehr Sympathien dafür, dass die Nord LB allein mit öffentlichem Geld der Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie der Sparkassen gestützt wird. Deshalb haben die seit Monaten getrennt verhandelnden Finanzinvestoren die Kräfte gebündelt. Sie hoffen, damit ein konkurrenzfähigeres Angebot im Wettbewerb mit den Sparkassen vorzulegen. Cerberus ist unter anderem schon Aktionär der HSH Nordbank, der Deutschen Bank und der Commerzbank sowie der österreichischen Bawag-Bank.

          Schiffskredite mit HSH Nordbank bündeln

          Nach Informationen der F.A.Z. bieten Cerberus und Centerbridge an, jeweils knapp ein Viertel des Kapitalbedarfs der Nord LB aufzubringen. Dies wären nach bisherigem Kenntnisstand jeweils mehr als eine halbe Milliarde Euro. Die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt müssten dann weitere zwei Milliarden Euro zuführen, um die Nord LB aus ihrer Kapitalnot zu befreien. Für ihre Einzahlung fordern beide Finanzinvestoren jeweils einen Anteil von 24,9 Prozent. Niedersachsen hielte dann nach ihren Vorstellungen 50,2 Prozent. Offenbar unterstellen die beiden Finanzinvestoren in ihrem Angebot, dass die Nord LB derzeit so gut wie nichts wert ist.

          Vor einem Einstieg als Minderheitsaktionär will Cerberus hochgradig ausfallgefährdete Schiffskredite der Nord LB kaufen, um sie mit denen der HSH Nordbank zusammen abzuwickeln. Der von Cerberus gebotene Kaufpreis für die Kreditpakete liegt allerdings offenbar gut zwei Milliarden Euro unter dem, was die Nord LB bisher an Wert bilanziert. Dadurch entsteht vor allem ihre Eigenkapitallücke von dem Vernehmen nach gut 3,5 Milliarden Euro.

          Als Bedingung für einen gemeinsamen Einstieg als Minderheitsaktionär verlangen Cerberus und Centerbridge, dass die bisherigen Eigner der Nord LB – das Land Niedersachsen (59 Prozent), norddeutsche Sparkassen (35 Prozent) und das Land Sachsen-Anhalt (6 Prozent) – weitere Risiken übernehmen. Im Einzelnen fordern die beiden Investoren, dass Niedersachsen für Pensionsverpflichtungen der noch fast 6000 Mitarbeiter beschäftigenden Nord LB einsteht. Diese Verpflichtungen sollen sich auf rund 1,5 Milliarden Euro belaufen. Darüber hinaus verlangen beide Investoren, dass die Träger „temporär“ für Ausfallrisiken von Anleihen haften.

          Im Gegenzug kommen die Investoren Befindlichkeiten der Sparkassengruppe entgegen. Deren Funktionären missfällt, wenn private Investoren an mit „rotem S“ betriebenem Geschäft teilhaben. Deshalb bieten Cerberus und Centerbridge an, dass die Sparkassengruppe die Beteiligungen der Nord LB an der Fondsgesellschaft Deka, der Landesbausparkasse und der Versicherungsgruppe Hannover (VGH) zum Bilanzbuchwert kaufen kann. Darüber hinaus legen die Investoren wenig Wert auf das Geschäft der Nord LB mit den Sparkassen („Verbundgeschäft“) und die Tochtergesellschaft Braunschweigische Landessparkasse. Damit könnten rund 30 Milliarden Euro Bilanzvolumen und etwa 1000 Mitarbeiter in der Sparkassengruppe bleiben.

          Eine Verkleinerung der mit 155 Milliarden Euro Bilanzsumme derzeit achtgrößten deutschen Bank scheint auch deshalb nötig, um die Nord LB ohne die norddeutschen Sparkassen finanzieren zu können. Bisher legen viele Sparkassen ihren Liquiditätsüberschuss in der Nord LB an. Vor allem Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt haben mehr Einlagen ihrer Privatkunden, als sie an Krediten vergeben können. Ohne diese Liquidität bleibt der Nord LB wohl nur eine deutliche Schrumpfung. Beide Investoren haben zumindest als Ziel eine sanierte Nord LB mit einer Bilanzsumme von nur noch 70 bis 80 Milliarden Euro vor Augen.

          Die Sparkassengruppe arbeitet unterdessen an einer eigenen Stützungslösung, um die Nord LB als öffentlich-rechtliche Anstalt zu erhalten. Gegenüber der Bankenaufsicht haben Sparkassenvertreter am vergangenen Dienstag nach Informationen der F.AZ. rund eine Milliarde Euro zugesagt. Das Geld soll etwa zu gleichen Teilen von norddeutschen Sparkassen und den beiden bundesweiten Stützungsfonds der Sparkassen und der Landesbanken kommen. Noch aber liegt keine verbindliche Zusage vor. Zudem wird auch diskutiert, die Teilprivatisierung der Nord LB hinzunehmen.

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