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Neuer Höhepunkt der Finanzkrise : „Schwarzer Montag“ an den Börsen

  • Aktualisiert am

Vor dem Aus: Lehman Brothers Bild: AFP

Die dramatische Verschärfung der Finanzkrise in Amerika hat den Dax unter die Marke von 6000 Punkten gedrückt. Der Leitindex notiert so niedrig wie seit Oktober 2006 nicht mehr. Die Wall Street verbuchte zunächst kräftige Verluste, erholt sich aber im Handelsverlauf etwas.

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          Das Drama um die großen amerikanischen Investmentbanken Lehman Brothers und Merril Lynch infolge der Finanzmarktkrise hat weltweit Schockwellen an den Börsen ausgelöst. Nach deutlichen Kursverlusten an den asiatischen und den europäischen Börsen verbuchen auch die amerikanischen Aktienmärkte eindrucksvolle Kursabschläge. Der Dow Jones liegt im frühen Handel mit einem Minus von 2,5 Prozent bei 11.142 Zählern, der S&P 500 verliert 2,12 Prozent auf 1.225 Punkte und der Nasdaq Composite gibt 1,32 Prozent nach auf 2,231 Punkte.

          Während die Aktien von Merrill Lynch aufgrund des Übernahmeangebots der Bank of America um 27,8 Prozent zulegen auf 21,77 Dollar, verlieren die Papiere der in die Pleite gerutschten Lehman Brothers 94,5 Prozent ihes zuletzt noch verbliebenen Wertes auf einen Kurs von gerade noch 20 amerikanischen Cents. Dagegen verlieren die Aktien des Versicherungsunternehmens AIG im frühen Handel 42,34 Prozent, die Papiere von Washington Mutual geben um 15,38 Prozent auf 2,32 Dollar nach und jene der Bank of America verlieren 13,5 Prozent auf 29,17 Dollar.

          Der Deutsche Aktienindex Dax liegt mit einem Minus von 3,54 Prozent bei 6.012 Punkten. Der Index flirtet schon den ganzen Tag mit der Marke von 6.000 Punkten. Im Tagesverlauf markierte er den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren. Auch die Aktienmärkte in Frankreich und Großbritannien verzeichneten starke Verluste. In Asien reagierten die Börsen ebenfalls mit einem dramatischen Minus. Als „schwarzer Montag für die amerikanischen Banken“ werteten Commerzbank-Analysten die Zuspitzung der Finanzkrise.

          Der jüngste Höhepunkt der Finanzkrise zwang vor allem die Aktien der Banken und Versicherungen in die Knie. An der deutschen Börse fielen Commerzbank-Aktien, Deutsche Bank und Postbank jeweils um bis zu 13 Prozent. Auch die Allianz-Aktien verbilligten sich um acht Prozent, während der Dax zuletzt um gut vier Prozent nachgab und mit der 6000er Marke flirtete. An den Börsen in Paris, London und Zürich waren ebenfalls besonders europäische Finanzdienstleiter von Kurseinbrüchen betroffen.

          Der französische CAC-40-Index brach um 4,8 Prozent ein, der Londoner FTSE 100 verlor 4,65 Prozent. Für den EuroStoxx 50 ging es um 4,8 Prozent nach unten. Der indische Sensex in Bombay mit 30 führenden Werten verlor nach nervösen Verkäufen 3,35 Prozent, in Taiwan und den Philippinen schlossen die Börsen jeweils gut 4 Prozent tiefer. Die Börse in Sydney verzeichnete dagegen ein Minus von 1,76 Prozent. Die asiatische Leitbörse in Tokio sowie die chinesischen Börsen waren am Montag geschlossen.

          An der Londoner Börse verloren die Aktien von HBOS 26,2 Prozent, die Papiere von Barclays gaben 14,5 Prozent nach. Die drittgrößte britische Bank hatte am Sonntag ein Angebot für die schwer angeschlagene amerikanische Investmentbank Lehman Brothers wegen mangelnder staatlicher Garantien zurückgezogen. In Paris brachen die Papiere der Société Générale um 12,6 Prozent ein, die von Crédit Agricole um 13,6 Prozent, und in Zürich sackten die Aktien der UBS um 18,6 Prozent ab.

          „Mit der Insolvenz von Lehman Brothers ist ein Horrorszenario Wirklichkeit geworden“, sagt ein Kreditanalyst. Trotz der Hinweise in der vergangenen Woche hätten die meisten Investoren nicht wahrhaben wollen, dass die Federal Reserve respektive das amerikanische Finanzministerium das Institut tatsächlich in die Pleite gehen lassen würden.

          Darüber hinaus erwartet er erhebliche Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Abzusehen sei ein signifikanter Anstieg der Ausfallraten im Corporate-Bond-Bereich. Aufgrund der Krise werde sich die Liquiditätsversorgung der Unternehmen in Zukunft deutlich einschränken. Der Kreditanalyst rechnet zudem mit einer signifikanten Korrektur der weltweiten Wachstumsraten in den kommenden Quartalen. Eine tiefe Rezession in den Vereinigten Staaten sei dabei nicht mehr auszuschließen.

          Zu Teil 3: Die Reaktion der europäischen Zentralbanken: Notenbanken pumpen Milliarden in den Markt

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