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Neuer Bankenpräsident warnt : „Müssen mit einer der tiefsten Rezessionen der Nachkriegsgeschichte rechnen“

Martin Zielke, der neue Bankenpräsident, warnte auf seiner Antrittspressekonferenz am Donnerstag (23.04.2020) vor vielen Kreditausfällen. Bild: Frank Röth

Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Martin Zielke, warnte auf seiner Antrittspressekonferenz am Donnerstag vor vielen Kreditausfällen.

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          Die Corona-Krise wird in den Bilanzen der Banken Spuren hinterlassen. Der neue Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Martin Zielke, warnte auf seiner Antrittspressekonferenz am Donnerstag vor vielen Kreditausfällen. „Wir müssen damit rechnen, dass wir eine der tiefsten Rezessionen der Nachkriegsgeschichte bekommen. Das wird entsprechende Ausfälle geben“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank auf der Telefonkonferenz. Zielke, der am Mittwoch als Nachfolger von Berenberg-Chef Hans-Walter Peters zum neuen Präsidenten des Verbandes der privaten Banken gewählt wurde, hält künftige Wertminderungen ausstehender Kredite für unausweichlich. Diese würden sich trotz der hohen staatlichen Haftungsübernahme und der Unterstützungsprogramme auch in den Bilanzen der Banken wiederfinden.

          Banken können nicht jeden Wunsch erfüllen

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der neue Bankenpräsident hält es aufgrund der Krise für unvermeidlich, dass Banken nicht jeden Kreditwunsch erfüllen können. Die Institute müssten auch in der aktuellen Notlage jeden einzelnen Kreditantrag sorgfältig und in festgelegten Prozessen prüfen. Das gilt für Zielke auch dann, wenn die Banken nur 20 oder 10 Prozent des Ausfallrisikos tragen. „Glauben Sie mir, wir versuchen sehr vieles möglich zu machen. Wir vergeben jeden Kredit, den wir vergeben können. Wir müssen aber auch Kundenwünsche ablehnen, wenn die regulatorischen Vorgaben uns keinen Spielraum lassen.“

          Die verschiedenen staatlichen Hilfsprogramme in Deutschland bewertete Zielke als „mit die besten in der Welt“. Am Anfang habe es in den Programmen der staatlichen Förderbank KFW noch „Sand im Getriebe“ gegeben, doch sei erfolgreich nachgesteuert worden. Allein die privaten Banken hätten jetzt schon Notkredite im Umfang von 3,5 Milliarden Euro an Unternehmen ausgezahlt. Die Einschätzung, dass die KfW-Kredite nicht so stark nachgefragt würden wie ursprünglich erwartet, teilt er nicht: „Unsere Mitarbeiter machen Sonderschichten. Wir haben Wochenendarbeit zur Bewältigung dieses Themas. Das machen sie nicht, wenn da nichts passiert.“

          Wie schon am Tag zuvor die Pfandbriefbanken wandte sich auch Zielke dagegen, dass die dreimonatige Stundung des Schuldendiensts bei privaten Verbraucherkrediten zinslos erfolge. „Das kann nicht sein“, sagte er und forderte dazu auf, das Missverständnis schnell zu klären.

          Die nach der Finanzkrise verschärfte Bankenregulierung bezeichnete er als wichtigen Grund dafür, dass die Banken nun eine deutlich höhere Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung aufwiesen als früher. Richtig und notwendig sei die Entscheidung der Bankenaufseher gewesen, das Regelwerk in der aktuellen Krise flexibel anzuwenden. Die Banken können nun Kapitalpuffer aufzehren und müssen Kredite mit weniger Eigenkapital unterlegen. Das hat den Vergabespielraum der 117 größten Banken im Euroraum nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) um mehr als 1,8 Billionen Euro erhöht.

          Voraussetzung für Euro-Bonds nicht erfüllt

          Der von EZB-Chefaufseher Andrea Enria vorgeschlagenen Bad Bank, auf die Banken ausfallgefährdete Kredite übertragen und so ihre Bilanzen entlasten können, kann Zielke nicht viel abgewinnen. Für notleidende Darlehen, die noch aus Zeiten vor der Corona-Krise stammten, sei dies der falsche Ansatz. Wenn es darum gehe, die Folgen der Corona-Krise abzufedern, sei es noch zu früh, um sich mit einer Bad Bank zu beschäftigen.

          Auch von der Idee gemeinsamer Anleihen der Euro-Länder (Euro-Bonds) hält Zielke nichts. Wenn es um eine gemeinsame Haftung gehe, sei eine gemeinsame europäische Wirtschafts- und Fiskalpolitik zwingende Voraussetzung. Diese Voraussetzung sei aber nicht erfüllt. Um Länder wie dem hoch verschuldeten Italien zu helfen, das gemeinsame Corona-Anleihen fordert, sind nach Ansicht Zielkes in der EU schon umfangreiche Hilfsprogramme sowie neue EZB-Anleihekäufe aufgelegt worden.

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