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Neuemissionen : Viele Börsenkandidaten in den Startlöchern

Bild: F.A.Z.

Das Jahr 2007 wird nach Einschätzung von Investmentbankern mehr große Börsengänge bringen als im Jahr 2006. Den Anfang macht dieses Jahr allerdings ein kleines Unternehmen: Kromi Logistik. Richtig losgehen mit den Börsengängen wird es erst Ende März.

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          Das Jahr 2007 wird nach Einschätzung von Investmentbankern mehr große Börsengänge bringen als im Jahr 2006. Den Auftakt im hoch regulierten Prime Standard der Deutschen Börse macht mit Kromi Logistik indes ein kleinerer Börsengang, von denen es im Vorjahr schon viele gegeben hat. So wurden im Jahr 2006 durch mehr als die Hälfte der 30 Börsenneulinge in diesem Segment weniger als 100 Millionen Euro erlöst. Nur Symrise und Wacker Chemie konnten Aktien im Wert von mehr als einer Milliarde Euro plazieren.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          „In diesem Jahr werden vier bis sechs Unternehmen mehr als eine Milliarde Euro erlösen“, schätzt Andreas Bernstorff von Dresdner Kleinwort. Von der Deutschen Bank heißt es, fünf bis zehn Emissionen dieser Größenordnung seien möglich. Bei weiterhin positivem Marktumfeld rechnet die Deutsche Bank mit bis zu 40 Börsengängen. Auch Klaus Hessberger von JP Morgan erwartet mehr als 30 Börsengänge im Prime Standard, darunter ein großer Anteil Börsenneulinge mit einem Emissionsvolumen von mehr als 500 Millionen Euro.

          Immobilien Schwerpunkt der Emissionstätigkeit

          Richtig losgehen mit Börsengängen wird es indes erst Ende März, denn die meisten Neulinge wollen den Anlegern eine von den Wirtschaftsprüfern testierte Bilanz für 2006 vorlegen. Diese wird bei vielen Unternehmen gerade erstellt und im Wertpapierprospekt zusammen mit den Risikofaktoren des Börsenkandidaten bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) eingereicht. Die Bafin hat drei Wochen Zeit für die Genehmigung des Prospektes.

          Investmentbanker sind sich weitgehend einig, dass die Immobilienbranche wie im Jahr 2006 abermals ein Schwerpunkt der Emissionstätigkeit sein wird. So haben Börsenpläne zum Beispiel die Terra Firma und die der Citigroup gehörende Deutsche Annington, die zur Sparkassen-Gruppe gehörende Corpus, der Büroimmobilieninvestor Polis, der Wohnimmobilieninvestor Franconowest und der Wohnungsprivatisierer Mondura. Dass es nach wie vor Interesse an Immobiliengesellschaften gibt, haben in diesem Jahr schon die Kapitalerhöhung von Patrizia und die neuen Wandelanleihen der IVG sowie der österreichischen Immofinanz gezeigt.

          Begeisterung kaum zu bremsen

          Mit einem Emissionsvolumen von womöglich 3 Milliarden Euro könnte der Automobilzulieferer Siemens VDO der größte Börsengang des Jahres werden. Falls Finanzinvestoren angesichts der stark gestiegenen Aktienkurse Sorge vor einem längeren Rückschlag am Aktienmarkt umtreiben sollte, könnten einige den Verkauf ihrer Beteiligungen über die Börse forcieren. Gerresheimer Glas, Springer Fachverlag, die Autowerkstattkette ATU und der Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen gelten als großvolumige und börsenreife Kandidaten.

          Der Börsengang von Kromi Logistik wird mit einem Emissionsvolumen von bis zu 55 Millionen Euro eher zu den kleineren seiner Art gehören. „Lange wurde gemunkelt, wann sich denn der erste dieses Jahr an die Börse traut, jetzt ist es raus, und mit der Kromi Logisitik kommt gleich ein richtig gutes Unternehmen“, ließ sich Manuel Bally von der Berenberg Bank in seiner Begeisterung kaum bremsen. Seine Bank begleitet erstmals als Konsortialführer einen Börsengang.

          Umsätze verlässlich kalkulierbar

          Bei den Analysten hielt sich die Begeisterung bei der Vorstellung der Börsenpläne des Hamburger Unternehmens am Montag jedoch in Grenzen. 30 Millionen Euro erlöste Kromi als Dienstleister rund um Präzisionswerkzeuge im Jahr 2006, der Jahresüberschuss lag bei zwei Millionen Euro. Angesichts dessen wirkt ein angestrebter Emissionserlös von 55 Millionen Euro und eine damit einhergehende Bewertung des Unternehmens mit 138 Millionen Euro recht hoch.

          Vorstandsvorsitzender Jörg Schubert verwies auf zu erwartende jährliche Wachstumsraten von 40 Prozent beim Umsatz und von 60 Prozent beim Gewinn. Das Unternehmen expandiere mit seinen bisherigen Kunden auch international und strebe insbesondere im süddeutschen Raum neue Kundschaft an. Zudem sei die Zusammenarbeit mit Bestandskunden wie Airbus sehr eng und künftige Umsätze daher verlässlich kalkulierbar, sagte Schubert. Er wird zusammen mit anderen Altaktionären 750.000 Aktien zur Zeichnung anbieten, 750.000 weitere Papiere sollen einer Kapitalerhöhung entstammen.

          Nach dem Börsengang werden sich 40 Prozent der Aktien im Streubesitz befinden. Die Preisspanne, in der die Aktien zur Zeichnung angeboten werden sollen, wird nach der Vorstellung des Unternehmens bei institutionellen Investoren erst am 28. Februar bekanntgegeben werden. Die Zeichnungsfrist läuft dann bis zum 6. März und am 7. März sollen die Aktien erstmals in Frankfurt gehandelt werden.

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