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Neuemissionen : Kleine Börsengänge in schwerem Fahrwasser

Mit Nabelschnurblut an die Börse: Vita 34 Bild: picture-alliance/ dpa

Die Aktien des Pharmaunternehmens Vita 34 sind gleich nach der Emission unter den Ausgabepreis gerutscht. Damit setzt sich die Negativserie der Börsenneulinge dieses Jahres fort. Die Anleger sind anscheinend kritischer geworden.

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          Die Börsenneulinge des Jahres 2007 haben es schwer, Anklang bei den Anlegern zu finden. Wenn überhaupt, so gelingt der Gang auf das Börsenparkett den bislang durchweg kleineren Unternehmen nur mit wackligen Schritten. Ein Grund dafür dürfte sein, dass seit Ende Februar die Kursschwankungen am Aktienmarkt zugenommen haben. Jetzt stehen die ersten großen Neuemissionen vor dem Start. Das Immobilienunternehmen Alstria gab am Dienstag die von 16 bis 17,50 Euro reichende Preisspanne für 29,2 Millionen angebotene Aktien bekannt. Damit ist ein Emissionsvolumen von bis zu 511 Millionen Euro möglich. Nach Ostern könnte mit Versatel sogar die erste milliardenschwere Emission erfolgen.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Dienstag setzte Vita 34 den Reigen der schwerfälligen Börsengänge kleiner Unternehmen fort. Das bislang unprofitable Geschäftskonzept der Datenbank für Nabelschnurblut hat die Anleger offenbar nicht überzeugt. Statt einer Million Aktien wurden nur 600.000 Stück verkauft, der Ausgabepreis lag mit 15 Euro im unteren Bereich der Zeichnungsspanne, und der Kurs fiel im Börsenhandel sogleich unter 13 Euro. Vita 34 ist der dritte Börsengang des Jahres im hochregulierten Prime Standard. In der Vorwoche gelangte Polis Immobilien am unteren Ende der Zeichnungsspanne, aber ohne größere Zwischenfälle an die Börse.

          Nicht jede Aktie wird blind gekauft

          Turbulent war es jedoch dem ersten Börsengang des Jahres im Prime Standard ergangen. Kromi Logistik hatte die Erwartungen an den Emissionserlös im Laufe der Werbetour deutlich reduzieren müssen und fand trotz gesenkter Preisvorstellungen nicht genügend Käufer für seine Aktien. Die Gesellschaft sagte den Börsengang am Abend vor dem Debüt ab, ging dann aber kurzfristig zu einem nochmals deutlich verringerten Aktienfestpreis über und fand schließlich zu diesem Preis doch noch genügend Käufer. Am Ende erlöste der Dienstleister für Präzisionswerkzeuge 30 statt der geplanten 55 Millionen Euro.

          Den bislang sieben Börsengängen im Entry Standard und den beiden im General Standard erging es kaum besser. Börsianer halten dies für eher positiv. Es zeige, dass im Gegensatz zu der Zeit um die Jahrtausendwende nicht einfach jede Aktie blind gekauft werde, sondern die stets als zukunftsträchtig beschriebenen Geschäftsmodelle einer kritischen Prüfung unterzogen würden.

          Umwandlung in einen Reit geplant

          Ohnehin wäre es fahrlässig, eine Einschätzung der Lage am Markt für Börsengänge allein aufgrund der Erfahrungen im Jahr 2007 zu treffen. Zusammen hatten die zwölf Neuemissionen ein Volumen von 287 Millionen Euro. Die wirklich großen Börsengänge kommen noch. Allein Alstria will mehr plazieren als alle bisherigen Emissionen zusammen. Das Hamburger Büroimmobilienunternehmen will mit einer Kapitalerhöhung bis zu 280 Millionen Euro erlösen. Zudem will der Alleineigentümer Captiva Capital, eine Beteiligungsgesellschaft der französischen Bank Natixis, Alstria-Aktien im Wert von bis zu 165 Millionen Euro verkaufen. Um Käufer zu finden, ist der Vorstand schon seit mehr als einer Woche auf Werbetour.

          Offenbar kommt Alstria bei Großanlegern ganz gut an. Fondsmanager zeigen sich beeindruckt, dass die Leerstandsquote in den Alstria gehörenden 63 Büroimmobilien mit einer Gesamtmietfläche von 630.000 Quadratmeter nur 2,2 Prozent beträgt. Das sei ein Qualitätsmerkmal für die Gesellschaft. Umstritten dürfte aber sein, dass Alstria einen Unternehmenswert anstrebt, der den Nettovermögenswert deutlich übersteigt. Analysten schätzen diesen Marktwert der Immobilien abzüglich der Schulden für das Jahresende 2007 auf 850 bis 900 Millionen Euro. Zur Mitte der Preisspanne liegt der Unternehmenswert von Alstria um rund 10 Prozent höher.

          Für diese Prämie sprechen die langen Mietlaufzeiten und der im Vergleich zu Wettbewerbern niedrige Verschuldungsgrad von Alstria; dagegen spricht die geringe Erfahrung des Vorstands, der schnelle Portfolioaufbau in nur zwei Jahren und das große Angebot an weiteren Emissionen aus der Immobilienbranche. Beobachter weisen zudem darauf hin, dass Alstria die Umwandlung in die steuerbegünstigte Rechtsform Reit plant. Dafür wäre im Jahresverlauf eine weitere Aktienumplazierung nötig. Denn ein einzelner Aktionär darf an einem Reit nur 10 Prozent halten. Weitere Verkäufe des Großaktionärs Captiva könnten den Alstria-Kurs tendenziell belasten.

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