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Neuemissionen : IPO-Boom - Wie profitierten die Gewinner?

  • -Aktualisiert am

          2 Min.

          “Die Erwartungshaltung der Investoren bei unseren Road Shows war umwerfend“, schildert Clark M., ehemaliger Gründer einer E-Commerce-Firma in Texas. “Es gab einen Zeitpunkt, wo wir dachten 'Was ist bloß mit all den Leuten los?' New York, Boston, Chicago, San Francisco - die Investoren waren wie wild auf unser Unternehmen.“

          Dass es aber nicht die Liebe zum perfekten Business Plan, sondern eher die Gier auf sofortige Emissionsgewinne war, zeigt Clark M.'s Erinnerung: “Wir hatten 65 institutionelle Investoren auf unserer Liste, angeführt von Fidelity Investments mit einem Paket von 80.000 Aktien. Am ersten Handelstag haben 54 von 65 ihre Titel sofort abgestoßen, nachdem der Kurs von 16 Dollar auf 52 Dollar hochgeschossen war, um dann bei 35 Dollar zu landen. Fidelity hat genau 16 Sekunden an unserem Paket festgehalten, im Aftermarket (nach dem ersten Handelstag) war keiner mehr zu sehen“, berichtet der Ex-CEO.

          Grundsätzlich geben die institutionellen Investoren bei Zuteilungen eine Absichtserklärung für den Aftermarket ab, eine bestimmte Anzahl von Titeln zu halten, bzw. zuzukaufen, um den Kurs des jungen Unternehmens zu stabilisieren. Derartige Absichtserklärungen sind allerdings nur mündlich und können auch nicht eingeklagt werden.

          Talfahrt ohne Sicherheitsgurt

          „Als dann im Frühjahr 2000 die Investoren den High-Tech Trend allmählich stoppen wollten, hat unsere Talfahrt begonnen“, schildert Mike Delaney, noch-CFO einer B2B-Plattform in Kalifornien. “Nach einer ursprünglichen Marktkapitalisierung von rund 1,5 Milliarden Dollar dümpeln wir jetzt bei rund 22 Millionen Dollar herum.“ Hedge Fonds, die bei der Jagd auf die Kursspitze eine wesentliche Rolle gespielt haben, waren dann auch die treibende Kraft in den Keller, durch die Platzierung laufender Short-Orders.

          “Unser Kurs ist von ehemals 40 Dollar auf einen Dollar und 25 Cents gesunken. Der einzige Vorteil aus dieser Rally war, dass wir die Hälfte unserer Emissionserlöse noch in der Kasse haben. 28 Millionen Dollar, das ist mehr als unsere derzeitige Marktkapitalisierung“, bleibt Delaney zufrieden. Und er ist kein Einzelfall.

          Leadbanken mit sauberer Weste?

          Laut einer Erhebung von Thomson Financial Services sind die IPO-Werte der Top Drei Emissionsbanken CSFB (Credit Suisse First Boston), Morgan Stanley Dean Witter und Goldman Sachs stetig bergab gegangen. So haben die IPO-Werte der Big Three in der Zeit von 1999 bis 2000 bei CSFB durchschnittlich 14,8 Prozent des Ausgabepreises verloren, bei Morgan Stanley rund 6,9 Prozent und bei Goldman Sachs 38,9 (!) Prozent.

          Alles zusammen Fakten, welche die Praktiken der vergangenen Jahre in Frage stellen. Aufsichtsbehörden und Kommissionen laufen nun eilig zusammen, um die Mängel im System zu suchen, das sich “freier Kapitalmarkt“ nennt. Die Vertreter der Kleinanleger klagen an, dass Gegenmaßnahmen längst hätten ergriffen werden sollen, um das vielgelobte Prinzip der “general fairness“ zwischen Käufern und Verkäufern nicht ad absurdum zu führen.

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