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Neuemissionen : Der Markt für Börsengänge schwächelt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Europäischen Unternehmen fällt es derzeit schwer, an die Börse zu gehen. Kursstürze seit Mitte Mai haben die Anleger zögerlicher werden lassen. 14 Unternehmen haben im Juni ihre Kapitalmarktpläne verworfen.

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          Europäischen Unternehmen fällt es derzeit schwer, an den Kapitalmarkt zu gehen. Die Kursstürze seit Mitte Mai und aufkeimende Ängste vor wirtschaftlich schwierigeren Zeiten haben die Anleger bei Neuemissionen zögerlicher werden lassen. Allein im Juni haben daher 14 Unternehmen den Börsengang kurzfristig abgesagt. Eine Reihe weiterer Kandidaten kam zu einem deutlichen Preisabschlag von zum Teil 30 bis 40 Prozent an den Markt.

          Erst Ende vergangener Woche hat der italienische Pirelli-Konzern den Börsengang seiner Reifensparte auf unbestimmte Zeit verschoben. Zuvor waren drei weitere italienische Börsenkandidaten den gleichen Weg gegangen. Am Sonntag folgte der deutsche Kapitalmarktaspirant Wacker Constructions, der die Absage damit begründete, wegen des derzeitigen Börsenumfelds sei keine angemessene Bewertung zu erzielen.

          Seit vier Wochen weniger Börsengänge

          Aufgrund der zahlreichen, zum Teil sehr großen Börsengänge bis Mitte Mai sieht die Bilanz des zweiten Quartals dennoch glänzend aus. Nach Zahlen von Thomson Financial sind zwischen April und Juni 101 Unternehmen europaweit an den Kapitalmarkt gegangen. Vor einem Jahr waren es 105 Börsengänge, was den höchsten Wert seit der Interneteuphorie vor fünf Jahren darstellte. Das aufgenommene Kapital lag mit 23,6 Milliarden Dollar sogar höher als im zweiten Quartal 2005.

          Noch Mitte Mai gelang es dem französischen Flughafenbetreiber Aeroport de Paris noch ohne weiteres, eine milliardenschwere Aktienemission zu plazieren. Doch seit Anfang Juni hat sich auch der Wind am Markt für Börsengänge gedreht. In den vergangenen vier Wochen ist nur eine Handvoll Unternehmen an die Börse gegangen, davon mußte etwa die Hälfte an der Preisschraube drehen. Der Börsengang des Kranherstellers Demag Cranes etwa wurde nur durch kräftige Senkung des Preises zu einem Erfolg. Seither hat sich der Kurs knapp oberhalb des Ausgabepreises von 22 Euro gehalten.

          Längerfristige Aktienfonds laufen moderat weiter

          Auch wenn sich die Aktienindizes wieder gefangen haben, gilt die Stimmung weiterhin als labil. Zumal Aktienfonds - die wohl wichtigste Klientel für Börsengänge - im Mai Mittelabflüsse verzeichnet haben, weil die Anleger ihr Geld in den als sicherer geltenden Geldmarkt umgeschichtet haben. Mit der sinkenden Liquidität in den Fonds verringert sich deren Bereitschaft, neue Investitionen einzugehen. Hinzu kommt, daß mit den Hedge-Fonds ein weiterer wichtiger Abnehmer der Aktien von Börsenneulingen weitgehend ausfiel. Angesichts sinkender Kurse mußten diese ihr Risiko verringern, indem sie die mit Krediten erworbenen Aktien verkauften.

          Michael Muders, Fondsmanager der Union Investment, sieht vor allem diese kurzfristig ausgerichtete Investoren als Trendverstärker. „Das ist die Schuld solcher Anleger, die auf jeden Zug aufspringen, um kurzfristige Gewinne zu machen. In schlechten Zeiten fehlen diese Investoren.“ Dagegen würden die längerfristigen Aktienfonds auch in schlechten Zeiten am Ball bleiben. Er sieht keine Anzeichen dafür, daß sich die Lage binnen weniger Wochen dreht. „Es sieht im Moment nicht so aus, als würden die kurzfristigen Investoren zurückkommen.“ Sollte sich das Klima in den nächsten Monaten verbessern, würden einige der Börsenkandidaten, die jetzt einen Rückzieher gemacht haben, sehr schnell wieder an den Markt kommen.

          Rosneft: Größter Börsengang des Jahres

          Erste Hoffnungsschimmer gibt es: Einige Unternehmen lassen sich nicht beirren und halten unvermindert an ihren Plänen fest. So steht mit dem russischen Ölkonzern Rosneft in der kommenden Woche der mit 11,65 Milliarden Dollar größte Börsengang in diesem Jahr an. Der britische Versicherungskonzern Standard Life Assurance hält ebenfalls an seinen Börsenplänen für kommende Woche fest. Noch am Montag abend wollte der deutsche Bauzulieferer Bauer AG den Ausgabepreis mitteilen. Der Solarmodul-Hersteller Aleo Solar will Mitte Juli den Sprung an den Aktienmarkt wagen. Und der italienische Motorrollerhersteller Piaggio will gleichfalls auf jedem Fall an die Börse gehen.

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