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Neuemissionen : Börsenkandidaten trotzen den Kursturbulenzen

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Treschkow

Die Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten bekam Kromi Logistik bei ihrem Börsengang zu spüren: der Ausgabepreis sank kräftig. Auch die vorhergesagte Welle von Börsengängen wird durch die Kurskorrekturen ein wenig auf sich warten lassen.

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          Nach der jüngsten Kurskorrektur an den internationalen Aktienmärkten wird die für dieses Jahr vorhergesagte Welle von Börsengängen noch ein wenig auf sich warten lassen. „Die nächsten Wochen werden etwas ruhiger. Was an Börsengängen in Vorbereitung ist, wird sich ein wenig nach hinten verschieben“, sagt Michael Muders, Fondsmanager von Union Investment.

          Ähnlich wie nach der Kurskorrektur im Mai vergangenen Jahres könnten wieder Debatten über die Bewertungen der Börsenkandidaten aufflammen: „Es wird einen gewissen Preisdruck geben. Alle Geschäftsmodelle, die nicht überzeugend sind, werden es sehr schwierig haben.“

          Für die Investoren hat es sich ausbezahlt

          Diese Turbulenzen bekam in dieser Woche Kromi Logistik zu spüren, der erste Börsengang des Jahres im Prime Standard der Deutschen Börse, dem Segment mit den höchsten Transparenzanforderungen. Nach einer zu geringen Nachfrage sahen sich die Konsortialführer gezwungen, den Ausgabepreis kräftig zu senken.

          Das hat sich für die Investoren ausbezahlt: Mit einem zehnprozentigen Plus zum Ausgabepreis von 20 Euro gingen die Aktien des Werkzeug-Dienstleisters am Donnerstag in den Handel und zum Kurs von 22,97 Euro wieder heraus. Der am Freitag in den geregelten Markt strebenden Hanseyachts gelang eine reibungslose Zeichnungsphase: Die Aktien werden mit 33 Euro inmitten der Preisspanne zugeteilt.

          „Sehr viel Liquidität im Markt“

          Investmentbanker zeigten sich denn auch weitaus optimistischer als die Fondsgesellschaften. Der Markt sei sehr aufnahmefähig, sagte Georg Hansel, Leiter des inländischen Aktienemissionsgeschäfts der Deutschen Bank. Die zum Jahresbeginn erwartete Zahl von 40 Börsengängen im Prime Standard sei ebenso realistisch wie das vorhergesagte Emissionsvolumen von 10 Milliarden Euro.

          Klaus Fröhlich, Leiter des deutschen Emissionsgeschäfts von Morgan Stanley, ist ähnlicher Auffassung: Glücklicherweise sei die Kurskorrektur noch vor der Hochphase der Neuemissionen gekommen. Er rechnet mit einer Welle an Börsengängen von der Mitte des zweiten Quartals an. Einen Preisdruck sieht er nicht: „Es ist sehr viel Liquidität im Markt.“ Beispielsweise habe Morgan Stanley inmitten der Korrektur binnen weniger Stunden Aktien der Swiss Re im Wert von 1,4 Milliarden Dollar ohne Preisabschlag plaziert.

          „Wir sind kein Immobilienhändler“

          Christian Bacherl, Chef des deutschen Aktienemissionsgeschäfts der Unicredit, ist gleichfalls äußerst entspannt. „Die Fundamentaldaten haben sich nicht geändert.“ Unicredit ist die Konsortialführerin des Büroimmobilienunternehmens Polis Immobilien AG, das am Donnerstag seine Börsenpläne bekanntgab. Die auf Bürohäuser in Großstädten spezialisierte Gesellschaft will nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Alan Cadmus am 21. März an den Prime Standard gehen. Die Zeichnungsfrist für bis zu 6,2 Millionen Aktien soll am kommenden Mittwoch beginnen und am 20. März beendet sein.

          Das 1998 gegründete Unternehmen strebt einen Bruttoerlös von 73,3 bis 104,7 Millionen Euro an. Dieses Geld fließt fast ausschließlich der Gesellschaft zu und soll laut Cadmus zum Erwerb weiterer Büroimmobilien dienen. Mit einem Eigenanteil von 40 Prozent könne Polis in den nächsten zwölf Monaten 150 bis 200 Millionen Euro für Zukäufe ausgeben. Das Berliner Unternehmen ist auf Bürogebäude in Innenstadtlagen im Wert von 5 bis 20 Millionen Euro spezialisiert. Polis sieht sich als Bestandshalter, der vorwiegend an den Mieteinnahmen verdient. „Wir sind kein Immobilienhändler“, sagt Cadmus.

          „Perfekt auf Reits vorbereitet“

          Polis hat derzeit 16 Immobilien im Wert von 140 Millionen Euro im Bestand. Deren Kaufpreise sind zu 60 Prozent mit Schulden finanziert worden. Der Jahresüberschuss betrug zuletzt 0,5 Millionen Euro und soll in diesem Jahr laut einer Studie der Unicredit auf 10,3 Millionen Euro klettern. Polis verspricht den künftigen Aktionären - wie bei Immobilienwerten üblich - eine hohe Ausschüttungsquote. Nach dem Börsengang soll der Streubesitz 56 Prozent betragen.

          Der Anteil der beiden Großaktionäre - die zur niederländischen Rabobank gehörende Bouwfonds Asset Management sowie die Karlsruher Mann Immobilien - halbiert sich auf jeweils 15,1 Prozent. Cadmus kündigte an, Polis wolle sich schnellstmöglich in eine steuerbegünstigte Immobilienaktie (Reit) umwandeln. „Wir sind perfekt auf Reits vorbereitet.“ Noch steckt die Richtlinie für die Reits allerdings im Gesetzgebungsverfahren der Bundesregierung fest.

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