https://www.faz.net/-gv6-tmqr

Neuemissionen : Andrang an der Börse

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Investmentbanken rechnen für 2007 mit mehr und zugleich mit größeren Neuemissionen. In diesem Jahr sind bereits 30 Unternehmen an den hochregulierten Prime Standard der Deutschen Börse gegangen.

          3 Min.

          Der Gang an die Börse ist wieder beliebt. Investmentbanker erwarten für 2007 eine nochmals steigende Zahl an Neuemissionen. In diesem Jahr sind bereits 30 Unternehmen an den hochregulierten Prime Standard der Deutschen Börse gegangen. Mehr waren es das letzte Mal im Jahr 2000, als zahlreiche Unternehmen an den Neuen Markt strebten. „Wir werden mehr Börsengänge sehen als in diesem Jahr - vorausgesetzt, das Marktumfeld entwickelt sich weiter positiv“, sagt Georg Hansel voraus, der für das Aktienemissionsgeschäft der Deutschen Bank zuständig ist. Doch nicht nur die Zahl der Börsengänge, auch deren Volumen wird nach einhelliger Ansicht der Fachleute zunehmen. Die meisten Neuzugänge dürften aus der Immobilienbranche sowie aus den Schatullen der Beteiligungsfonds kommen.

          Andreas Bernstorff, Chef des deutschen Kapitalmarktgeschäfts der Investmentbank Dresdner Kleinwort, rechnet mit bis zu vier Transaktionen, welche mit dem Börsengang im kommenden Jahr mehr als eine Milliarde Euro erlösen werden. In diesem Jahr schafften dies nur zwei Unternehmen - Wacker Chemie und Symrise. Insgesamt haben deutsche Unternehmen nach Angaben der Unternehmensberatung Ernst & Young 2006 rund 7,6 Milliarden Euro an der Börse eingesammelt. Europaweit waren es nach Zahlen von Thomson Financial sogar 98 Milliarden Dollar und damit mehr als jemals zuvor.

          Immobilien das beherrschende Thema

          Alle Investmentbanken berichten von vollen Auftragsbüchern; öffentlich genannt werden dennoch nur wenige Börsenkandidaten. Die Vorlaufzeiten für einen Börsengang seien mittlerweile einfach geringer, sagt Bernstorff. Zudem gibt es nach den Worten von Hansel keine großangelegten Werbekampagnen für Privatanleger mehr. Die einzige Ausnahme in diesem Jahr war die Fluglinie Air Berlin, die mit einer großen Anzeigenkampagne für sich und den Börsengang warb.

          Einige Namen kursieren gleichwohl. Der Energie- und Industriekonzern RAG ist erklärtermaßen ein möglicher und schwergewichtiger Kandidat; die Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Im Vordergrund dürften nach der Einführung der steuerbegünstigten Immobilienaktien (Reits) zum Jahresbeginn Immobilienwerte stehen. „Wir können uns vorstellen, daß es im Jahr 2007 mehr als zehn größere Börsengänge in dem Sektor geben wird“, sagt Klaus Fröhlich, Leiter des deutschsprachigen Aktienmarktgeschäftes von Morgan Stanley. „Immobilien werden in den nächsten Jahren das beherrschende Thema sein“, sekundiert Hansel. Dadurch würden neue Investoren an den Aktienmarkt gelockt, die bisher ihr Geld in Immobilienfonds angelegt haben.

          Beteiligungsfonds als wichtige Quelle

          Börsenkandidaten aus der Branche gibt es viele, vor allem aus den Händen von Finanzinvestoren. Der größte ist die zum Beteiligungsfonds Terra Firma gehörende Immobiliengruppe Deutsche Annington. Hinzu dürften große Kapitalerhöhungen durch Immobilienwerte kommen. Denn Unternehmen wie Gagfah finanzieren damit zeitnah ihre Zukäufe.

          Ohnehin dürften Beteiligungsfonds eine wichtige Quelle für Börsengänge sein. „Das ist ein großer Treiber des Marktgeschehens“, sagt Hansel. Denkbar sind unter anderem Börsengänge der zu KKR gehörenden Autowerktstattkette ATU und des zu Candover und Cinven gehörenden Fachverlags Springer Science. Auch das im Besitz von CVC befindliche Stromableseunternehmen Ista ist erklärtermaßen ein schwergewichtiger Kandidat, für den es freilich dank des preistreibenden Bieterverfahrens um den börsennotierten Wettbewerber Techem immer mehr Kaufinteressenten gibt.

          „Neues Jahr, neues Glück“

          Das Thema alternative Energien könnte im kommenden Jahr gleichfalls eine wichtige Rolle spielen. „Das wird wieder an Attraktivität gewinnen“, sagt Hansel. Einige Unternehmen aus dieser Branche wie Crop Energies oder Verbio hatten jüngst allerdings enttäuscht und notieren immer noch unter dem Ausgabepreis. Dennoch stehen Unternehmen wie Solarwatt oder der Biodieselhersteller Ecodasa bereits in den Startlöchern. Hansel rechnet auch mit einer gewissen Renaissance der Technologiewerte. „Eine neue Generation von profitablen Internetunternehmen wird an den Kapitalmarkt kommen.“ Der Börsengang des virtuellen Geschäftsnetzwerks Xing sei dafür ein Beispiel. Aus den Reihen der Telekommunikations- und Kabelunternehmen gebe es ebenfalls eine Reihe von Kandidaten.

          In diesem Jahr fanden die großen Börsengänge bei den Investoren einen guten Anklang, während kleinere oft nur mit Mühe an den Markt kamen. Das werde sich im Jahr 2007 fortsetzen, meint Bernstorff. „Bei den kleinen Börsengängen haben die Investoren mehr Möglichkeiten, Druck auf die Preise auszuüben.“ Andere sehen das anders. Sollten die ersten Emissionen des Jahres gut laufen, dann werde es für kleinere Unternehmen einfacher, sagt ein Investmentbanker: „Neues Jahr, neues Glück.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein türkischer Militärkonvoi inmitten von Fahrzeugen flüchtender Zivilisten im Norden der Provinz Idlib.

          Assads Vormarsch in Idlib : Geschichten der Ohnmacht

          Die syrischen Truppen rücken in Idlib ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung vor. Die Türkei hält mit Unterstützung für die Rebellen dagegen – aber nur, solange das Moskau nicht zu sehr verärgert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.