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Neue Studie : Negative Zinsen helfen der Wirtschaft nicht

Die Zentralbank Japans hat lange Erfahrung mit sehr niedrigen Zinsen Bild: dpa

Die Europäische Zentralbank könnte den Zins auf Einlagen von Banken noch tiefer in den negativen Bereich senken. Doch eine Untersuchung von Daten aus Japan weckt Zweifel, ob das die Konjunktur in Schwung bringen kann.

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          Eine Untersuchung zweier Ökonomen weckt Zweifel an der Eignung negativer Leitzinsen als wirtschaftlicher Stimulans. So könnte die Europäische Zentralbank (EZB) Mitte September eine weitere Senkung ihres Einlagenzinses von derzeit minus 0,40 Prozent unter anderem mit den sehr niedrigen Inflationserwartungen in der Eurozone begründen. Denn viele Teilnehmer an den Finanzmärkten erwarten derzeit nicht mehr, dass es der EZB gelingen wird, die Inflationsrate in den kommenden Jahren auf das von ihr gewünschte Niveau von knapp 2 Prozent zu heben.

          Die Idee ist, dass durch eine Senkung des Leitzinses an den Finanzmärkten eine wirtschaftliche Belebung erwartet wird, als deren Folge die Inflationserwartungen und dann schließlich auch die Inflationsrate und das Wirtschaftswachstum steigen.

          Kein Land hat eine längere Erfahrung mit sehr niedrigen Zinsen und sehr niedrigen Inflationsraten als Japan. Die Ökonomen Jens Christensen und Mark Spiegel haben in einer von der Federal Reserve Bank of San Francisco veröffentlichten Analyse der Situation in Japan allerdings entdeckt, dass die Senkung der Leitzinsen unter null dort keine höheren Inflationserwartungen erzeugt hat, wie es die traditionelle Denkweise nahelegt, sondern genau das Gegenteil.

          Die anhand der Preise von Staatsanleihen gemessenen Inflationserwartungen sind sogar noch gesunken, und das mag ein Grund sein, warum die japanische Wirtschaft nicht so stark gewachsen ist wie erhofft. Vorsicht sei daher angebracht, wenn negative Leitzinsen von Notenbanken als Mittel für eine expansive Geldpolitik eingesetzt werden, schreiben Christensen und Spiegel.

          Die Arbeit der beiden Ökonomen stützt die verbreitete These, dass bei Leitzinsen nahe oder unter null Prozent die Wirksamkeit der Geldpolitik nachzulassen beginnt. Die Ökonomen Markus Brunnermeier und Yann Koby haben vor wenigen Jahren das mittlerweile einflussreiche Konzept des „Umkehrzinses“ entwickelt. Das ist jenes Zinsniveau, bei dessen weiterer Senkung die wirtschaftlich nachteiligen Folgen einer Zinssenkung ihre positiven wirtschaftlichen Folgen übertreffen.

          Das gilt besonders mit Blick auf die Banken. Sinkende Zinsen tragen zwar oft zu Kursgewinnen der in den Bankbilanzen vorhandenen Wertpapiere bei, aber sie beeinträchtigen gleichzeitig die Gewinnmargen der Banken im traditionellen Einlagen- und Kreditgeschäft.

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