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Neue Plattform : Immobilienfinanzierung wird voll-digital

Immobilienprojekte könnten bald voll digital finanziert werden. Bild: Immobilienprojekt Zürich Flughafen

Die Finanzierung von Immobilienprojekten war bisher immer individuelle Handarbeit. Mit einer neuen Plattform wollen die Crowdinvesting-Plattform Zinsland und die Taunus-Sparkasse diese nun digitalisieren und standardisieren.

          Die Online-Plattform Zinsland der Hamburger Civum GmbH ist vor allem aus dem Crowdinvesting bekannt. Erfolgreich vermittelt sie seit Jahren hoch verzinste Nachrangdarlehen für Immobilienprojekte an Privatanleger. Nun will Zinsland aus diesem Nischengeschäft ausbrechen und mit einer neuen Plattform, Caladio, in die gewerbsmäßige Immobilienfinanzierung einsteigen. Damit soll erstmals Immobilienfinanzierung vollständig digital werden.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die neu Plattform soll es ermöglichen, die gesamte Kapitalbeschaffung zu beantragen, abzuwickeln und zu dokumentieren. Damit bringe man erstmals alle Beteiligten an einer gewerblichen Immobilienfinanzierung, Projektentwickler und Immobilienbestandshalter mit Banken und anderen gewerblichen Immobilienfinanzierern zusammen, sagt Carl von Stechow, Gründer und Anlagevorstand von Zinsland.

          Bislang konnten Projektentwickler über Plattformen wie Zinsland nur ergänzendes Kapital von Privatanlegern einwerben. Der Hauptteil der Finanzierung, das heißt vor allem klassische Bankkredite, musste jedoch auf herkömmlichem Weg gesucht und beantragt werden.

          Zusammenführung von Projektentwicklern und Finanzierern

          Über Caladio sollen mittelständische Immobilienunternehmer Finanzierungsanfrage einstellen können. Auf Basis dieser Angaben soll die Finanzierung bewertet und strukturiert werden. Dazu werde ein standardisierter Datensatz erstellt, der mit den Anforderungen von Banken und alternativen Finanzierer wie Versicherungen oder Versorgungskassen, etwa Mindestfinanzierungsvolumen oder gewünschtes Immobiliensegment abgeglichen werde. Daraufhin sollen interessierten Kapitalgeber Finanzierungsangebote zu marktüblichen Konditionen abgeben. Auch ergänzendes Kapital über Zinsland könne auf diesem Weg eingeworben werden, sowohl von Privatinvestoren als auch größere Tranchen von semi-institutionellen Investoren.

          „Mit Caladio schaffen wir erstmals eine umfassende Lösung, mit der wir die gewerbliche Immobilienfinanzierung vollständig abbilden können. Als erster Anbieter überhaupt bieten wir der Immobilienwirtschaft so einen kompletten digitalen Service zur Finanzierung ihrer Projekte“, sagt von Stechow.

          Caladio wurde von Zinsland gemeinsam mit der Taunus-Sparkasse entwickelt, die zu den größeren im Verbund gehört. Gemeinsam will man nun auch eine standardisierte, digitale Lösung für das Berichtswesen entwickeln. Denn die Berichte von Projektentwicklern über den Stand der Projekt seien oft inkonsistent, unvollständig und unpünktlich. Der Schwerpunkt liege vor allem auf dem Management des Rechnungseingangs.

          Die Plattform soll es zudem ermöglichen, Projektdaten via künstlicher Intelligenz umfassend zu analysieren. Hier arbeitet Zinsland mit dem Berliner Immobiliendatenspezialist 21st Real Estate und Architrave zusammen, einem Anbieter für Datenräume und Künstliche Intelligenz im Immobiliensegment. Starten soll Caladio im Sommer diesen Jahres.

          Crowdinvesting in Immobilien ist in Deutschland ein sehr erfolgreiches Nischenprodukt. Zinsland hat seit 2014 nach eigenen Angaben 78 Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 670 Millionen Euro finanziert. In Folge hätten sich in den Jahren 2015 und 2017 namhafte Immobilienunternehmer an Zinsland beteiligt. Der ganz große Durchbruch aber ist der Finanzierungsform bisher nicht gelungen.

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