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Auf neuer Blockchain : Ethereum reduziert durch „Merge“ Energieverbrauch deutlich

  • -Aktualisiert am

Ether könnte langfristig die wichtiger als der Bitcoin werden. Bild: AFP

Die Kryptowährung wird seit Mittwoch mit 99 Prozent weniger Energieverbrauch geschöpft. Manche Fachleute sehen Ether nun auf dem Weg zu einer globalen Währung.

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          Der Energieverbrauch von Kryptowährungen wird häufig kritisch mit dem ganzer Länder verglichen. Schließlich wird der Stromverbrauch Finnlands für die Blockchain allein der Kryptowährung Ether benötigt: mehr als 100 Terawattstunden im Jahr. Am Donnerstag kam es nun zu einer Software-Umstellung, die manche für bahnbrechend halten. Geändert wurde das Verfahren, wie Transaktionen innerhalb des Systems als vertrauenswürdig bestätigt werden. Damit wird die Schwäche des hohen Energieverbrauchs ausgemerzt.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Blockchains sind öffentliche Datensatzketten, mit denen Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether, aber auch Vertragsdokumente von einem zum anderen Netzwerk-Teilnehmer verschickt werden. Neue Daten werden als neue Blocks an die bisherige Kette angefügt. Bisher stecken dahinter kryptographische Rätsel, deren Lösung viel Rechenleistung verlangt. So sollen Transaktionen manipulationssicher sein. Wer die Blockchain überlisten will, müsste mehr als 50 Prozent der gesamten Rechenleistung im System auf sich vereinen. In der Realität erscheint das bei etablierten Kryptowährungen praktisch nicht um­setzbar.

          Ether

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          Dieses Verfahren wird als Proof of Work bezeichnet. Demgegenüber steht das modernere Verfahren „Proof of Stake“. Es setzt darauf, dass Nutzer zur Bestätigung von Transaktionen Einheiten der Kryptowährung hinterlegen müssen. Um dieses Verfahren zu manipulieren, müsste ein Nutzer mehr als die Hälfte der gesamten Währung besitzen – bei einer Marktkapitalisierung des Ethers von mehr als 200 Milliarden Euro praktisch ausgeschlossen.

          Nutzer müssen Geduld mitbringen

          Schon seit 2020 erprobt die Ethereum-Stiftung eine neue Blockchain, die mit Proof-of-Stake arbeitet – die Beacon Chain. Sie verbraucht nur einen Bruchteil der Energie, laut der Stiftung sogar sage und schreibe 99,95 Prozent weniger als Proof of Work. Am Donnerstag wurde während eines Livestreams auf Youtube das Ethereum-Mainnet, die ursprüngliche Blockchain von Ethereum, mit der Beacon Chain verschmolzen (englisch: merge).

          40.000 Zuschauer beobachteten, wie der Moderator mit dem Benutzernamen Superphiz den „Merge“ feierte: „Wir hatten es uns ge­nauso vorgestellt. Nichtsdestotrotz ist es überwältigend, die Umstellung jetzt in der Realität zu beobachten. Für die Nutzer hat sich im Vordergrund nichts verändert, doch im Hintergrund hat sich alles geändert.“ Viel Pathos, wenig da­hinter? Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank widerspricht: Er sieht Ether jetzt auf dem Weg zu einer globalen Währung.

          Da im Proof-of-Stake-Verfahren die Validatoren des Netzwerks nur kleinere Einheiten der Ethereum-Blockchain ge­gen Betrug prüfen müssten, sollten die Transaktionskosten – anders als bisher – bei steigender Nutzerzahl sinken (Skalierbarkeit). De la Rubia rechnet mit höherer Skalierbarkeit und sinkenden Transaktionskosten vom kommenden Jahr an.  „Damit dürfte die Revolution im Finanzsektor Fahrt aufnehmen“, sagt er. „Auf einmal rechnen sich Zehntausende Geschäftsmodelle, die bisher von traditionellen Finanzins­tituten zu günstigeren Bedingungen an­geboten werden“, fügt de la Rubia hinzu.

          Andere Fachleute sind etwas vorsichtiger, was die kurzfristigen Folgen angeht. „An der Geschwindigkeit und den Gebühren für die Transaktionen ändert sich erst mal nichts“, entgegnet Sven Hildebrandt. Er arbeitet für die Börse Stuttgart Digital Ventures GmbH und ist spezialisiert auf Blockchains. Vielmehr sei die jetzt er­folgte Umstellung die Grundlage, um „mit den anschließenden Upgrades eine schnelle und effiziente Infrastruktur“ aufzubauen. Wann es so weit ist, sei zurzeit schwer abzusehen. Wie heiße es nicht so oft scherzhaft in der Krypto-Welt: Bald...!

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