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Zwanziger-Banknote : Ein neuer Geldschein für Europa

  • -Aktualisiert am

Auslaufmodell: Der alte 20-Euro-Schein Bild: Rüchel, Dieter

Am Dienstag wird der 20-Euro-Schein präsentiert. Er hat ein weltweit einmaliges Fenster für mehr Sicherheit. Seine Vermarktung kostet 5 Millionen Euro. Auch ein Computerspiel dazu gibt es schon.

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          Super Mario wird Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, von manchen genannt. Bald erweist seine Notenbank diesem Spitznamen eine kleine, aber feine Ehrung.

          Kommende Woche wird der Welt der neue 20-Euro-Schein gezeigt, der ab Herbst in Umlauf kommt. Präsentieren und live unterschreiben wird ihn am Dienstag Mario Draghi in einem eigens dafür organisierten Event - sofern Draghi nicht wegen irgendwelcher Griechenland-Verhandlungen verhindert ist. Präsentiert wird er im Herbst dann dem jüngeren Publikum mit einem Computerspiel, einem sogenannten „Jump-’n’-run-Spiel“. Ewiges Vorbild in diesem Genre ist „Super Mario“, das erfolgreichste Videospiel aller Zeiten: in der Hauptrolle ein italienischer Klempner in Latzhose.

          Im EZB-Spiel wird natürlich nicht Super Mario die Hauptrolle spielen. Ziel des Spiels ist es, dass auch Kinder sich in die neuen Sicherheitsmerkmale des Scheins einarbeiten. Erwachsene können das schon jetzt tun, mittels eines anderen beliebten Computerspiels: Tetris. Bei erfolgreichem Spiel werden peu à peu die Sicherheitsmerkmale des neuen Scheins enthüllt. Es kommt offenbar an. Schon 400.000 Mal wurde das Spiel gespielt, heißt es in der EZB. Obwohl doch bislang weder bekannt ist, zu welchem Datum der neue Schein genau kommt, noch, wie er aussieht. Ob die Leute beim Tetris-Spiel wirklich die erspielten Sicherheitsmerkmale angeguckt haben, ist zweifelhaft. Dass die Leute die Sicherheitsmerkmale kennen, ist in diesem Fall allerdings besonders wichtig, weil 20-Euro-Scheine mit den 50-Euro-Scheinen zusammen die am häufigsten benutzten Geldscheine in Europa sind. Zudem wird gerade der Zwanziger häufig gefälscht. Rund ein Drittel der gefälschten Banknoten in Deutschland sind Zwanziger, nur der Fünfziger ist noch beliebter.

          Beide Scheine wird es für viele Jahre parallel geben

          Beim neuen 20-Euro-Schein gibt es deshalb auch ein völlig neuartiges Sicherheitsmerkmal: Auf dem glänzenden Streifen am rechten Rand des Scheins findet sich demnächst oben ein Fensterchen. Blickt man durch, erscheint die Figur Europa. Kippt man den Schein hingegen, so erscheint das Fenster auf der einen Seite als regenbogenfarbige Fläche und auf der anderen Seite sieht man die Zahl 20. Die EZB hält das für extrem schwierig zu fälschen, denn das Fensterchen ist bislang einmalig auf der Welt.

          Äußerlich hat der 20-Euro-Schein sich kaum geändert. Wie bei seinen Vorgängern - 10 und 5 Euro sind schon im neuen Format erschienen - bleibt das Motiv gleich (gezeigt wird der Baustil Gotik), ebenfalls die blaue Farbe und die Größe. Der Schein wird etwas dicker, die Zahl 20 wird man dann fühlen können.

          Gedruckt wird die neue 20-Euro-Note derweil längst. Drei Milliarden alte Stück sind zu ersetzen. Erst einmal wird es daher für viele Jahre beide Geldscheine parallel geben. Vom kommendem Dienstag an können die Automatenbetreiber erste 20 Euro Scheine für ihre Tests erhalten. Bislang mussten sie ihre Automaten zu den nationalen Notenbanken bringen, wenn sie ausprobieren wollten, wie es mit den neuen 20-Euro-Scheinen klappt. Die nationalen Notenbanken veranstalten außerdem von jetzt an Seminare für die Automatenbetreiber und verteilen Broschüren an Menschen, die mit Bargeld umgehen: Taxifahrer, Kassierer. Die Kampagne ist aber noch größer. Es gibt auch einen Film, Plakate und so weiter.

          Kein Selfie-Wettbewerb mehr

          Das Ganze startet früh. Denn dieses Mal soll es keine Probleme geben, den Schein an Automaten und Kassen loszuwerden - nicht wie beim Fünfer, dem ersten neu eingeführten Schein, den anfangs viele Automaten nicht annahmen.

          Im Gegensatz zum Zehner, der im September vergangenen Jahres eingeführt wurde, wird es aber eines nicht geben: einen Selfie-Wettbewerb. Damals hatte die EZB dazu aufgerufen, die besten Selfies mit dem 10-Euro-Schein einzusenden. Viele Menschen machten sich allerdings einen Spaß daraus, Fotos zu twittern, die wohl eher nicht im Sinne der EZB waren. Sie steckten den Schein ins Maul ihres Hundes, zogen dadurch weißes Pulver oder zeigten stattdessen andere Währungen. Mancher zeigte sich gar mit D-Mark oder Drachme.

          Die EZB lässt sich das Bekanntmachen des neuen Scheins auch ohne dieses lustige Zusatzelement 5 Millionen Euro kosten. Für eine Notenbank, die kürzlich angekündigt hat, für eine Billion Euro Staatsanleihen zu kaufen, ist das eine vernachlässigbare Summe.

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