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Negativzinsen : Banken, jammert nicht so viel

  • -Aktualisiert am

Deutsche Bank-Chef Sewing schimpft über die enormen Belastungen, die die Zinspolitik für seine Branche mit sich bringe. Bild: Reuters

Null- oder gar Negativzinsen sind für die Banken nicht nur schlecht. Die Kreditinstitute machen es sich zu leicht, wenn sie die Schuld für die eigene Misere nur bei der EZB und der Zinsentwicklung suchen.

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          Lange Zeit hielten es Ökonomen für unvorstellbar, dass es einmal negative Zinsen geben könnte. Das Konzept leuchtet ja auch nicht gerade ein: Sparer sind nun mal daran gewöhnt, Zinsen für ihr Geld zu erhalten. Im Falle von Negativzinsen aber bekommen sie nichts, sondern müssen stattdessen Geld dafür zahlen, dass sie der Bank ihr Erspartes überlassen. Eine verkehrte Welt.

          In der Praxis kommt es bislang selten vor, dass Sparer zahlen müssen. Trotzdem sind die Ökonomen früherer Zeiten widerlegt. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) erhebt nun schon seit einiger Zeit negative Zinsen auf Spareinlagen, die die Banken bei ihr parken. An den Finanzmärkten wird sogar erwartet, dass die EZB diesen sogenannten Einlagesatz kommende Woche noch einmal stärker ins Negative senken wird.

          Es ist verständlich, dass sich die Banken darüber nicht freuen. Denn durch negative Zinsen entstehen ihnen Kosten, die sie so nicht einfach an die normalen Sparer weiterreichen wollen. Der Gewinn aus ihrem Kerngeschäft des Einsammelns und Verleihens von Geld – die sogenannte Zinsmarge – sei dadurch bedroht, klagen sie. Deutsche Bank-Chef Christian Sewing schimpfte in der vergangenen Woche laut über die enormen Belastungen, die die Zinspolitik für seine Branche mit sich bringe.

          Niedrige Zinsen haben auch Vorteile für die Banken

          Hat er recht? Natürlich will kein Bankchef zusätzliche Kosten. Aber während Null- oder gar Negativzinsen für Sparer immer unangenehm sind, sind sie für die Banken nicht notwendigerweise immer schlecht. Auch wenn die Geldinstitute selbst nicht so gern darüber reden, haben niedrige Zinsen auch einige Vorteile für sie: Die Banken müssen erstens selbst kaum Zinsen zahlen, wenn sie neue Anleihen ausgeben, um sich frisches Geld zu beschaffen. Zweitens sinkt in Niedrigzinszeiten üblicherweise die Zahl der ausfallgefährdeten Kredite, mit denen sich die Banken herumschlagen müssen. Und drittens profitieren sie in manchen Geschäftsfeldern sogar, weil ihre Kunden wegen der niedrigen Zinsen vermehrt Baufinanzierungen abschließen oder sich stärker für den Kauf von Fonds interessieren.

          Dass ausgedehnte Phasen negativer Zinsen den Banken auf Dauer zusetzen, bleibt unbestritten. Aber die Banken machen es sich zu leicht, wenn sie die Schuld für die eigene Misere nur bei der EZB und der Zinsentwicklung suchen.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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