https://www.faz.net/-gv6-a67f9

Nebenwerte : Der M-Dax wird attraktiver

Aktienhändler arbeiten im Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse vor der Anzeigetafel mit der Dax-Kurve. Bild: dpa

Der Dax wird größer, der M-Dax schrumpft. Ein Bedeutungsverlust? Nicht alle Profi-Anleger sehen das so.

          2 Min.

          Die Dax-Erweiterung im kommenden Jahr wird den M-Dax zehn seiner Werte und etwa ein Drittel seines Börsenwertes kosten. Ein Abstieg in die Bedeutungslosigkeit droht dem Mittelwerteindex trotzdem nicht. Nach Meinung des Fondsmanagers Andreas Strobl von der Privatbank Berenberg könnten sich Anleger nach der Reform sicher sein, dass ihr Investment tatsächlich in kleinere wachstumsstarke Unternehmen fließt. „Groß ist schön, aber wenn groß nicht wächst, bringt es dem Anleger wenig“, sagt Strobl der F.A.Z. Nur weil das Börsengewicht eines Index kleiner wird, werde er nicht weniger attraktiv. Im Gegenteil: „Ohne die Schwergewichte schärft sich das Bild des M-Dax“, sagt der Fondsmanager. So könne zukünftig stärker die Wachstumsdynamik der Mittelständler abgebildet werden.

          Zu den Unternehmen, die den M-Dax verlassen, gehören viele „Old Economy“Aktien, die nach Ansicht des Fondsmanagers wenig zum derzeitigen Wachstum beitragen. Das sind nach aktuellem Stand Airbus, Brenntag, Hannover Rück, Hello Fresh, LEG Immobilien, Qiagen, Sartorius, Siemens Healthineers und Symrise, die in den Leitindex aufsteigen. Lediglich Hello Fresh und Zalando gehören im engeren Sinne zur „New Economy“. Die Ende September vom Industrieriesen Siemens abgespaltene Siemens Energy wird, wie die Deutsche Börse am Donnerstag bekanntgab, Ende Dezember in den M-Dax aufsteigen. Strobls Ansicht nach gehört der Energiekonzern ebenfalls zu den traditionellen Unternehmen und werde daher wenig Wachstum in den M-Dax bringen. Für Siemens Energy wird Grenke den Index verlassen.

          „Es wird zwar als große Dax-Reform dargestellt, aber in Wirklichkeit ist es eher eine Evolution und keine Revolution“, sagt Strobl. Attraktiver werde der Dax dadurch nicht. Der Fondsmanager rechnet damit, dass der M-Dax nach der Reform stärker wachsen und höhere Renditen generieren werde – bei einer gleichzeitig sinkenden Volatilität. Letztere ist trotz Corona ähnlich oder geringer als die im Dax. Denn anders als der Leitindex enthält der M-Dax viele Titel aus Zukunftsbranchen wie IT-Firmen oder Handelsplattformen. Diese weisen ein höheres strukturelles Wachstum auf als die „Old-Economy“-Titel im Dax, außerdem sind sie weniger konjunkturabhängig. Der Bedeutungsverlust halte sich daher in Grenzen.

          MDAX ®

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Mit der veränderten Zusammensetzung verschieben sich künftig auch die Branchengewichte im M-Dax. Allein durch den Aufstieg von Airbus werde das relative Gewicht des IT-Sektors um 7 bis 8 Prozent steigen, prognostiziert Strobl. Der Gesundheitssektor werde dagegen Anteile verlieren, wenn beispielsweise Sartorius und Siemens Healthineers im kommenden Jahr den Index verlassen. Bisher sei der M-Dax stark durch die Entwicklung der Schwergewichte getrieben worden, sagt der Fondsmanager und findet für ein Unternehmen besonders deutliche Worte: „Airbus hatte in meinen Augen nie etwas im M-Dax zu suchen.“ Mit einer Marktkapitalisierung von 71 Milliarden Euro und etwa 15 Prozent Gewicht gab der Konzern lange die Richtung im M-Dax vor. Da das Gros der Börsenumsätze über die Pariser Börse läuft, blieb dem europäischen Flugzeughersteller bisher der Eintritt in den Dax verwehrt.

          Ab dem kommenden Jahr wird es keine Schwergewichte mehr im M-Dax geben. Dann werden die größten Unternehmen nach aktuellem Stand eine Marktkapitalisierung von unter 20 Milliarden Euro erreichen. „Halb so dramatisch“, findet Strobl. Schließlich sei zu erwarten gewesen, dass einige der großen Unternehmen in den Dax aufsteigen würden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Pharmazeutin im nagelneuen Impfzentrum des Chemieunternehmens BASF in Ludwigshafen

          F.A.Z. Exklusiv : Wie Dax-Konzerne gegen Corona impfen und testen

          Fast alle Mitglieder der ersten Börsenliga stellen ihren Mitarbeitern kostenlose Tests zur Verfügung. BASF und die Allianz machen nun sogar mit betrieblichen Impfungen der eigenen Mitarbeiter Tempo, zeigt eine F.A.Z.-Umfrage unter den 30 Dax-Unternehmen.
          Amerikanische Soldaten im August 2015 in der afghanischen Provinz Nangarhar

          Amerikas Abzug aus Afghanistan : Erschöpfte Kapitulation?

          Joe Biden will in Kürze den Abzug der Soldaten aus Afghanistan verkünden. Der Einsatz dort gilt als gescheitert, die Zukunft ohne amerikanische Truppen ist ungewiss.
          Leere Bänke und Tische vor einer Kneipe in Halle/Saale am 12. April

          Corona-Politik : Die Bundes-Notbremse ist schädlich

          Das Gesetz über bundeseinheitliche Regeln zur Bekämpfung der Pandemie schafft keine Möglichkeiten, die es nicht schon gibt. Aber es nimmt den Landkreisen die Chance zum flexiblen Handeln. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.