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Natixis im Gespräch : Investmentbanking braucht einen Fokus

Bild: AFP

Eigentlich kommentiert die französische Bank Natixis die Geschäftspolitik von Wettbewerbern nicht. Was deutschen Großbanken fehlt, sagt ihr Investmentbankchef trotzdem.

          Nein, dieses Jahr wird nicht leicht im Investmentbanking. Kurz nach den besorgniserregenden Zahlen der Schweizer Großbank UBS fürs erste Quartal mit einem skeptischen Ausblick äußert sich auch der Chef des Investmentbankings der französischen Bank Natixis eher vorsichtig. „Das Jahr 2019 wird ein sehr herausforderndes Jahr fürs Investmentbanking“, sagte Marc Vincent, „Global Head of Corporate and Investment Banking“ der französischen Bank, der F.A.Z. Die Konjunktur trübe sich ein, es sei noch nicht abzusehen, wie das ausgehe. Die Entwicklung in China, in Italien, der Brexit – das alles seien Herausforderungen. Auch der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China sei für die Aussichten der Branche „sicherlich nicht hilfreich“.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der französische Banker sieht sein Haus im Investmentbanking dabei anders aufgestellt als beispielsweise die Deutsche Bank, die gerade ziemlich unter Druck steht und Gespräche mit der Commerzbank über einen Zusammenschluss aufgenommen hat. „Die Geschäftspolitik von Wettbewerbern will ich nicht kommentieren“, sagte er. „Aber unser Investmentbanking ist sehr fokussiert – dadurch unterscheiden wir uns von vielen anderen Banken“, sagte Vincent. „Unsere Schwerpunkte liegen in vier Bereichen: dem Geschäft mit Immobilien und Hotels, dem Bereich Luftfahrt und Finanzierung von Fluggesellschaften, der Finanzierung von Infrastruktur sowie Energie und natürliche Ressourcen.“

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          Auf den Erfolg in diesen speziellen Bereichen könne man nun aufbauen. Das Investmentbanking von Natixis verfolge nun für den Zeitraum von 2018 bis 2020 eine Strategie der „drei d“ – „deepen“, „digitalize“, „differentiate“, also vertiefen, digitalisieren und differenzieren. „Wir wollen unser ohnehin schon starkes Kundengeschäft vertiefen, das Geschäft, wo möglich, auf digitale Lösungen umstellen und unsere Angebote stärker als bisher vom Wettbewerb differenzieren“, sagte Vincent. Eine wichtige Rolle spielten dabei die sechs unabhängigen M&A-Boutiquen der Bank, mit denen sie weite Teile der Welt abdecke, wenn es auch bislang keine in Deutschland gebe.

          Dafür gehöre Natixis zu den wenigen internationalen Banken, die hierzulande eine eigene Pfandbriefbank hätten. „In Deutschland finanzieren wir unter anderem große Immobilienprojekte, oft in Konsortien, wie beispielsweise das Hochhaus Eschborn Plaza in Eschborn bei Frankfurt für rund 157 Millionen Euro oder den Umbau des historischen Schicklerhauses von 1910 in Berlin für rund 56 Millionen Euro“, sagte Vincent. Zudem biete die Bank hier strukturierte Produkte und Zertifikate an.

          In Deutschland seien Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter wichtige Kunden der Bank. „Natürlich gibt es Unterschiede in der Kultur des Bankgeschäfts zwischen Deutschland und Frankreich“, meinte der französische Banker. Jedes Land habe auch auf dem Gebiet seinen eigenen Stil. „Ich halte das aber nicht für das Entscheidende“, sagte Vincent. „Wir machen Geschäft überall in der Welt, egal ob in Europa, Amerika oder China – unsere Kunden brauchen Lösungen und eine Bank, die ihnen zuhört, das ist überall gleich.“

          Zur Belastung der Banken durch das Zinsniveau gerade im Anleihegeschäft meinte Vincent: „Es gibt generell Schwierigkeiten mit dem Zinsniveau für Banken im Geschäft mit Anleihen oder Einlagen – aber das betrifft unser Corporate und Investment-Banking nicht so stark, weil wir nicht so sehr im zinsabhängigen Geschäft engagiert sind.“ Er glaube nicht, dass Europa in den nächsten zwei Jahren einen nachhaltigen Anstieg des Zinsniveaus sehen werde: „Für uns ist das aber durchaus eine Chance, weil unsere Geschäftskunden dann von uns kreative Lösungen für Investments wollen – und keine Standardlösungen mit Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, die alle anbieten können.“ Das Institut selbst sehe sich auch vom Brexit relativ wenig betroffen: „Wir haben zum Glück unser Investmentbanking nie von Paris nach London verlegt – deshalb müssen bei uns jetzt weniger als 50 Leute umziehen.“

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